Weniger Alkohol, höheres LDL? Dosisabhängige Effekte auf das Lipidprofil

Eine große japanische Check-up-Kohortenstudie zeigt dosisabhängige Veränderungen von LDL- und HDL-Cholesterin nach Zu- oder Abnahme des Alkoholkonsums – mit klinischer Relevanz für das Lipid-Monitoring.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Alkoholkonsum und Cholesterin:

  • In einem großen Check-up-Kollektiv war ein reduzierter Alkoholkonsum im Folgejahr mit einem Anstieg des LDL und einem Abfall des HDL gegenüber unverändertem Konsum assoziiert.
  • Die Effekte zeigten eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je stärker die Reduktion bzw. je höher der Ausgangskonsum, desto ausgeprägter die Lipidveränderungen.
  • Umgekehrt war eine Zunahme des Alkoholkonsums mit leicht niedrigeren LDL und höherem HDL verbunden; auch hier nahm der Effekt mit der Konsummenge zu.
  • Die beobachteten Zusammenhänge zeigten sich auch in Analysen nach Getränketypen konsistent und waren nicht auf eine bestimmte Alkoholart beschränkt.
  • Für die Praxis leiten die Autoren ab: Nach Änderung des Alkoholkonsums sollten Lipide gezielt kontrolliert werden, um das kardiovaskuläre Risikomanagement anzupassen. 

Analysiert wurden Daten aus der St. Luke’s Health Check-up Database (Tokyo) mit jährlichen Untersuchungen zwischen 2012 und 2022. Eingeschlossen wurden Erwachsene ab 20 Jahren mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden Check-ups; Personen unter lipidsenkender Therapie wurden ausgeschlossen. 

Primäre Endpunkte waren die Veränderungen von LDL-C und HDL-C zwischen zwei aufeinanderfolgenden Visiten. 

Für die Auswertung wurden zwei Kohorten mit unterschiedlicher Entwicklung des Trinkverhaltens betrachtet – jeweils im Vergleich zu einer Referenzgruppe ohne entsprechende Änderung.

  • Zunahme des Alkoholkonsums: Personen, die ihren Alkoholkonsum im Folgejahr erhöhten und damit in die Kategorie eines regelmäßigen Konsums wechselten (Vergleich: unveränderter, nicht regelmäßiger Konsum).
  • Abnahme des Alkoholkonsums: Personen, die ihren Alkoholkonsum im Folgejahr reduzierten und damit nicht mehr als regelmäßige Konsumenten galten (Vergleich: unveränderter regelmäßiger Konsum). 

Die Auswertungen berücksichtigen dabei nicht nur die Richtung der Veränderung, sondern auch deren Ausmaß; entsprechend werden die Effekte pro Veränderung um 1 alkoholisches Getränk/Tag dargestellt; ein Standardgetränk entsprach 10 g Ethanol (z. B. 250 ml Bier, 104 ml Wein oder 31 ml Whisky). 

Alkoholreduktion: LDL steigt, HDL sinkt – abhängig vom Ausgangskonsum

Insgesamt wurden 57.691 Personen ausgewertet (mittleres Alter 46,8 Jahre; 53,0 % Frauen). In der Kohorte mit abnehmendem Alkoholkonsum waren 25.144 Teilnehmer erfasst.

Im Mittel ging eine Reduktion um 1 Getränk/Tag mit einem Anstieg des LDL-Cholesterins um 1,41 mg/dL und einem Abfall des HDL-Cholesterins um 1,25 mg/dL einher. Die Effekte nahmen mit dem Ausgangskonsum zu:

  • Ausgangskonsum <1,5 Drinks/Tag (mit nachfolgender Reduktion): LDL +1,10 mg/dL; HDL −1,25 mg/dL
  • Ausgangskonsum 1,5–3,0 Drinks/Tag: LDL +3,71 mg/dL; HDL −3,35 mg/dL
  • Ausgangskonsum ≥3,0 Drinks/Tag: LDL +6,53 mg/dL; HDL −5,65 mg/dL

Mehr Alkoholkonsum: LDL sinkt, HDL steigt

In der Kohorte mit zunehmendem Alkoholkonsum waren 29.042 Teilnehmer erfasst. Im Mittel ging eine Zunahme um 1 Drink/Tag mit einem Rückgang des LDL-Cholesterins um 1,59 mg/dL und einem Anstieg des HDL-Cholesterins um 1,15 mg/dL einher.

Auch hier zeigte sich eine klare Dosisabhängigkeit (Vergleich zu Teilnehmern ohne entsprechende Zunahme):

  • Zunahme <1,5 Drinks/Tag: LDL −0,85 mg/dL; HDL +0,58 mg/dL
  • Zunahme 1,5–3,0 Drinks/Tag: LDL −4,40 mg/dL; HDL +2,49 mg/dL
  • Zunahme ≥3,0 Drinks/Tag: LDL −7,44 mg/dL; HDL +6,12 mg/dL

Fazit: Lipide nach Konsumänderungen im Blick behalten

Die Studie zeigt: Die Zunahme des Alkoholkonsums geht mit moderaten, dosisabhängigen Verschiebungen zu niedrigerem LDL und höherem HDL einher. Bei Konsumreduktion zeigte sich das gegenläufige Muster mit LDL-Anstieg und HDL-Abfall.

Auch wenn die beobachteten Lipidveränderungen nach Alkoholstopp im Mittel relativ klein wirken, könnten sie – bei breiter Verhaltensänderung in der Bevölkerung – relevant sein. Für die Praxis bedeutet das: Nach deutlicher Konsumreduktion sollten Lipidwerte kontrolliert und bei Bedarf Lebensstil- und lipidsenkende Strategien eingeleitet werden.

Quelle:
  1. Suzuki T, Fukui S, Shinozaki T, et al. Lipid Profiles After Changes in Alcohol Consumption Among Adults Undergoing Annual Checkups. JAMA Network Open. 2025;8(3):e250583. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.0583.