Jung, depressiv und mit gestörter Erektion

Notlage in deutschen Betten? Immer mehr junge Männer < 40 Jahre leiden unter erektilen Funktionsstörungen. Klinisch sind die Betroffenen allerdings durch nichts vom gleichaltrigen gesunden Mann zu unterscheiden. Was ist da bloß los?

Notlage in deutschen Betten? Immer mehr junge Männer < 40 Jahre leiden unter erektilen Funktionsstörungen. Klinisch sind die Betroffenen allerdings durch nichts vom gleichaltrigen gesunden Mann zu unterscheiden. Was ist da bloß los? Eine aktuelle Studie zeigt: Seht Euch die Psyche der jungen Männer genauer an. Oft sind depressive Stimmungslagen mit den Erektionsstörungen vergesellschaftet. 

Offenbar kommen mehr und mehr junge Männer mit dem Erstsymptom "erektile Dysfunktion" (ED) in die urologischen Praxen. Darüber hinaus scheinen sie jedoch auf den ersten Blick völlig symptomlos zu sein. Eine aktuelle Studie aus Italien nahm sich dieser Entwicklung einmal an und untersuchte 307 Männer auf gesundheitsrelevante Komorbiditäten. Alle Männer füllten zudem sowohl den International Index of Erectile Function (IIEF-Score)- als auch den Beck's Inventory of Depression (BDI)-Fragebogen aus. Zwei Gruppen von jungen Männern wurden danach miteinander verglichen: solche mit Erektionsstörungen und niedrigem IIEF-EF-Score (IIEF-EF <26) und solche mit normalem IIEF-EF.

Keine augenscheinliche Ursache für die ED

Insgesamt wiesen 78 (25%) Patienten mit ED keine auffälligen IIEF-EF-Scores auf, während 229 (75%) hier Auffälligkeiten zeigten. Unter letzteren jungen Männern mit ED hatten 90 (29%) IIEF-EF-Werte, die auf eine schwere ED hindeuteten.

Zwischen den beiden Vergleichsgruppen gab es ansonsten keine signifikanten Unterschiede mit Blick hinsichtlich medianem Alter, BMI, Hypertonie, allgemeinem Gesundheitsstatus, Raucherstatus oder Alkoholkonsum. Interessanterweise unterschieden sich die beiden Gruppen auch nicht im Testosteronwert, sodass bei den jungen Männern mit ED kein Hypogonadismus als Ursache anzunehmen war.

Psychische Probleme nehmen zu

Die Männer mit ED berichteten jedoch signifikant häufiger über depressive Verstimmungen, was sich ebenfalls in einem median erhöhten BDI-Wert zeigte (7 mit ED, Reichweite 3–13 vs. 5 ohne ED, Reichweite 1–9). Darüber hinaus korrelierten BDI und IIEF-EF-Werte umgekehrt proportional: Je höher der BDI-Wert, desto niedriger war der IIEF-EF-Wert (OR = 1,08) und damit empfanden die Männer ihre ED umso schwerwiegender.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Studie zeigte vor allem eines: Einer von vier jungen Männern mit erektiler Dysfunktion zeigte im IIEF-EF-Score keine Auffälligkeiten. Gerade dann, wenn körperliche Befunde ausbleiben, sollte daher bei jungen Männern mit ED die Psyche genauer betrachtet werden. Sehr viel häufiger scheinen Erektionsstörungen bei Männern < 40 Jahre nämlich mit depressiven Episoden im Zusammenhang zu stehen.

Psychogene Faktoren sind demnach ein wichtiger Auslöser für Erektionsstörungen in jüngerem Lebensalter. Daher sollte in der Praxis darauf geachtet werden, ruhig auch einmal über das Basis-Assessment für psychische Probleme hinauszugehen und standardisierte Fragebögen, wie beispielsweise den BDI, in die Anamnese mit einzubeziehen.

Darüber hinaus sind weitere Studien vonnöten, welche die Zusammenhänge zwischen Psyche und Erektionsfähigkeit beim jungen Mann näher untersuchen. Das Thema gewinne derzeit an Bedeutung im Alltag, da immer mehr betroffene Männer die Praxen mit dem Primärsymptom einer ED aufsuchen würden, so die AutorInnen abschließend.

Quelle:
Pozzi E et al., Eur Urol Focus 2020; 6(1): 184–189

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