Einschätzung des eigenen Diabetes-Risikos bei gesunden Studenten

Immer häufiger wird ein Typ-2-Diabetes bereits bei jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren diagnostiziert. Da das Risikobewusstsein in dieser Altersgruppe meist gering ist, wird der Diabetes oft erst spät erkannt und behandelt.

Risikowahrnehmung hängt auch von der Persönlichkeitsstruktur ab

Immer häufiger wird ein Typ-2-Diabetes bereits bei jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren diagnostiziert. Da das Risikobewusstsein in dieser Altersgruppe meist gering ist, wird der Diabetes oft erst spät erkannt und behandelt. In einer dänischen Studie wurde jetzt bei Studenten untersucht, welche Rolle Persönlichkeitsmerkmale bei der Wahrnehmung des eigenen Diabetes-Risikos spielen.

Trotz der zunehmenden Inzidenz des Typ-2-Diabetes in dieser Altersgruppe, halten viele junge Menschen sich selbst für nicht gefährdet. Dabei verläuft die Erkrankung bei frühem Auftreten oft besonders aggressiv, wozu auch die verspätete Diagnose und Therapie beitragen kann. Das mangelnde Risikobewusstsein kann auch dazu führen, dass präventive Maßnahmen wie Gewichtskontrolle und gesunde Ernährung vernachlässigt werden.

Bei der Wahrnehmung von Gesundheitsrisiken spielten auch Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle – also die Art, wie Menschen denken, fühlen und sich verhalten. Dies wollten Lotte Skøt und ihre Arbeitsgruppe aus Esbjerg, Dänemark, jetzt genauer untersuchen. An der Studie nahmen 1.205 unter 40-jährige Studenten ohne Diabeteserkrankung (mittleres Alter 25, 80 % weiblich) von den fünf wichtigsten Universitäten Dänemarks teil. Die Probanden wurden gefragt, wie hoch sie ihr Lebenszeitrisiko für einen Typ-2-Diabetes einschätzen (auf einer Skala von 1-7, 1=extrem unwahrscheinlich, 7=nahezu sicher), wie hoch ihre körperliche Aktivität ist, wie sie es mit dem Süßigkeitenkonsum halten und ob sie schon einmal auf Typ-2-Diabetes untersucht wurden. Außerdem gaben sie ihren BMI an und es wurden Kovarianten wie Alter, Geschlecht, Geburtsort der Eltern (Dänemark oder woanders), Bildungsstand der Eltern und Familienanamnese für Typ-2-Diabetes ermittelt. Die Ergebnisse wurden dann in Bezug zu den Ergebnissen eines Persönlichkeits-Tests nach dem 5-Faktor-Modell (FFM) gestellt, der Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus/emotionale Stabilität umfasst.  

Lebenszeit-Risiko für Diabetes wird eher niedrig eingeschätzt

Insgesamt war die Einschätzung des eigenen Diabetes-Risikos relativ niedrig (im Mittel 2,72 auf der Skala von 1-7). Ein höheres Risikobewusstsein für einen möglichen Typ-2-Diabetes zeigte sich in der bivarianten Analyse bei positiver Familienanamnese (29,6 % der Probanden), Übergewicht/Adipositas (25 % der Probanden), Diabetes-Screening in der Vergangenheit und bei täglichem Süßigkeitenkonsum. Besonders niedrig wurde das eigene Diabetesrisiko eingeschätzt, wenn mindestens  ein Elternteil einen Universitätsabschluss hatte, die Probanden die Empfehlungen für körperliche Aktivität erfüllten sowie bei hohen Persönlichkeitswerten in den Bereichen Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion und emotionale Stabilität.

Gewissenhafte und emotional stabile Persönlichkeiten schätzen Risiko gering ein

Nach Berücksichtigung von Kovarianten, gesundheitsbewusstem Verhalten und BMI in der Multiregressionsanalyse blieben Gewissenhaftigkeit (z.B. zuverlässig, organsiert, methodisch, sorgfältig) und emotionale Stabilität direkt mit einer besonders geringen Wahrnehmung des eigenen Diabetesrisikos assoziiert. Bei der Extraversion (z.B. energiegeladen, kontaktfreudig, durchsetzungsstark) ließ sich der Zusammenhang allein durch eine damit verbundene vermehrte körperliche Aktivität erklären 

Als Erklärung vermuten die Autoren, dass sehr gewissenhafte Persönlichkeiten ihr Risiko möglicherweise deshalb als gering einschätzen, weil sie überzeugt sind, durch ihr Verhalten keine Gesundheitsrisiken einzugehen. Der Zusammenhang mit emotionaler Stabilität könnte darin begründet sein, dass diese eher entspannten ruhigen Menschen, sich weniger mit negativen Gedanken über die Zukunft belasten.

Persönlichkeitstyp bei Gesundheitsaufklärung berücksichtigen

Auch wenn die Ergebnisse erst noch durch weitere Langzeit-Studien bestätigt werden müssen, lässt sich bereits jetzt ablesen, dass Persönlichkeitsmerkmale bei jungen Erwachsenen die Wahrnehmung des eigenen Diabetes-Risikos direkt oder indirekt beeinflussen, schrieben die Autoren. Die Kommunikation von Gesundheitsrisiken in dieser Altersgruppe sollte daher nicht nach dem Motto "eine für alle" erfolgen, sondern verstärkt auf verschiedene Persönlichkeitsstrukturen zugeschnitten werden.

Quelle:

Lotte Skøt et al; Who perceives a higher personal risk of developing type 2 diabetes? A cross-sectional study on associations between personality traits, health-related behaviours and perceptions of susceptibility among university students in Denmark; BMC public health (2018); 18: 972; DOI: https://doi.org/10.1186/s12889-018-5884-9


 
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