SGLT2-Inhibitoren unter den Bedingungen des Ramadan

Schätzungsweise leiden weltweit 148 Millionen Muslime an Typ-2-Diabetes – die meisten halten sich an die Fastenregeln des Ramadan. Die neue Substanzgruppe der SGLT2-Inhibitoren könnte hier Probleme machen, da die Substanzen durch ihren Wirkmechanismus möglicherweise das Risiko für Dehydration und Hypoglykämien erhöhen.

Hypoglykämierisiko scheint vor allem bei Kombination mit Insulin erhöht

Schätzungsweise leiden weltweit 148 Millionen Muslime an Typ-2-Diabetes – die meisten halten sich an die Fastenregeln des Ramadan. Die neue Substanzgruppe der SGLT2-Inhibitoren könnte hier Probleme machen, da die Substanzen durch ihren Wirkmechanismus möglicherweise das Risiko für Dehydration und Hypoglykämien erhöhen. Dieser Frage gingen Diabetologen aus Dubai jetzt in einer Studie nach.

In der Zeit des Ramadan verzichten Muslime von Sonnenaufgang bis -untergang auf Essen, Trinken und meist auch auf orale Medikamente. Im Sommer können das bis zu 19 Stunden sein. In mehreren Studien wurde bereits die Sicherheit der Diabetestherapie unter diesen besonderen Bedingungen untersucht. Die größten Risiken während der Fastenperiode sind demnach diabetische Ketoazidose, Hyper- oder Hypoglykämien, Dehydration und Thrombose.

SGLT2-Inhibitoren unter Fastenbedingungen

In den letzten Jahren kommen zunehmend SGLT2-Inhibtoren zum Einsatz – insbesondere nachdem für Empagliflozin positive kardiovaskuläre und renale Effekte gezeigt wurden. Durch die Hemmung der Glukose-Reabsorption kommt es unter diesen Substanzen auch zu einer verstärkten osmotischen Diurese. Dadurch könnte das Risiko für Dehydration, Verschlechterung der Nierenfunktion und Thrombosen während der Fastenperiode erhöht sein – speziell in besonders heißen Ländern.

Alaaeldin Bashier et al. aus Dubai haben daher jetzt im Rahmen einer prospektiven Studie untersucht, welchen Einfluss der Ramadan auf die Gesundheit von Typ-2-Diabetikern hat, die mit SGLT2-Inhibitoren in verschiedenen Kombinationen behandelt werden. Eingeschlossen wurden 417 über 18-jährige Patienten, die sich während des Ramadan 2016 an die Fastenregeln gehalten haben. Die Patienten waren im Mittel 54 Jahre alt, 58,5 % waren Frauen und die mittlere Diabetesdauer lag bei 13,4 Jahren. Der Ausgangs-HbA1C-Wert vor dem Ramadan lag bei 8,3 %.

Oft wird auch bei Hypoglykämien Fasten nicht gebrochen

Insgesamt 113 Patienten (27,0 %) berichteten während der Fastenperiode über Hypoglykämien, von denen 93 (82,3 %) Glukoseselbstmessungen durchgeführt hatten. Bei 78 (83,8 %) wurde die Hypoglykämie (< 70 mg/dl) dadurch bestätigt. Trotz der Empfehlung, bei Hypoglykämien das Fasten zu unterbrechen, wurde dies nur von 38 Patienten befolgt. Nur 57 Patienten hatten die Dosierung ihrer antidiabetischen Medikation während des Ramadan angepasst. Die beobachteten Hypoglykämien waren meist nicht schwer, nur ein Patient musste deswegen stationär aufgenommen werden.

Hypoglykämien vor allem bei Kombination mit Insulin

Die Hypoglykämien traten signifikant häufiger unter der Kombination von SGLT2-Inhibitoren mit Insulin auf als unter der Kombination mit anderen oralen Antidiabetika (37,8 % vs. 18,0 %; p < 0,005). Unter den Insulin-behandelten Patienten entwickelten mehr Patienten unter einer intensivierten Insulintherapie eine bestätigte Hypoglykämie als bei alleiniger Gabe von Basalinsulin (p = 0,0020) – obwohl unter intensivierter Insulintherapie mehr Patienten das Fasten unterbrochen hatten (19,8 vs. 6,7 %).

Keine Verschlechterung der Nierenfunktion

Nur 39 Patienten (9,3 %) berichteten während des Fastens über einen extremen und ungewöhnlichen Durst, was als Zeichen der Dehydration gewertet wurde. Auch hier waren Patienten mit der Kombination von SGLT2-Inhibitoren und Insulin häufiger betroffen als bei rein oralen Kombinationen (13,5 vs. 6,16 %). Thrombotische Ereignisse oder eine Verschlechterung der Kreatinwerte traten während des Ramadan nicht auf.

Auch positive Auswirkungen des Ramadan wurden beobachtet: Der mittlere HbA1-Wert ging von 8,3 % auf 7,8 % zurück und die Patienten nahmen etwas Gewicht ab.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass Typ-2-Diabetiker unter SGLT2-Inhibitoren (insbesondere in Kombination mit Insulin) während längerer Fastenperioden ein erhöhtes Hypoglykämierisiko haben und deshalb engmaschiger kontrolliert werden sollten. Da nur ein kleiner Teil der Patienten das Fasten beim Auftreten von Hypoglykämien gebrochen hat, ist hier noch viel Aufklärung und Schulung nötig, schreiben die Autoren. Ansonsten scheinen die SGLT-2-Inhibitoren aber auch unter den Bedingungen des Ramadan relativ sicher zu sein –  Verschlechterungen der Nierenfunktion oder Thrombosen wurden nicht beobachtet.

Quelle:
Bashier A et al; Safety of Sodium-Glucose Cotransporter 2 Inhibitors (SGLT2-I) During the Month of Ramadan in Muslim Patients with Type 2 Diabetes: Oman Medical Journal (2018); 33: 104-110.

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