Endoskopisches Screening senkt Magenkarzinomsterblichkeit in asiatischen Ländern

Ein endoskopisches Screening auf Magenkrebs könnte die Sterblichkeit an der Erkrankung um bis zu 40% verringern. Zu diesem Ergebnis kommt die nach Angabe der Autoren weltweit erste Meta-Analyse von einschlägigen Beobachtungsstudien, die kürzlich veröffentlicht wurde.

Früherkennung von Magenkrebs

Ein endoskopisches Screening auf Magenkrebs könnte die Sterblichkeit an der Erkrankung um bis zu 40% verringern. Zu diesem Ergebnis kommt die nach Angabe der Autoren weltweit erste Meta-Analyse von einschlägigen Beobachtungsstudien, die jetzt von Forschern unter der Leitung von Xing Zhang von der onkologischen Abteilung am Guang’anmen Hospital der Chinesischen Akademie der Chinesischen Medizin-Wissenschaften in Beijing, veröffentlicht wurde. Überraschenderweise beeinflusste das endoskopische Screening die beobachtete Inzidenz der Malignome nicht.1

Auswertung prospektiver und retrospektiver Studiendaten

Gemäß einer Untersuchung aus dem Jahr 2012 kommt es weltweit jährlich zu rund 950.000 Neuerkrankungen bei etwa 725.000 Todesfällen durch Magenkrebs. Damit liegt der Krebs auf Platz fünf der häufigsten Krebsarten und auf Platz drei der krebsbedingten Todesursachen.2 Während frühe Krebsstadien mit einer guten Überlebenschance von 90% nach Resektion verknüpft sind, reduziert sich diese für fortgeschrittene Fälle auf rund 10%.3 Aufgrund dieser schlechten Prognose würden anhaltend Studien zur besseren Früherkennung der Erkrankung vorgenommen, so die chinesischen Autoren der aktuellen Meta-Untersuchung. Das gelte insbesondere für stark betroffene Nationen in Asien. So existierten in Japan, Korea und auf den taiwanesischen Matsu-Inseln landesweite Screening-Programme, in Singapur und Taiwan habe zudem opportunistisches Screening die Mortalität senken können.4,5

Für ihre Untersuchung werteten die Autoren Medizindatenbanken zu den Stichworten Gastroskopie (sowie verwandte Begriffe) und Magenkrebs (sowie verwandte Begriffe) aus. Primäre Endpunkte waren die Mortalität an und die Inzidenz von Magenkarzinomen, wobei ausschließlich Fallkontroll- und pro- bzw. retrospektive Kohortenstudien mit direkten oder leicht ableitbaren Aussagen zum relativem Risiko (RR) von Patienten ab 18 Jahren berücksichtigt werden konnten (Abb. 1). Die Arbeiten mussten endoskopisches Screening umfasst und dieses anderen Verfahren oder Verzicht auf Screening gegenübergestellt haben. Als sekundäre Endpunkte wurden die Mortalität und Inzidenz nach unterschiedlichen Interventionen im Anschluss an die Erstdiagnose festgelegt.

Systematische Mängel und Heterogenität der Studien verhindert weitergehende Aussagen

Insgesamt zehn Publikationen, die 342.013 Patienten erfasst hatten, fanden Eingang in die Auswertung. Bezüglich der Magenkarzinom-Mortalität ergab die gepoolte Auswertung der Studien eine RR von 0,60 bei einem 95% Konfidenzintervall (CI) von 0,49–0,73 infolge eines endoskopischen Screenings, also eine Risikoreduktion um 40%. Es sei jedoch eine signifikante Heterogenität der Studien ins Auge gefallen, deren Ausschlag maßgeblich, wenn auch keinesfalls ausschließlich, auf eine einzelne Studie zurückgeführt werden konnte. Wurde diese von der Auswertung ausgeschlossen, ergab sich ein RR von 0,56 (95% CI 0,48–0,65) für Patienten, die endoskopisch gescreent worden waren.

Im Vergleich sowohl zum Verzicht auf ein Screening als auch zum radiologischen Screening (Bariumbrei) erwies sich das endoskopische Screening  als signifikant überlegen (RR 0,58; 95% CI 0,48-0,70 ohne Screening bzw. RR 0,33; 95% CI 0,12–0,91 bei radiologischer Untersuchung). Männer und Frauen profitierten in vergleichbarem Maße vom endoskopischen Screening. Auffällig war weiterhin, dass bezüglich der Mortalität allein die Patienten in Japan und Korea signifikant vom Screening profitierten, während die Risikoreduktion in China mit etwa 15% die Signifikanz verfehlte.   

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Abb. 1: Flussdiagramm der Quellenauswahl für die Meta-Analyse [1].

Unklarheit bei der Inzidenz

In die Untersuchung der Magenkarzinom-Inzidenz gingen lediglich zwei der zehn untersuchten Studien ein. Im Zusammenhang mit Screening-Untersuchungen wurde weder ein Anstieg noch ein Abfall der Inzidenz beobachtet. Aufgrund der geringen Zahl von geeigneten Studien warnen Xing und Kollegen jedoch davor, ihr Ergebnis zur Inzidenz auf die Goldwaage zu legen.

Als weitere Schwächen der Veröffentlichung geben die Autoren den Rückgriff auf Fall-Kontroll- bzw. Kohorten-Studien an. Hintergrund seien staatliche Screening-Programme in Japan und Korea, die den Rückgriff  auf prospektive randomisierte Untersuchungen in diesen Ländern weitgehend unmöglich machten. Zusätzliche Schwierigkeiten hätten die großen Unterschiede im Design der eingeschlossenen Studien bereitet, insbesondere die Häufigkeit und der zeitliche Abstand der Screening-Untersuchungen. Potenziell konfundierende Faktoren, wie etwa der Befall mit Helicobacter pylori, hätten nicht sicher ausgeschlossen werden können. Darüber hinaus seien ausschließlich Studien auf Englisch bei der Meta-Analyse berücksichtigt worden. Entgegen ursprünglich weiter gefasster Studienziele seien diese alle in asiatischen Ländern durchgeführt worden.

Trotz dieser systematischen Mängel halten die Autoren die Reduktion der Magenkarzinom-Mortalität durch endoskopisches Screening jedoch aufrecht und gehen davon aus, dass ihre Ergebnisse durch zukünftige bevölkerungsbasierte prospektive Kohortenstudien bestätigt werden.

Quellen: 
1. Xing Z, et al. Endoscopic Screening in Asian Countries Is Associated With Reduced Gastric Cancer Mortality: A Meta-analysis and Systematic Review. Gastroenterology. 2018; 155: 347–354. https://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085(18)30487-6/pdf
2. Torre LA, et al. Global cancer statistics, 2012. CA Cancer J Clin. 2015; 65: 87–108. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.3322/caac.21262
3. Layke JC, Lopez PP. Gastric cancer: diagnosis and treatment options. Am Fam Physician. 2004; 69: 1133–1140. https://www.aafp.org/afp/2004/0301/p1133.pdf
4. Fock KM, et al. Asia-Pacific consensus guidelines on gastric cancer prevention. J Gastroenterol Hepatol. 2008; 23: 351–365. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/j.1440-1746.2008.05314.x
5. Leung WK, et al. Screening for gastric cancer in Asia: current evidence and practice. Lancet Oncol. 2008; 9: 279–287. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S147020450870072X

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