Therapie mit DAA kann HCV-bedingtes Leberkrebs-Risiko deutlich verringern

Erreicht die Behandlung von Hepatitis-C-Patienten mit direkt wirkenden DAA ein anhaltendes virologisches Ansprechen, so reduziert die Therapie das Risiko, ein hepatozelluläres Karzinom zu entwickeln um 76 % im Vergleich zu Patienten, bei denen sich kein virologisches Ansprechen eingestellt hat.

Überwachung auf HCC von Patienten mit Leberzirrhose empfohlen

Erreicht die Behandlung von Hepatitis-C-Patienten mit direkt wirkenden antiviralen Medikamenten (DAA) ein anhaltendes virologisches Ansprechen (sustained virological response, SVR), so reduziert die Therapie das Risiko, ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) zu entwickeln um 76 % im Vergleich zu Patienten, bei denen sich kein SVR eingestellt hat. Das gelte jedoch nicht für Patienten mit vorbestehender Leberzirrhose.

Zu diesem Ergebnis kam die retrospektive Auswertung von 22.500 mit DAA behandelter Armee-Veteranen in den USA, von denen 19.518 unter der Therapie ein SVR erreicht hatten.1 Hinweise auf eine kanzerogene Wirkung von DAA wurden in der Studie nicht gefunden.

Wie beeinflussen DAA die Inzidenz hepatozellulärer Karzinome?

Das hepatozelluläre Karzinom sei die am schnellsten wachsende Ursache von krebsbedingten Todesfällen in den USA2, begründen die Studienautoren um Fasiha Kanwal vom Center for Innovations in Quality, Effectiveness and Safety (IQuESt) des Michael E. DeBakey Veterans Affairs Medical Center in Houston, Texas, ihre Untersuchung. Zwar habe die Heilungsrate von HCV-Patienten seit Einführung der DAA dramatisch zugenommen. Unklar sei jedoch bisher gewesen, ob das Erreichen eines anhaltenden virologischen Ansprechens auch mit einer Reduktion der HCC-Gefahr bei den Patienten einhergehe. Vorangehende kleinere Studien hätten hierzu widersprüchliche Ergebnisse erbracht.

In die aktuelle Untersuchung wurden sämtliche Patienten ab 18 Jahren und mit DAA-Behandlung in der Anamnese aus dem Verbund der US-amerikanischen Veteranenhospitäler aufgenommen. Diese wurden nach Alter, Geschlecht, Ethnizität und weiteren Aspekten in Subgruppen eingeteilt und ihr Zirrhose-Status auf Grundlage der ICD-Codes eingestuft. Als primäres Auswertungskriterium wurde das Neuauftreten eines HCC festgelegt, aus dem die jährlichen Inzidenzen in den verschiedenen Subgruppen errechnet und miteinander verglichen wurden.

Das mittlere Alter der erfassten 22.500 Patienten betrug 61,6 ± 6,1 Jahre. 97 % waren männlichen Geschlechts. Weiße hatten einen Anteil von 50 %, Afroamerikaner einen Anteil von 37 % an den Patienten.  39 % der Studienteilnehmer wiesen eine Zirrhose auf. Der Anteil der Patienten, die trotz DAA-Therapie keinen SVR erreichten, war unter hispanischen Studienteilnehmern besonders hoch.

Dauerhaftes virologisches Ansprechen entscheidet wesentlich über die Prognose

Insgesamt traten 271 Fälle von HCC in der Studienkohorte auf. Die Inzidenz betrug 1,18 pro 100 Patientenjahre (95 %-Konfidenzintervall [CI]: 1,04–1,32 pro 100 Patientenjahre). 183 dieser HCC-Fälle betrafen Teilnehmer mit SVR (Inzidenz: 0,90 pro 100 Patientenjahre, 95% CI 0,77–1,03 pro 100 Patientenjahre). Damit bleibt das HCC-Risiko für alle DAA-behandelten Patienten gegenüber dem Risiko Interferon-behandelter HCV-Patienten etwa um das Dreifache erhöht.

Das Erreichen eines SVR war stark mit einer längeren Zeitdauer bis zum Ausbruch eines HCC assoziiert (p < 0,0001). Das Risiko, an HCC zu erkranken, wurde durch das Erreichen eines SVR um 76 % reduziert (angepasstes Hazard ratio HR = 0.28, 95 % CI = 0,22–0,36).

Bezogen auf die Subgruppen erwies sich das HCC-Risiko unter Afroamerikanern mit Leberzirrhose als signifikant niedriger als in der weißen Bevölkerung (vgl. Abb. 1). Teilnehmer hispanischer Abstammung wiesen ein dem Trend nach erhöhtes Risiko auf, das jedoch keine Signifikanz erreichte.


Abb. 1: Jährliche Inzidenz des HCC unter DAA-behandelten Patienten, die einen SVR erreichten.1

In ihrem Fazit wiesen die Studienautoren darauf hin, dass die Übertragbarkeit ihrer Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung durch den Rückgriff auf eine Kohorte von Militärveteranen eingeschränkt sein könnte.  Hier seien weitere Untersuchungen wünschenswert.

Referenzen:
1. Kanwal F, et al. Risk of Hepatocellular Cancer in HCV Patients Treated With Direct-Acting Antiviral Agents. Gastroenterology 2017; 153: 996–1005. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28642197
2. Ryerson AB, Eheman CR, Altekruse SF, et al. Annual report to the nation on the status of cancer, 1975-2012, featuring the increasing incidence of liver cancer. Cancer 2016; 122: 1312–1337. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/cncr.2993

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