Vielsitzer sterben früher!

Menschen, die täglich sehr lange sitzen, laufen Gefahr früher zu sterben. Als Ausgleich wird körperliche Aktivität empfohlen. Unklar war bisher, wie viel Sport nötig ist, um seine „Sitzschuld“ zu begleichen. Eine neue Studie gibt nun Aufschluss.

Wer genug Sport treibt, darf aber auf ein langes Leben hoffen

Menschen, die täglich sehr lange sitzen, laufen Gefahr früher zu sterben. Als Ausgleich wird körperliche Aktivität empfohlen. Unklar war bisher, wie viel Sport nötig ist, um seine „Sitzschuld“ zu begleichen. Eine neue Studie gibt nun Aufschluss. 

"Sitzen ist das neue Rauchen": Dieser Satz ist durch die Medien gegangen. Tatsächlich sind sich viele Wissenschaftler einig, dass Sitzen als Dauerzustand dem Körper schaden kann. Als Ausgleich wird zu sportlicher Aktivität geraten. Die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation empfehlen mindestens 150 Minuten moderaten oder 75 Minuten intensiven Ausdauersport pro Woche. Dabei ist unklar, ob das wirklich ausreicht, um die negativen Effekte von zu langem Sitzen auszugleichen. Eine neue Studie, die jüngst im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht wurde, kann diese Frage nun womöglich beantworten.

150.000 Viel- und Wenigsitzer befragt

Die Studie basiert auf den Daten von rund 150.000 Frauen und Männern, die von 2006 bis 2009 im australischen New South Wales zu ihren Sitz- und Bewegungsgewohnheiten befragt wurden. Anschließend wurden die Patienten zwischen 7 und 9 Jahre weiter beobachtet und die Gesamtmortalität sowie die Mortalität aufgrund kardiovaskulärer Ereignisse gemessen. Die Forscher stellten dann eine Beziehung zwischen der Mortalität und der Sitzdauer bzw. Aktivität der Studienteilnehmer her. Um potentielle Confounder auszuschließen, wurden die Ergebnisse hinsichtlich Alter, Geschlecht, Bildungsgrad, sozialen Beziehungen, selbstgeschätzter Gesundheit, Body-Mass-Index, Nikotinabusus, psychologischen Stress, gesunder Ernährung und Diabetes kontrolliert. Die Forscher haben die Probanden anhand ihrer Sitzgewohnheiten in "Wenigsitzer" (< 4 oder 4–6 Stunden täglich) oder "Vielsitzer" (6–8 oder > 8 Stunden täglich) eingeteilt. Probanden, die täglich über 8 Stunden gesessen haben, galten zudem als "Extremsitzer".

Extremsitzer müssen "extrem" viel Sport treiben

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Vielsitzer mit jeder zusätzlichen Sitz-Stunde ihr Sterberisiko erhöhten. Das endete soweit, dass Extremsitzer, die täglich mehr als 8 Stunden saßen und keinen Sport als Ausgleich trieben, ein rund 80% erhöhtes Mortalitätsrisiko aufwiesen. Ihr Risiko an einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben war sogar rund doppelt so hoch. Nur Extremsitzer, die rund 5 bis 7 Stunden pro Woche Sport als Ausgleich getrieben hatten, wiesen ein normales Risikoprofil auf.

Schon eine Stunde Spazierengehen statt Sitzen hilft

Auch über Vielsitzer gibt die Studie Aufschluss: Menschen, die täglich mehr als 6 Stunden sitzen, hätten ihr Sterberisiko um rund 22% senken können, wenn sie statt einer Stunde zu sitzen täglich eine Stunde spazieren gegangen wären. Hätten die Vielsitzer während der einen Stunde intensiv Sport getrieben, hätte sich ihr Sterberisiko sogar um rund 31% reduziert. Noch deutlicher waren die Effekte in Bezug auf das kardiovaskuläre Risiko. Vielsitzer hätten es um rund 64% senken können, wenn sie täglich eine Stunde intensiv Sport getrieben hätten, anstatt zu sitzen. Interessant ist, dass Vielsitzer ihre Mortalität durch mehr "Stehen" nicht senken konnten.

Wenigsitzer brauchen weniger Bewegung

Auch die Wenigsitzer wurden in der Studie untersucht. Diejenigen, die keinen Sport getrieben haben, hatten ein rund 30% erhöhtes Sterberisiko und ein rund 60% erhöhtes Risiko für kardiovaskulären Tod. Wenigsitzer, die dagegen rund 2,5 Stunden pro Woche körperlich aktiv waren, hatten ein normales Risiko. Konkret bedeutet das: Hätten die "faulen" (sprich: nicht-aktiven) Wenigsitzer zum Beispiel statt einer Stunde zu sitzen eine Stunde intensiv Sport getrieben, wäre ihr Sterberisiko um rund 8% und ihr Risiko für kardiovaskulären Tod um rund 28% gesunken. Auch mehr "Stehen" hätte den Wenigsitzern geringfügig geholfen (im Gegensatz zu den Vielsitzern).

 "Sitz-Anamnese" mitunter sinnvoll

Die Studie beweist, dass langes Sitzen ein nicht zu unterschätzender kardiovaskulärer Risikofaktor ist, der die Wahrscheinlichkeit für einen frühzeitigen Tod erhöht. Die Erhebung einer "Sitz-Anamnese" würde im ärztlichen Alltag daher Sinn machen. Weiterhin zeigt die Studie, wie viel Bewegung nötig ist, um seine angesparte "Sitz-Schuld" wieder auszugleichen. Wenig- und Vielsitzer sollten sich an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation orientieren und mindestens 150 Minuten Sport pro Woche treiben. Dagegen sollten sich Extremsitzer (> 8 Stunden am Tag) deutlich mehr bewegen. Die Studie enttäuscht diejenigen, die zu langes Sitzen durch mehr Stehen ausgleichen wollen. Hier konnte kein nennenswerter Effekt nachgewiesen werden. Ein gewisses Maß an Bewegung scheint also immer nötig zu sein.

Quelle:
Stamatakis E et al. Sitting Time, Physical Activity, and Risk of Mortality in Adults. JACC Vol. 73, April 30, 2019:2062–72. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2019.02.031

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