Revidierte McDonald-Kriterien zur Diagnose der Multiplen Sklerose

Wie eine kürzlich veröffentlichte Vergleichsstudie zeigt, erlauben die zu Beginn des Jahres erschienenen überarbeiteten McDonald-Kriterien eine signifikant frühere Diagnosestellung der MS.

Revision der McDonald-Kriterien erlaubt Verkürzung der Zeitspanne bis zur Diagnose um etwa 5 Monate

Wie eine kürzlich veröffentlichte Vergleichsstudie zeigt, erlauben die zu Beginn des Jahres erschienenen überarbeiteten McDonald-Kriterien eine signifikant frühere Diagnosestellung der MS.

Ende 2017 wurden auf dem ECTRIMS Kongress (European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis) die überarbeiteten McDonald-Kriterien zur Diagnose der MS vorgestellt und Anfang 2018 veröffentlicht.
Diese sollen eine frühestmögliche Diagnose der MS ermöglichen, ohne Abstriche hinsichtlich der Spezifität. Einige Monate nach der Revision analysiert eine Studie, ob die neuen Kriterien in diesem Punkt tatsächlich besser sind.

Welches waren die wesentlichen Neuerungen 2017?

Das "International Panel on Diagnosis of Multiple Sclerosis" erarbeitete folgende Empfehlungen zur Revision der zuvor seit 2010 nicht mehr aktualisierten McDonald-Kriterien:

Neue Kriterien erlauben deutlich kürzere Diagnosezeiten

In einer kürzlich publizierten retrospektiven Analyse wurden die neuen Diagnosekriterien auf 250 – anhand der alten Kriterien – vordiagnostizierte Patienten mit schubförmig remittierender MS angewendet und die Diagnosezeiten verglichen.

Es war tatsächlich eine signifikante Verbesserung der Dauer bis zur Diagnosestellung zu verzeichnen: während in der McDonald-2010-Kohorte im Median 7,4 Monate vergingen, waren es in der 2017-Kohorte nur 2,3 Monate (p < 0,01).

Symptomatische gadoliniumanreichernde Läsionen erbrachten hierbei die frühesten Diagnosezeitpunkte.
Jedoch führte das Heranziehen der oligoklonalen Banden im Liqour am häufigsten zu einer Verkürzung der Zeitspanne bis zur Diagnosestellung – eine wichtige Botschaft zum Benefit dieser diagnostischen Möglichkeit, da der Nachweis in einigen Ländern (bpsw. den USA) bislang keine so große Rolle spielte wie etwa in Europa.

Literatur:
McNicholas N, Lockhart A et al. New versus old: Implications of evolving diagnostic criteria for relapsing–remitting multiple sclerosis. Mult Scler. 2018 Apr. doi: 10.1177/1352458518770088. [Epub ahead of print]
Thompson AJ, Banwell BL et al. Diagnosis of multiple sclerosis: 2017 revisions of the McDonald criteria. Lancet Neurol. 2018 Feb;17(2):162-173.