Kolorektales Karzinom: Hochfrequente Nachsorge ohne Überlebensvorteil

Obgleich eine intensive Nachsorge von Patienten nach intendierter kurativer Operation eines kolorektalen Karzinoms nicht nur hierzulande Standard ist, gibt es bisher mit Blick auf eine daraus resultierende geringere Mortalität keinen gesicherten Nachweis. Eine aktuelle Studie aus Dänemark lässt nun zusätzlich am Nutzen einer hochfrequenten Nachsorge zweifeln.

Follow-up bei Patienten mit kurativer Operation im Stadium II oder III

Obgleich eine intensive Nachsorge von Patienten nach intendierter kurativer Operation eines kolorektalen Karzinoms nicht nur hierzulande Standard ist, gibt es bisher mit Blick auf eine daraus resultierende geringere Mortalität keinen gesicherten Nachweis. Eine aktuelle Studie aus Dänemark lässt nun zusätzlich am Nutzen einer hochfrequenten Nachsorge zweifeln.

Die Forscher um Peer Wille-Jørgensen untersuchten die Gesamtsterblichkeit, die krebsspezifische Mortalität sowie die krebsspezifische Rezidivrate bei Patienten mit kolorektalem Karzinom im Stadium II bzw. III.

Dazu wurden die Patienten nach kurativer Operation in zwei alternative Nachsorge-Gruppen randomisiert. In der einen Gruppe (n = 1.253) ging es um eine intensive Nachsorge mithilfe der Computertomographie (Thorax + Abdomen) sowie des carcinoembryonalen Antigens im Blut nach 6, 12, 18, 24 und 36 Monaten postoperativ. Die zweite Patientengruppe (n = 1.256) bekam die gleichen Nachsorgetests, allerdings in sehr viel geringerer Frequenz, nach 12 und 36 Monaten.

Kein Überlebensvorteil erkennbar

Ein Vergleich der beiden Gruppen zeigte, dass sich die 5-Jahres-Gesamtsterblichkeit der Patienten nicht unterschied. In der Gruppe mit intensiver Nachsorge betrug die Sterblichkeitsrate 13 %, in der zweiten Patientengruppe nahezu identische 14,1 % (-1,1 %; 95 %-KI: −1,6 %-3.8 %; p = 0,43).

Die krebsspezifische 5-Jahres-Mortalität erreichte in der intensiver nachgesorgten Gruppe 10,6 %, während sie in weniger stark nachgesorgten Patienten bei 11,6 % lag (-0,8 %; 95 %-KI: −1,7 %-3,3 %]; p = 0,52).

Ebenso wenig unterschieden sich die Patienten beider Gruppen in der Rezidivrate des kolorektalen Karzinoms: 21,6 % (hochfrequent) versus 19,4 % (weniger stark nachgesorgt; -2,2 %; 95 %-KI: −1,0 %-5,4 %]; p = 0,15).

Fazit

Patienten mit einem kolorektalen Karzinom der Grade II oder III profitieren mit Blick auf die 5-Jahres-Gesamtsterblichkeit sowie die krebsspezifische Mortalität offenbar nicht von einer intensiveren postoperativen Nachsorge mittels CT und carcinoembryonalem Antigen im Blut.

Somit scheint es für das derzeitige Standardverfahren zur intensiven Nachkontrolle – anfangs alle sechs Monate bis zu einer Dauer von anderthalb Jahren – für das Kolorektalkarzinom keine evidente Basis zu geben. Dies spricht wiederum ganz eindeutig gegen die propagierten Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network und der American Society of Clinical Oncology, welche die Autoren der Studie diskutieren wollen. Ist es an der Zeit, die klinischen Leitlinien baldmöglich zu aktualisieren?

Nicht vergessen werden darf dabei jedoch, dass die vorliegende Studie auch einige kleinere Mängel aufweist, welche ebenso kommuniziert werden sollten. So fand über die neun Jahre Studiendauer ein gewisser Personalersatz innerhalb der teilnehmenden Studienzentren statt. Dadurch könnte das genaue Studienprotokoll nach und nach unwissentlich in Vergessenheit geraten sein. Ferner erfolgte keine wirkliche Verblindung der Studie, weshalb sowohl Patienten als auch Ärzte stets anhand der gefahrenen Nachkontrollen wussten, wer welcher Gruppe angehörte.

Quelle:
Wille-Jørgensen P et al., JAMA 2018; 319(20): 2095–2103

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