Weitere Maßnahmen, weitere Fragestellungen
Da die Patientin beruflich nicht exponiert ist und keine Tierhaltung angibt, erscheint eine Hypersensitivitätspneumonitis zunächst weniger wahrscheinlich. Die leicht erhöhte Eosinophilenzahl und die Reiseanamnese machen jedoch eine parasitäre oder eosinophile Genese denkbar.
Es wird entschieden, folgende Untersuchungen zu veranlassen:
- eine HRCT (High-Resolution-CT) der Lunge
- ein erweitertes eosinophiles Diagnostikprofil
- Stuhl- und Serumtests auf Parasiten (u. a. Strongyloides, Paragonimus, Ascaris)
- vollständiges Autoimmunprofil (ANA, ANCA, Myositis-Panel)
- funktionelle Diagnostik (Spirometrie + Diffusionskapazität)
Zentrale Fragestellungen:
- Handelt es sich um einen inflammatorischen interstitiellen Prozess?
- Ist die Eosinophilie pulmonal bedingt?
- Gibt es Reiseassoziationen?
- Muss eine Steroidtherapie eingeleitet werden?
Weitere Ergebnisse
Die HRCT zeigt:
- beidseitige periphere milchglasartige Verdichtungen
- subpleurale Konsolidierungen („photographic negative of pulmonary edema“)
- keine fibrotischen Veränderungen
Die Lungenfunktion zeigt:
- leichte restriktive Ventilationsstörung
- reduzierte Diffusionskapazität (DLCO 65 %)
Die Parasitenserologie ist negativ.
Autoimmunparameter sind unauffällig.
Die Eosinophilen im Serum inzwischen deutlich erhöht (850/µl).
Eine bronchoalveoläre Lavage (BAL) wird durchgeführt:
- Eosinophilenanteil > 35 %
- keine pathogenen Keime
- keine malignen Zellen
Die Befunde sprechen klar für eine chronische eosinophile Pneumonie (CEP).
Ergebnis
Endgültige Diagnose: Chronische eosinophile Pneumonie (auch: „atypisches Löffler-Syndrom“), ausgelöst möglicherweise postinfektiös, ohne nachweisbaren externen Trigger.
Therapie und Verlauf
- Beginn einer systemischen Glukokortikoidtherapie
- Prednisolon initial 0,5–1 mg/kg KG
- rasche klinische Besserung innerhalb weniger Tage
- bildmorphologische Regredienz nach 2-4 Wochen
- langsames Ausschleichen über mehrere Monate, um Rezidive zu vermeiden
Take-Home-Message
Unklare Atemnot mit basalen Knistergeräuschen und Eosinophilie sollte immer an eine eosinophile Pneumonie denken lassen. Besonders die chronische Form zeigt ein charakteristisches Bild im HRCT und spricht hervorragend auf Steroide an. Eine sorgfältige Differenzierung zu parasitären, allergischen und autoimmunen Ursachen ist entscheidend.