Digitalisierung im Gesundheitswesen: Warken treibt ePA-Ausbau und Datennutzung voran

Bis 2030 sollen 20 Millionen Versicherte die elektronische Patientenakte nutzen. Die Digitalisierungsstrategie des BMG setzt auf ePA-Erweiterung, bessere Datennutzung und stabilere Telematikinfrastruktur.

Digitalisierungsstrategie des Bundesgesundheitsministeriums

Das Bundesgesundheitsministerium hat für dieses Jahr eine umfassende Digitalisierungsstrategie entwickelt, die auf drei zentralen Säulen basiert:

  • Erweiterte elektronische Patientenakte: Wesentliche Ausweitung der Anwendungsmöglichkeiten
  • Datennutzung für Forschung und Versorgung: Verstärkte Generierung und Verwendung hochwertiger Gesundheitsdaten
  • Stabilere Telematikinfrastruktur: Verbesserte technische Grundlagen des digitalen Gesundheitswesens

Zeitplan der Umsetzung:

  • Bis Quartalsende: Vorlage des Referentenentwurfs
  • Bis Jahresende: Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes
  • Ab 2027: Praktische Wirksamkeit der neuen Regelungen

Digitalisierung im Primärversorgungssystem

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte am Mittwoch in Berlin an, dass die Digitalisierung eine zentrale Rolle in folgenden Bereichen übernehmen wird:

  • Primärversorgungssystem: Integration digitaler Lösungen bei der Einführung des geplanten Systems
  • Zugang zu Gesundheitsleistungen: Vereinfachte und effizientere Zugangswege
  • Patientennavigation: Bessere Orientierung und Steuerung durch das Gesundheitssystem

Vorteile digitaler Innovationen:

  • Entlastung des medizinischen Personals
  • Erhöhung der Behandlungsqualität
  • Verbesserte Steuerung durch das Gesundheitssystem

Dafür hat das Ministerium drei Handlungsfelder identifiziert:

Eine erhebliche Erweiterung der Funktionen der ePA: Mit ihrer Hilfe soll künftig die digitale Ersteinschätzung, die digitale Terminvermittlung und die elektronische Überweisung möglich werden. Das seien spürbare Mehrwerte für Patienten. Dabei sei auch daran gedacht, den Zugang zum Facharzt über eine digitale Ersteinschätzung zu ermöglichen und damit Hausärzte zu entlasten. 

Während derzeit – gut ein Jahr nach dem Start – vier Millionen GKV-Versicherte die ePA nutzen, hat sich das BMG zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 der Nutzerkreis auf 20 Millionen Versicherte steigt. Dazu sollen Authentifizierungshürden erleichtert werden, weitere Mehrwerte sollen mit digital gestützten Medikationsprozessen und Erinnerungsfunktionen für Impfungen, Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen geschaffen werden. 

Angestrebt wird ferner, das Potential von Künstlicher Intelligenz zu nutzen, um die Behandlungsqualität zu steigern und Dokumentations- und Verwaltungsprozesse zu vereinfachen. Mit Hilfe von KI soll ferner der Zugang zu validen Gesundheitsinformationen verbessert werden. KI-gestützte Dokumentation medizinischer und pflegerischer Leistungen verspreche Effizienzgewinne und eine spürbare Entlastung von Ärzten und Fachkräften in der Pflege. Das BMG strebt an, dass bis 2028 70 Prozent der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen eine KI-gestützte Dokumentation aktiv nutzen. 

Generierung und Nutzung von Daten für die Forschung: Bisher würden Gesundheitsdaten noch zu selten strukturiert, standardisiert und verknüpft erfasst. Mit der jetzt weiterentwickelten Strategie soll eine systematische Nutzung von Gesundheitsdaten aus unterschiedlichen Quellen in einem europäisch anschlussfähigen System, insbesondere an den europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS), Realität werden. Das soll auch grenzüberschreitende Versorgung, etwa Rezepteinlösungen in EU-Ländern, erleichtern. Mit der Generierung europaweit verfügbarer Gesundheitsdaten werde auch der Wirtschafts-, Innovations-und Forschungsstandort Deutschland gestärkt. Das konkrete Ziel des BMG ist, dass bis Ende dieses Jahres 300 Forschungsvorhaben gestartet sind, die sich auf die Nutzung von Daten aus dem seit Herbst 2025 arbeitenden Forschungsdatenzentrum beim Bundesinstitut für Arzneimittel stützen. 

Verlässlichere Telematikinfrastruktur: Das Bundesgesundheitsministerium setzt sich zum Ziel, die bisherige Störanfälligkeit der Telematikinfrastruktur und deren Komponenten zu verringern. Erreicht werden soll dies mit einer Absenkung der Komplexität der TI und einer Stärkung der Gematik. Sie soll mehr gesetzlich verankerte Durchgriffsrechte bekommen, damit vereinbarte Standards und Regelungen noch konsequenter umgesetzt werden. 

Zustimmung von KBV und Kassen

Insbesondere dieser letzte Punkt wird von der KBV „ausdrücklich“ begrüßt. Noch immer verursache eine nicht funktionierende Technik viel zu häufig Verzögerungen in den Praxisabläufen, so KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner. In diesem Zusammenhang wird auch die Stärkung der Gematik positiv bewertet; mit stärkeren Durchgriffsrechten müsse sie ihrer Betriebsverantwortung vollumfänglich nachkommen können. 

Nicht ganz so optimistisch sieht die KBV die Schaffung weiterer Nutzungsmöglichkeiten der ePA. Bei ihrer Weiterentwicklung müssten auch Funktionalität und Qualität in den Blick genommen werden. Ferner spricht sich die KBV dafür aus, ein elektronisches Versorgungsfach zu schaffen, damit künftig eine digitale Ersteinschätzung und Überweisung in jedem Fall möglich ist, unabhängig davon, ob ein Patient eine ePA hat.

Zustimmung kommt auch vom Ersatzkassenverband vdek: Wichtig sei, die Umsetzung mit klaren Verantwortlichkeiten, realistischen Zeitplänen und einer hohen Verbindlichkeit bei Standards voranzutreiben, so die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner. 

„Die Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie setzt zur richtigen Zeit die richtigen Schwerpunkte“, lobt auch der Vorsitzende des Bundesverbandes Managed Care, Professor Lutz Hager, die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums. „Ohne eine konsequent weitergedachte Digitalisierung wird ein Primärversorgungssystem ins Leere laufen. Digitale Lösungen müssen endlich dort wirken, wo Versorgung stattfindet.“