Roland-Berger-Krankenhausstudie: Bis 2029 immer tiefer ins Jammertal

Drei von vier Kliniken schreiben rote Zahlen, privat Versicherte zahlen bald deutlich mehr, und die ePA kennt fast jeder, genutzt wird sie aber kaum.

„Ohne strategische und strukturelle Maßnahmen wird kein Krankenhaus seine Zukunft langfristig sichern können.“ Das ist die Schlussfolgerung von Dr. Peter Magunia, Senior Partner der Unternehmensberatung Roland Berger, aus der aktuellen Krankenhausstudie 2026, die am Freitag veröffentlicht wurde.

Demnach haben 73 Prozent der Kliniken das Jahr 2025 mit Verlust abgeschlossen, 56 Prozent der Häuser sogar mit einem Verlust zwischen 10 und 25 Prozent ihres Umsatzes. Einziger Fortschritt der letzten Jahre: Das Klinikmanagement plant die Zukunft präziser. Das heißt: Lautete der Befund in der Vergangenheit, die Entwicklung sei schlechter als erwartet gewesen, so sei der Befund nun, dass die Lage so schlecht wie erwartet sei. Auf mittlere Sicht sehen sich die Krankenhäuser zunehmenden Schwierigkeiten ausgesetzt. Als Folge des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes gehen 7 Prozent von einem Umsatzrückgang aus. 63 Prozent erwarten im nächsten Jahr eine Verschlechterung ihrer Situation, nur 22 Prozent eine Verbesserung. Bis 2029 wird sich der Prognose nach die Situation weiter verschärfen, dann erwarten nur noch 12 Prozent eine Verbesserung, 65 Prozent eine Verschlechterung. Mit einer Trendwende wird erst für 2031 gerechnet.

Die Studie untersucht auch, wie das Management auf die Herausforderungen reagiert: durchweg mit Versuchen, die Kosten zu senken, nicht aber primär mit strukturellen Veränderungen. 86 Prozent nennen Personalmaßnahmen außerhalb der Pflege, 68 Prozent Personalabbau auch in der Pflege, 56 Prozent die Streichung oder Verschiebung von Investitionen und nur 49 Prozent strukturelle Maßnahmen.

HzV-Verträge auf neuem Rekordniveau

Die Zahl der Verträge in der hausarztzentrierten Versorgung ist in den letzten zwölf Monaten um fast 800.000 oder 9,5 Prozent gestiegen. Wie der Deutsche Hausärzteverband mitteilt, gab es allein im dritten Quartal 270.000 Vertragsabschlüsse oder einen Zuwachs von 3,1 Prozent der Versicherten, die in diesem System versorgt werden. Inklusive der Add-on-Verträge sind es insgesamt zwölf Millionen Versicherte. Wöchentlich, so der Hausärzteverband, gebe es rund 20.000 Zugänge bei insgesamt sehr hoher Vertragstreue. Nur knapp 0,2 Prozent haben demnach ihren Vertrag ordentlich gekündigt.

Fast jeder kennt die ePA, nur eine Minderheit nutzt sie

Eineinhalb Jahre nach dem bundesweiten Start der elektronischen Patientenakte bleibt ihre praktische Nutzung in der Versorgung weit hinter den Erwartungen von Gesundheitspolitikern und Krankenkassenfunktionären zurück. Nach einer aktuellen Repräsentativumfrage von Civey im Auftrag von Pharma Deutschland kennen 82 Prozent die ePA, doch nur 24 Prozent nutzen sie. Als Grund für diesen schlechten Wert nennt Pharma Deutschland den mangelhaften Nutzen der ePA, die im Unterschied zu anderen Gesundheits-Apps nur wenige hilfreiche Funktionen bietet wie etwa Termin-Erinnerungen, Dokumentenbereitstellung oder Impfinformationen.

BMG: Zusatzbeitrag mit 2,9 Prozent konstant

Das Bundesgesundheitsministerium hat nach der Prognose des Schätzerkreises zur Einnahmen- und Ausgabenentwicklung 2027 den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz auf 2,9 % festgesetzt, der damit erstmals wieder konstant bleibt. Das Beitragssatzstabilisierungsgesetz mit seinen Einsparungen von bis zu 19 Milliarden Euro sorge dafür, dass die Ausgaben mit weniger als 3 % im Rahmen der Beitragsentwicklung bleiben, so das Ministerium. Relevant ist der durchschnittliche, staatlich festgesetzte Zusatzbeitrag etwa für Rentner und ihre Zuschüsse zur Krankenversicherung. Die Krankenkassen selbst legen ihre kassenindividuellen Zusatzbeiträge aufgrund ihrer jeweiligen Finanzlage autonom fest.

PKV: Mehr als die Hälfte der Unternehmen wird Prämien erhöhen

Etwa 53 Prozent der privat Krankenversicherten müssen zum Jahreswechsel mit einer deutlichen Erhöhung ihrer Prämien rechnen. Nach Angaben des Verbandes der Privaten Krankenversicherung liegt die durchschnittliche Anpassung bei 13,4 Prozent. Als Grund nennt der Verband stark steigende Ausgaben für Kranken- und Pflegeversorgung. Kostentreiber seien insbesondere der Krankenhausbereich und Arzneimittel. Je nach Unternehmen und Tarif fallen die Erhöhungen allerdings sehr unterschiedlich aus.

Quellen
  1. Roland Berger Unternehmensberatung

  2. Hausärzteverband

  3. Pharma Deutschland

  4. Bundesgesundheitsministerium

  5. PKV