Mit der Ausrufung der Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen durch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär stellt der Bund in den nächsten zehn Jahren 500 Millionen Euro zur Erforschung der Ursachen und Grundmechanismen sowie neuen Diagnose- und Therapieoptionen zur Verfügung. Der Forschungsbedarf sei enorm, betonte Bär am Freitag zum Start des Programms. Für ME/CFS und andere postinfektiöse Erkrankungen gebe es nach wie vor keine einfachen Lösungen und Therapien, bisherige wissenschaftliche Studien hätten die Komplexität der Krankheitsbilder bestätigt. Notwendig sei eine Kraftanstrengung aller Akteure.
Nach Angaben der Vorsitzenden der NAKO-Gesundheitsstudie, Professor Annette Peters, werden im Rahmen dieser Studie Gesundheitsdaten vor, während und nach der COVID-19-Pandemie von 200.000 Menschen erhoben, wozu insbesondere auch schwer erkrankte Patienten zählen. Diese ergänze die klinische Forschung und beleuchtet umfassend die Auswirkungen von Infektionen auf die Gesundheit in Kombination mit umfassenden Bioproben-Sammlungen für genetische und molekulare Messungen. Mit dieser Ursachenforschung sollen neue Wege zur Prävention und Versorgung eröffnet werden.
Eingebunden in die Forschungsarbeit der Dekade gegen postinfektiöse Krankheiten ist auch das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM). Es hat nach Angaben des Leiters seiner Koordinierungsstelle, Ralf Heyder, Plattformen etabliert, um zeitnah potentielle Medikamente zur Behandlung von Langzeitfolgen nach Infektionen in klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit zu prüfen.
Zur Strategie der Dekade gehört auch die Nachwuchsförderung in der Forschung, die Schaffung einer neuen Datenbasis und die Entwicklung KI-basierter Anwendungen.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Debatte um Teilzeitarbeit in Deutschland hat der Hartmannbund dazu aufgefordert, auch die spezifische Arbeitsrealität von Krankenhausärzten in den Blick zu nehmen. Der Verband kann sich dazu auf eine aktuelle Umfrage unter 741 Klinikärzten stützen, die auf eine hohe zeitliche Arbeitsbelastung hindeuten. Danach arbeitet etwa jeder dritte Krankenhausarzt in Teilzeit. Faktisch leisten aber 91 Prozent aller Umfrage-Teilnehmer mehr als 40 Arbeitsstunden pro Woche, die Hälfte sogar mehr als 55 Stunden. Teilzeitbeschäftigte trügen damit in erheblichem Umfang zur stationären Versorgung bei und fungierten häufig als zentrale „Ausfallreserve“ bei kurzfristigen Personallücken. „Teilzeit ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern für viele Ärztinnen und Ärzte die letzte Möglichkeit, unter bestehenden Bedingungen arbeitsfähig zu bleiben“, erklärte Professor Anke Lesinski-Schiedat, die stellvertretende Vorsitzende des Hartmannbundes. 86 Prozent der Befragten berichteten von Erschöpfung, Stress, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Diese Beschwerden stünden in engem Zusammenhang mit Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit.
Insgesamt verdeutliche die Umfrage, dass organisatorische Ineffizienz und strukturelle Fehlsteuerungen die Dienstbelastungen maßgeblich erhöhen. Der Handlungsdruck sei hoch: Fast drei Viertel der befragten Klinikärzte könnten sich vorstellen, ihre Stelle wegen besserer Arbeitsbedingungen zu wechseln oder haben dies bereits getan.
Unklar bleibt allerdings die Repräsentativität der Umfrage und ein möglicher Bias, der die Problemlage überzeichnet.
Die Bundesärztekammer hat bei der Anhörung im Bundestagsgesundheitsausschuss gesetzliche Initiativen der Bundesregierung zur beschleunigten und vereinfachten Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse im Grundsatz begrüßt. Dazu gehören insbesondere auch die frühzeitige und verlässliche Information der antragstellenden Ärzte, ein transparentes und qualitätsgesichertes Anerkennungsverfahren sowie eine strukturierte Unterstützung bei der beruflichen Integration ausländischer Ärzte auch nach der Anerkennung. Die vorgesehene Kenntnisprüfung als Regelfall könnte ebenfalls der Verfahrensbeschleunigung dienen, sie müsse aber als echte Zugangsprüfung ausgestaltet sein und dürfe nicht lediglich dem Ausgleich festgestellter Defizite dienen. Dies sollte auch nicht erst später mit einer Änderung der Approbationsordnung geregelt werden. Notwendig sei ferner die Entwicklung eines bundesweit geltenden „Ärztlichen Approbationsregister Deutschland“.
Auf Antrag von Bayern und Baden-Württemberg hat der Bundesrat am Freitag die Bundesregierung in einer Entschließung aufgefordert, die gesetzlichen Krankenkassen dadurch zu entlasten, indem der Bund die vollen Gesundheitskosten für die Empfänger von Bürgergeld/Grundsicherung übernimmt. Damit könnten die Krankenkassen um bis zu zehn Milliarden Euro entlastet werden. Die Forderung ist allerdings wohlfeil: An ihrer Finanzierung müssten sich die Länder nicht beteiligen, Belastungen würden ausschließlich dem Bund zugewiesen.
Dass Deutschland im internationalen Vergleich in seiner Präventionspraxis inzwischen weit zurückbleibt, ist inzwischen hinlänglich belegt. Neu ist allerdings, dass insbesondere niedrigschwellige, als leicht zugängliche und aufwandsarme Präventionsoptionen so gut wie nicht genutzt werden. Dies belegen Ergebnisse des Gesundheits-Monitors von Pharma Deutschland, in dessen Rahmen Civey 5000 Menschen repräsentativ befragt hat. Die Ergebnisse: