Die Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sind im ersten Quartal 2026 um acht Prozent gestiegen und erhöhen damit den Druck auf Koalitionsfraktionen und die Bundesregierung, Einsparungen und Reformen umzusetzen. Der Überschuss der Krankenkassen beträgt aufgrund der Beitragssatzanhebungen zum Jahreswechsel 1,3 Milliarden Euro. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt jedoch das Defizit für 2027 aufgrund des anhaltenden Ausgabenwachstums auf rund 19 Milliarden Euro, drei bis vier Milliarden Euro mehr als im Beitragssatzstabilisierungsgesetz angenommen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken betonte bei der Vorstellung der GKV-Finanzergebnisse: „Der Reformdruck ist gewaltig.“
Die Beitragseinnahmen der Krankenkassen stiegen in den ersten drei Monaten um 4,1 Prozent (ohne Zusatzbeiträge); die Leistungsausgaben wuchsen hingegen um acht Prozent, fast doppelt so stark. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Kassen beträgt inzwischen 3,13 Prozent. Die daraus resultierenden zusätzlichen Einnahmen ermöglichten erstmals seit Herbst 2024, die gesetzliche Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben zu erfüllen. Die Entwicklung der Leistungsausgaben im Einzelnen:
Der Gesundheitsfonds, der am 15. Januar eine Liquiditätsreserve von 7,1 Milliarden Euro aufwies, verzeichnete saisonüblich ein Defizit von 3,0 Milliarden Euro.
Vor diesem Hintergrund beraten Parlamentarier und das Bundesgesundheitsministerium über eine Erweiterung der Sparinstrumente: Nun wird ein Sparpaket mit einem Volumen von etwa 20 Milliarden Euro erforderlich, drei bis vier Milliarden Euro mehr als bislang vorgesehen. Bislang kursieren über zusätzliche Maßnahmen nur Spekulationen. Klar dürfte auf jeden Fall sein, dass die für diesen Montag anberaumte Anhörung der Beteiligten im Gesundheitswesen vor dem Bundestagsgesundheitsausschuss mit ihren Bedenken gegen die Sparinstrumente wenig Gehör finden wird.
In einer prekären Situation befinden sich Bundesregierung und Parlament mit ihrer Erstattungspolitik für Arzneimittel: Aus der GKV-Perspektive sind Innovationen mit ihren stark gestiegenen Preisen und Erstattungsbeträgen die Kostentreiber, daher sollte der gesetzliche Herstellerabschlag auf patentgeschützte Arzneimittel erhöht und dauerhaft dynamisiert werden. Nun hat die US-Bundesregierung eine Untersuchung nach dem US-Handelsgesetz von 1974 eingeleitet, in der geprüft wird, ob Deutschland für innovative Arzneimittel zu niedrige Preise zahlt und damit die USA diskriminiert. Ab dem 25. Juni will die US-Handelsbehörde Stellungnahmen entgegennehmen, für September ist eine Anhörung geplant. Am Ende könnten erhöhte Zölle für Arzneimittel stehen, wie sie schon einmal angedroht worden waren; dies würde dann aber alle EU-Arzneiexporte in die USA betreffen. Vor dem Hintergrund dieser internationalen Komplikationen werden Alternativen zur Dynamisierung des Herstellerabschlags erwogen.
Bis zum Jahr 2060 könnte die Zahl der Demenzkranken in Deutschland auf bis zu 2,1 Millionen steigen. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Untersuchung der Universitäten Trier, Rostock und Köln mit dem Wissenschaftlichen Institut der Ortskrankenkassen (WIdO), die am Montag veröffentlicht wurde. Die gegenwärtige Prävalenz wird mit 1,3 Millionen Betroffenen angegeben, die Deutsche Alzheimer Gesellschaft geht von wesentlich höheren Zahlen, 1,8 Millionen, aus. Erheblichen Einfluss auf die künftige Entwicklung könnte eine effektive Prävention haben: durch die Beeinflussung von Bluthochdruck und Diabetes sowie durch ein höheres Bildungsniveau. Die Auswertung berücksichtigt auch regionale Daten auf Ebene der 400 Kreise und kreisfreien Städte. Dabei zeigt sich, vor allem in Abhängigkeit von der demografischen Struktur, eine breite Spanne: Die niedrigste Prävalenz von einem Prozent weist derzeit Tübingen auf, die höchste mit 2,6 Prozent die brandenburgische Prignitz. 2060 könnte die Spanne zwischen 1,7 Prozent in München und bis zu 6,2 Prozent im Elbe-Elster-Kreis liegen.
In der psychotherapeutischen Regelversorgung beträgt die Wartezeit bei 80 Prozent der Erwachsenen und bei 85 Prozent der Kinder weniger als vier Wochen. Dies geht aus einer Analyse von 1,5 Millionen Abrechnungsfällen der Ersatzkassen im Zeitraum von 2022 bis 2024 hervor. Das sei weniger als gemeinhin angenommen werde, so der vdek. Handlungsbedarf sieht der Kassenverband allerdings bei schweren Fällen mit dringendem Therapiebedarf. Auf solche Behandlungen sollten Patienten maximal 14 Tage warten müssen, tatsächlich warteten 61 Prozent der Erwachsenen und 55 Prozent der Kinder länger als zwei Wochen auf eine Krisenintervention. Konkret fordert der vdek zur Verbesserung, dass Psychotherapeuten mindestens 50 Prozent ihrer freien Kapazitäten den Terminservicestellen melden und diese die dringenden Fälle zeitnah und zuverlässig in Probatorik und Akutbehandlung vermitteln.
Patienten mit Diabetes profitieren davon, wenn sie sich in einem Krankenhaus behandeln lassen, das von der Deutschen Diabetes Gesellschaft speziell zertifiziert ist. Dies gilt insbesondere für Patienten, die aufgrund der Hauptdiagnose Diabetes in die stationäre Behandlung aufgenommen werden müssen. Dies geht aus einer epidemiologischen Untersuchung hervor, in der 43,4 Millionen Krankenhausfälle der Jahre 2021 bis 2023 für Patienten über 20 Jahre ausgewertet wurden. Die Studie wurde in „Frontiers in Health Services“ veröffentlicht. Verglichen wurden 300 DDG-zertifizierte Kliniken mit 1103 nicht zertifizierten Krankenhäusern. Wurden Patienten mit der Hauptdiagnose Diabetes mellitus Typ 1 eingeliefert, betrug deren Sterblichkeit in zertifizierten Kliniken 0,23 Prozent und in anderen Kliniken 0,4 Prozent. Bei der Hauptdiagnose Diabetes mellitus Typ 2 waren es 1,44 zu 1,64 Prozent. Es gab keine Unterschiede in der Sterblichkeit bei Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes, allerdings war die Verweildauer in Kliniken mit Zertifikat mit 78,8 zu 9,0 Tagen deutlich niedriger.
Nach Auffassung der Deutschen Diabetes Gesellschaft müssen diese Ergebnisse bei der Umsetzung der Krankenhausreform und den Sparmaßnahmen berücksichtigt werden; die Finanzierung zertifizierter Versorgungsstrukturen müsse gesichert bleiben.