Verbesserte Blutzuckerkontrolle mit hybridem "Closed Loop"-System

Letzte Lücke in der Therapie des Typ-1-Diabetes geschlossen

Mit einem hybriden "Closed Loop“-System, das den Blutzucker in kurzen Intervallen über einen Sensor bestimmt und dann automatisch die erforderliche Menge an Basalinsulin injiziert, ließen sich in einer randomisierten Vergleichsstudie bei Patienten mit Typ-1-Diabetes die Glukosewerte besser im vorbestimmten Zielbereich halten als mit einer sensorgestützten Therapie, bei der die Patienten noch die Insulindosis selbst bestimmen und injizieren müssen. Vor allem in den Nachtstunden zahlt sich das System aus.

Von der sensorgestützten Therapie profitieren heute schon viele Typ-1-Diabetiker. Sie sind dazu mit einer Insulinpumpe und einem Gerät zur kontinuierlichen Messung des Blutzuckerspiegels im Gewebe ausgestattet. Der Patient erhält hier regelmäßige Angaben über seinen Blutzuckerspiegel in Echtzeit und kann dann darauf mit der Abgabe der richtigen Insulindosis über die Pumpe reagieren. Da die aktive Mitarbeit mit Berechnung des Bedarfs aber dabei immer noch erforderlich ist, muss sich der Patient in der Nacht auf voreingestellte Insulinabgaben verlassen.

"Closed loop" schon länger technisch machbar

Schon länger wird an der Idee gearbeitet, dass die Rolle des aktiven Patienten auch ein kleiner an die Pumpe angeschlossener Rechner übernehmen könnte. Der Regelkreis zwischen Blutzuckerbestimmung und Insulinabgabe wäre damit geschlossen ("closed loop"), was einer künstlichen Bauchspeicheldrüse schon sehr nahe kommt. Rein technisch ist das schon länger kein Problem, die Sorge vor unter Umständen lebensgefährlichen Hypoglykämien bei Fehlfunktionen war aber noch groß.

In den USA wurde schon vor zwei Jahren ein erstes hybrides System zugelassen. "Hybrid" heißt das System, weil nur die Abgabe des Basalinsulins über das neue System geregelt wird – das Mahlzeiten-Insulin muss der Patient nach wie vor selbst berechnen und applizieren.

Randomisierte Vergleichsstudie zur Überlegenheit

Martin Tauschmann et al. aus Cambridge, UK, haben jetzt in einer randomisierten Vergleichsstudie untersucht, ob das "Closed Loop"-System einer sensorgestützten Therapie in der klinischen Anwendung tatsächlich überlegen ist. In allen vorangegangenen Studien ging es eher um technische Machbarkeit und Sicherheit.

Eingeschlossen wurden 86 Patienten mit Typ-1-Diabetes im Alter zwischen sechs und 65 Jahren, die trotz Insulinpumpenbehandlung eine suboptimale Blutzuckerkontrolle (HbA1c 7,5 bis 10 %) aufwiesen. Alle Patienten wurden zusätzlich zur Insulinpumpe mit einem Gerät zur kontinuierlichen Blutzuckermessung ausgestattet und entsprechend geschult. Bei einer Hälfte der Patienten wurde noch ein „Closed Loop“-System eingerichtet. Primärer Endpunkt der Studie war die Zeitphase innerhalb von 12 Wochen, in der sich der Blutzucker in einem sicheren Zielbereich zwischen 70 und 180 mg/dl (3,9 und 10,0 mmol/l) befand.

Mehr Blutzuckerwerte im Zielbereich

Hierbei erwies sich das geschlossene System als deutlich überlegen. Patienten in der "Closed Loop"-Gruppe lagen bei 65% der Messungen im sicheren Zielkorridor – im Vergleich zu 54% der Messungen in der Kontrollgruppe. Der mittlere Unterschied von 10,8 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 8,2 bis 13,5 Prozentpunkten signifikant.

Erwartungsgemäß waren die Unterschiede in der Nacht zwischen 24 Uhr und 8 Uhr am größten. Hier erreichte die "Closed Loop"-Gruppe zu 77% sichere Blutzuckerwerte im Vergleich zu 56% in der Kontrollgruppe. Mit dem "Closed Loop“-System wurden in erster Linie Hyperglykämien vermindert, die zu etwa 10% seltener auftraten. Bei den Hypoglykämien war der Unterschied geringer. In der "Closed Loop"-Gruppe wurde die Zeitdauer mit hypoglykämischen Werten von 3,5 auf 2,6% vermindert. In der Gruppe mit sensorverstärkter Blutzuckerkontrolle kam es dagegen zu einer Zunahme der Hypoglykämiedauer von 3,3 auf 3,9%. In keiner der beiden Gruppen trat im Beobachtungszeitraum eine schwere Hypoglykämie auf.

Stärkere Absenkung der HbA1C-Werte

Auch bei der Senkung der HbA1c-Werte war das "Closed Loop“-System wirksam. Der HbA1c-Wert wurde in der "Closed Loop"-Gruppe in der vierwöchigen Run-in-Phase von 8,3 auf 8,0% gesenkt. Während der Interventionsphase verbesserte sich der Wert weiter auf 7,4%. In der Kontrollgruppe betrugen die Werte beim Screening 8,2; nach der Run-in-Phase 7,8 und nach der Intervention 7,7%. Der Unterschied war signifikant (p<0,0001). Die Vorteile in der Blutzuckerkontrolle in der "Closed Loop"-Gruppe wurden nicht durch eine Zunahme der Insulindosis erkauft. Auch das Körpergewicht blieb in beiden Gruppen gleich.

In der "Closed Loop"-Gruppe kam es bei einem Patienten zu einer Ketoazidose, die nach Angabe der Autoren auf ein Versagen der Insulinpumpe zurückzuführen war und nicht mit dem eigentlichen "Closed Loop"-System zusammen hing.

Das Fazit der Autoren 

Das hybride "Closed Loop"-System bietet Patienten mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zur alleinigen oder sensorgestützten Insulinpumpen-Therapie eine verbesserte Blutzuckerkontrolle und ein vermindertes Hypoglykämierisiko.

Quelle:

 Martin Tauschmann et al; Closed-loop insulin delivery in suboptimally controlled type 1 diabetes: a multicentre, 12-week randomised trial; Lancet (2018); online first; DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31947-0

https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31947-0/fulltext#%20

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