Neue Blutdruckgrenzwerte in den USA

Auf dem letzten Kardiologie-Kongress der American Heart Association (AHA) wurden neue Hochdruck-Leitlinien vorgestellt. Seitdem gelten in den USA bereits Werte ab 120/80 mmHg als erhöht.

Therapieempfehlungen: mehr Bewegung, mehr Medikamente

Auf dem letzten Kardiologie-Kongress der American Heart Association (AHA) wurden neue Hochdruck-Leitlinien vorgestellt. Seitdem gelten in den USA bereits Werte ab 120/80 mmHg als erhöht.

Durch die neuen Richtlinien haben nun fast die Hälfte der US-Bevölkerung (rund 30 Millionen Menschen mehr) einen Hypertonus. Die Autoren gehen davon aus, dass sich die Prävalenz von Bluthochdruck in den nächsten Jahren bei jungen Männern und Frauen verdreifacht bzw. verdoppelt. Doch nur ein geringer Teil wird den neuen Richtlinien zufolge blutdrucksenkende Medikamente benötigen.

Arterielle Hypertonie ist ein entscheidender Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen. Und er wird immer häufiger und früher diagnostiziert, nicht zuletzt aufgrund der westlichen Lebensweise, geprägt von Übergewicht, Junk-Food und Bewegungsarmut. In den letzten Jahrzehnten wurden die US-amerikanischen Grenzwerte daher immer weiter abgesenkt, zuletzt 1993. Nun stand eine erneute Aktualisierung ins Haus. Eine 2014 gegründete Kommission, bestehend aus 21 Mitgliedern von 11 amerikanischen Fachgesellschaften wertete über drei Jahre rund eintausend Studien aus und kam zu dem Ergebnis, dass der Blutdruck der US-Amerikaner stärker gesenkt werden muss als zuvor. Die neuen Leitlinien wurden im November 2017 im Journal Hypertension veröffentlicht.

Erhöhter Blutdruck bereits ab 120/80 mmHg

Fangen wir von unten an. An der Definition normaler Blutdruckwerte ändert sich nichts. Alles unter 120/80 mmHg ist gesund. Doch die vormals als Prähypertonie eingestuften Werte ab 120/80 mmHg gelten nun bereits als erhöht. Die Bezeichnung "Prähypertonie" werde dem erhöhten Risiko nicht gerecht, erklären die Autoren. Immerhin habe man bereits mit diesen Werten ein bis zu zweifach erhöhtes Herzinfarktrisiko im Vergleich zu Personen mit normalem Blutdruck. Bei Werten ab 130/80 mmHg besteht jetzt eine Grad 1 Hypertonie, alles über 140/90 mmHg wird als Grad 2 Hypertonie klassifiziert. Vormals lagen die Grenzen für Grad 1 und 2 Hypertonie bei 140/90 bzw. 160/100 mmHg. Viele Studien zeigen den Autoren zufolge, dass eine Blutdrucksenkung unter diese Grenzwerte einen messbaren Benefit bringen würde.

Geänderte Therapieempfehlungen

Neben den Grenzwerten wurden auch die Therapieempfehlungen aktualisiert. Nicht überraschend ist, dass Menschen mit "erhöhtem" Blutdruck ihre Ernährung anpassen, Gewicht reduzieren und mehr Sport treiben sollten. Bei Patienten mit Grad-1-Hypertonie und niedrigem kardiovaskulärem Risiko reicht eine Lebensstiländerung aus. Patienten mit bekanntem kardiovaskulärem Ereignis oder einem mehr als 10% erhöhten Risiko, in den nächsten 10 Jahren ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, sollten zusätzlich eine medikamentöse Therapie erhalten.

Ab einer Grad-2-Hypertonie wird immer eine pharmakologische Therapie empfohlen. Das Therapieziel für Grad-1- und Grad-2-Hypertoniker sowie für ältere Menschen wird mit Werten kleiner als 130/80 mmHg angegeben. Die Autoren empfehlen zudem, bei Patienten mit stark erhöhtem Blutdruck initial direkt mit zwei Medikamenten zu beginnen.

Blutdruck richtig messen

Die Autoren stellen klar, dass zur Diagnosestellung einer Hypertonie die Blutdruckmessung mit geeichten Geräten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten entscheidend ist. Zudem sei neben dem in der Praxis gemessenen Blutdruck auch der vom Patienten zuhause gemessene Blutdruck relevant. So kann man der Weißkittel-Hypertonie (hohe Werte in der Praxis, normale Werte zuhause) oder auch der sogenannten versteckten Hypertonie (normale Werte in der Praxis, hohe Werte zuhause) auf die Schliche kommen. Die genaueste Methode sei jedoch weiterhin die 24-Stunden-Blutdruckmessung.

Deutsche Leitlinien unverändert

Die deutschen Richtlinien bleiben erst einmal bestehen. Hierzulande gilt ein Blutdruck über 140/90 als erhöht, Werte ab 130/85 als hochnormal. Doch für eine kleine Patientengruppe hat die deutsche Hochdruckliga Ende letzten Jahres auf Grundlage der 2016 erschienenen SPRINT-Studie neue Blutdruckzielwerte herausgegeben. Die neue Grenze von unter 135/85 mmHg betrifft Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung (außer Schlaganfall), einer chronischen Nierenschwäche und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko.

Referenzen:
1. Whelton, PK. et al. 2017 ACC/AHA/AAPA/ABC/ACPM/AGS/APhA/ASH/ASPC/NMA/PCNA Guideline for the Prevention, Detection, Evaluation, and Management of High Blood Pressure in Adults. A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines. Hypertension. 2017 Nov 13. pii: HYP.0000000000000066. doi: 10.1161/HYP.0000000000000066. [Epub ahead of print]
2. Bernhard K. Krämer, Martin Hausberg, Bernd Sanner, Kristina Kusche-Vihrog, Joachim Weil, Burkhard Weisser, Ulrich Wenzel, Peter Trenkwalder. Blutdruckmessung und Zielblutdruck. Stellungnahme der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL ® / Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2017; 142: 1–2 © Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart New York, ISSN 0012-0472.

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