Apixaban in der verlängerten Rezidivprophylaxe bei krebsassoziierter VTE

Für die verlängerte Rezidivprophylaxe bei Patient:innen mit Krebs und venöser Thromboembolie gab bislang keine Daten zur Antikoagulation in niedriger Dosis. Larsen et al. liefern nun erste Hinweise auf Wirksamkeit und Sicherheit von Apixaban.

Bei vielen Patient:innen mit einer venösen Thromboembolie (VTE) kommt es nach einiger Zeit erneut zu einem Ereignis. So erleiden bis zu 20 % der VTE-Patient:innen innerhalb von zwei Jahren nach Absetzen der Antikoagulation ein Rezidiv.1 Ein bedeutender Risikofaktor für das Auftreten und auch Wiederauftreten einer VTE ist eine Krebserkrankung.2–5 Doch die Krebserkrankung erhöht nicht nur das Risiko für eine VTE. Patient:innen mit Krebs haben außerdem ein höheres Risiko für schwere Blutungen als Personen ohne Krebserkrankung.6,7 Tritt eine VTE auf, ist eine wirksame und gleichzeitig möglichst sichere Antikoagulation für diese vulnerable Patient:innengruppe somit besonders wichtig.

Apixaban zur Behandlung von krebsassoziierter VTE

Während lange Zeit niedermolekulares Heparin als die Therapie der Wahl galt, empfehlen aktuelle Leitlinien den Einsatz von Faktor-Xa-Inhibitoren wie Apixaban (ELIQUIS®) zur Behandlung von krebsassoziierter VTE.8–10 In der Behandlung von tiefen Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) bietet Apixaban ein einfaches Dosierungsschema (s. Abbildung 1).11

Ist das Rezidivrisiko hoch, kann eine verlängerte Rezidivprophylaxe über den Zeitraum von 6 Monaten hinaus mit der niedrigen Apixaban-Dosis von 2,5 mg 2x täglich angezeigt sein. In der AMPLIFY-EXT-Studie kam es unter Apixaban in dieser Dosierung zu weniger VTE-Rezidiven oder VTE-bedingten Todesfällen vs. Placebo (RR = 0,19; 95 %-KI: 0,11–0,33) bei vergleichbarer Rate schwerer oder klinisch relevanter nicht-schwerer (CRNM-) Blutungen (RR = 1,20; 95 %-KI: 0,69–2,10).12 Für die krebsassoziierte VTE lagen bisher keine Daten zu der verlängerten Rezidivprophylaxe vor. Die Studie von Larsen et al. (CAP-Studie) liefert nun erste Daten für Apixaban in der niedrigen Dosis von 2,5 mg 2x täglich für eine verlängerte Rezidivprophylaxe von TVT und LE.13

Erste Studie zur verlängerten VTE-Rezidivprophylaxe bei Krebspatient:innen

Die CAP-Studie ist eine einarmige, multizentrische Studie aus Norwegen zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Apixaban. Die verlängerte VTE-Rezidivprophylaxe mit der niedrigen Dosis von 2,5 mg 2x täglich erfolgt über einen Zeitraum von 30 Monaten nach einer initialen 6-monatigen Behandlung mit der vollen Dosis.13 Die primären Endpunkte VTE-Rezidive, schwere Blutungen sowie CRNM-Blutungen nach einer Behandlungsdauer von 6 Monaten wurden bereits veröffentlicht.14 Die sekundären Endpunkte für die vorliegende Studie waren VTE-Rezidive, schwere Blutungen sowie CRNM-Blutungen nach einer Behandlungsdauer mit niedrig dosiertem Apixaban von bis zu 30 Monaten.13

300 Patient:innen wurden in die Studie eingeschlossen, von denen nach 6-monatiger Behandlung 196 Patient:innen die Therapie mit der niedrigen Dosis von 2,5 mg 2x täglich für bis zu 30 Monate fortsetzten. Eingeschlossen waren Patient:innen, die zunächst für 6 Monate die volle Dosis Apixaban erhielten und weiterhin eine aktive Krebserkrankung hatten.13

Die Ergebnisse im Detail

In den ersten 6 Monaten traten unter der vollen Dosis Apixaban bei 4,0 % der Patient:innen ein VTE-Rezidiv auf. In den darauffolgenden 30 Monaten erlitten insgesamt 7,1 % der Patient:innen unter der niedrigen Dosis (2,5 mg 2x täglich) ein VTE-Rezidiv. Die höchste Ereignisrate konnte im ersten Monat der Antikoagulation mit der vollen Dosis beobachtet werden. Sie betrug 1,4 % pro Personenmonat (95 %-KI: 0,5─3,6). Nach 12 Monaten war die Ereignisrate auf einem kontinuierlich niedrigen Niveau zwischen 0,27 % (95 %-KI: 0,039─1,9) und 0,65 % (95 %-KI: 0,16─2,6) pro Monat (Tabelle 1).13,14

Zu schweren Blutungen kam es in den ersten 6 Monaten bei 5,4 % der Patient:innen und in den darauffolgenden 30 Monaten bei 3,1 % der Patient:innen (2,5 mg 2x täglich). Im ersten Monat der Antikoagulation unter der vollen Dosis erreichte die Ereignisrate ihren Höhepunkt mit 1,7 % (95 %-KI: 0,7─4,1) pro Personenmonat. Unter der niedrigen Dosis verringerte sich Ereignisrate auf 0,3 % (95 %-KI: 0,1─1,0) pro Personenmonat im Zeitraum von Monat 7─12. Sie blieb auch für die darauffolgenden 30 Monate niedrig (Tabelle 1).

Die Rate an CRNM-Blutungen lag unter der vollen Dosis bei 8,7 % über einen Zeitraum von 6 Monaten und unter der niedrigen Dosis über einen Zeitraum von 30 Monaten bei 8,2 % der Patient:innen.13,14

Fazit

Mit der Studie von Larsen et al. liegen erstmals Daten zur verlängerten VTE-Rezidivprophylaxe mit niedrig dosiertem Apixaban (2,5 mg 2x täglich) bei Patient:innen mit VTE und Krebs vor. Die Studie zeigt, dass Apixaban zur verlängerten VTE-Rezidivprophylaxe auch bei dieser Patient:innengruppe mit starker Sicherheit angewandt werden kann. Darüber hinaus liefert die Studie erste Hinweise zur Wirksamkeit von niedrig dosiertem Apixaban bei krebsassoziierter VTE. Bei der Beurteilung der Studienergebnisse gilt es aber die Limitationen, wie die fehlende Randomisierung, zu beachten. Um hinreichend zu klären, ob Apixaban in der verlängerten Rezidivprophylaxe und in niedriger Dosis bei VTE-Patient:innen mit Krebs eingesetzt werden sollte, müssen weiterhin Ergebnisse von randomisierten, klinischen Studien abgewartet werden. Zwei Studien werden dazu derzeit durchgeführt (API-CAT-Studie [NCT03692065] und EVE-Studie [NCT03080883]).

Abkürzungen

CRNM-Blutung = Klinisch relevante nicht-schwere Blutung
KI = Konfidenzintervall
LE = Lungenembolie
RR = Relatives Risiko
TVT = Tiefe Venenthrombose
VTE = Venöse Thromboembolie

Fußnoten

** Tabletten nicht in Originalgröße abgebildet.
‡ Im Zeitraum von 0 bis 6 Monate erhielten die Patient:innen Apixaban in der Dosierung 10 mg 2x täglich in den ersten 7 Tagen, gefolgt von 5 mg 2x täglich ab Tag 8 (volle Dosis), im Zeitraum 7 bis 36 Monate in der Dosierung 2,5 mg 2x täglich (niedrige Dosis).


Referenzen

  1. Baglin T, et al. Lancet. 2003;362:523─6.
  2. Cohen AT, et al. Thromb Haemost. 2017;117:57─65.
  3. Streiff MB, et al. J Natl Compr Cancer Netw JNCCN. 2021;19:1181─201.
  4. Ay C, et al. Thromb Haemost. 2017;117:219─30.
  5. Heit JA. Nat Rev Cardiol. 2015;12:464─74.
  6. Englisch C, et al. Thromb Update. 2021;5:100080.
  7. Prandoni P, et al. Blood. 2002;100:3484─8.
  8. Stevens SM, et al. Chest. 2021;160:e545─608.
  9. Lyman GH, et al. Blood Adv. 2021;5:927─74.
  10. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/thromboembolien-bei-tumorpatienten-frueher-venoese-thromboembolien-vte-bei-tumorpatienten. Letzter Aufruf: 04.10.2022.
  11. ELIQUIS® Fachinformationen, aktueller Stand.
  12. Agnelli G, et al. N Engl J Med. 2013;368:699–708.
  13. Larsen T, et al. J Thromb Haemost. 2022;20:1166─81.
  14. Hannevik, T-L, et al. Thromb Res. 2020;196:238─44.

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