Erhöhtes Herzinsuffizienz-Risiko bei Diabetes

Das Risiko für eine Herzinsuffizienz ist bei Diabetes deutlich erhöht. Dies gilt offensichtlich vor allem für Frauen mit Typ-1-Diabetes, deren Risiko für die Herzschwäche um 47% höher ist als das von Männern mit dieser Erkrankung. Bei Typ-2-Diabetes ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern nicht ganz so stark ausgeprägt, wie eine Analyse von 14 Kohortenstudien gezeigt hat.

Frauen scheinen besonders gefährdet zu sein

Das Risiko für eine Herzinsuffizienz ist bei Diabetes deutlich erhöht. Dies gilt offensichtlich vor allem für Frauen mit Typ-1-Diabetes, deren Risiko für die Herzschwäche um 47% höher ist als das von Männern mit dieser Erkrankung. Bei Typ-2-Diabetes ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern nicht ganz so stark ausgeprägt, wie eine Analyse von 14 Kohortenstudien gezeigt hat. 

Die Herzinsuffizienz ist eine häufige Komorbidität bei Diabetes. So leiden z.B. 4,3–28% der PatientInnen mit Herzinsuffizienz an einem Typ-2-Diabetes und umgekehrt haben 12–57% der PatientInnen mit Typ-2-Diabetes eine Herzinsuffizienz. Die Herzschwäche ist bei Typ-2-Diabetes zudem die zweithäufigste Erstmanifestation einer kardiovaskulären Erkrankung – noch häufiger als akuter Myokardinfarkt oder Schlaganfall. Darüber hinaus haben DiabetikerInnen mit Herzinsuffizienz ein deutlich erhöhtes Risiko, vorzeitig an der Herzschwäche zu versterben.

Geschlechterunterschiede bei Diabetes-Komorbiditäten

Schon bei anderen Komorbiditäten des Diabetes wie KHK, Myokardinfarkt, Schlaganfall, Demenz und Krebs wurde gezeigt, dass Frauen ein deutlich höheres Risiko aufweisen als Männer. Toshiaki Ohkuma vom George Institute for Global Health an der University of New South Wales in Sydney, Australien, und seine Kollegen wollten jetzt untersuchen, ob auch in Bezug auf das Herzinsuffizienz-Risiko bei DiabetikerInnen Geschlechterunterschiede bestehen.

Metaanalyse zur Herzinsuffizienz

In die aktuelle Analyse wurden 14 Kohortenstudien eingeschlossen, die geschlechts­spezifische Informationen zur Assoziation zwischen Diabetes und Herzinsuffizienz sowohl für Frauen als auch für Männer lieferten. Zwei der Studien lieferten Daten zu PatientInnen mit Typ-1-Diabetes. Die beiden darin untersuchten Kohorten umfassten mehr als 3 Millionen TeilnehmerInnen und mehr als 95.000 Erkrankungen an Herzinsuffizienz. Die Daten zu Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz stammen aus 13 Studien mit rund 11 Millionen TeilnehmerInnen und knapp 250.000 Herzinsuffizienz-Erkrankungen.

Deutlich höheres Risiko bei Frauen mit Typ-1-Diabetes

Die Ergebnisse: Ein Typ-1-Diabetes war bei Frauen mit einem 5,15-mal höheren Herzinsuffizienzrisiko assoziiert, bei Männern war das Risiko um das 3,47-fache erhöht. Somit war bei Frauen das mit Typ-1-Diabetes assoziierte zusätzliche Risiko, an einer Herzinsuffizienz zu erkranken, um 47% höher als bei Männern.

Bei Typ-2-Diabetes waren die Geschlechterunterschiede nicht ganz so stark ausgeprägt: Das Risiko für eine Herzinsuffizienz stieg hier bei Frauen um das 1,95-fache und bei Männern um das 1,74-fache an. Frauen mit Typ-2-Diabetes hatten demzufolge ein um 9% höheres Risiko für eine Herzinsuffizienz als Männer mit Typ-2-Diabetes. Das erhöhte Herzinsuffizienz-Risiko bei Frauen war in allen vordefinierten Subgruppen gleichermaßen nachweisbar.

Schlechtere Diabeteseinstellung und spätere Diagnose als Ursachen?

Über die genauen Ursachen der Geschlechterunterschiede kann nur spekuliert werden. Mehrere mögliche Gründe werden von den AutorInnen angeführt. So wurde bereits in früheren Studien gezeigt, dass Frauen mit Diabetes ein höheres KHK-Risiko aufweisen als Männer mit dieser Erkrankung. Die KHK gilt als wichtigster Risikofaktor für eine Herzinsuffizienz. Auch die bei Frauen mit Diabetes generell schlechtere Blutzuckereinstellung könnte von Bedeutung sein, da die Unterbehandlung zur Entwicklung einer diabetischen Kardiomyopathie beitragen kann. Zudem ist auch der prädiabetische Zeitraum mit Hyperglykämien, der mit einer linksventrikulären systolischen und diastolischen Dysfunktion assoziiert sein kann, bei Frauen im Schnitt bis zu zwei Jahre länger als bei Männern. Außerdem haben Frauen mit Diabetes häufiger noch zusätzliche kardiovaskuläre Risikofaktoren als Männer mit Diabetes. Auch dies könnte zu der stärkeren Risikosteigerung bei Frauen beitragen. Ungeklärt bleibt der Unterschied zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes.

Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig die intensive Diabetesbehandlung und Prävention bei Frauen mit Diabetes und natürlich auch bei Männern ist, schreiben die AutorInnen. Um die Mechanismen zu entschlüsseln, die diesen Risikounterschieden – speziell beim Typ-1-Diabetes – zugrunde liegen, sei weitere Forschung erforderlich.

Quelle:
Toshiaki Ohkuma et al; Diabetes as a risk factor for heart failure in women and men: a systematic review and meta-analysis of 47 cohorts including 12 million individuals; Diabetologica (2019); 62(9): 1550-1560; doi: 10.1007/s00125-019-4926-x

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