Omentum majus - die Darmpolizei greift ein

Adipositas bringt das Immunsystem aus seinem Gleichgewicht. Bei Übergewichtigen konnten im Serum verschiedene proinflammatorische Parameter gemessen werden. Das Omentum majus wiederum hat schützende immunologische Effekte.

Adipositas bringt das Immunsystem aus seinem Gleichgewicht und kann mit Krankheiten wie Diabetes mellitus und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen einhergehen. Bei übergewichtigen Menschen konnten im Serum verschiedene proinflammatorische Parameter gemessen werden, manche davon korrelieren positiv mit dem BMI der Patienten. Das Omentum majus wiederum hat schützende immunologische Effekte.

Das Omentum majus besteht aus Fett, Bindegewebe und einem Überzug aus Peritoneum. Wie eine Schürze hängt das Omentum vom Magen und Colon transversum herab und überdeckt die Dünndarmschlingen. Dieses vielseitige Organ spielt eine wichtige Rolle für die abdominale Immunabwehr und Wundheilung. So kann es das Fortschreiten von intraabdominalen Entzündungen zum Darmdurchbruch mit Peritonitis dadurch verhindern, dass es die betroffene Stelle überdeckt und so abdichtet. Die in ihm in großer Zahl enthaltenen Lymphozyten und Makrophagen erledigen den Rest. Die B- und T-Lymphozyten sind im periarteriellen Bereich angesiedelt. Innerhalb von Wundbereichen wirkt das Omentum unterstützend mit bei der Wiederherstellung von Bindegewebe und neuen Blutgefäßen. Das Omentum majus ist damit Darmpolizei und Darmsanitäter zugleich.1

Milky spots - das intestinale Sternensystem

Innerhalb des Omentums formen sich perivaskulär kleine weiße Bereiche lymphatischen Gewebes, sogenannte milky spots. Diese bestehen aus einer Ansammlung von Leukozyten. Milky spots sind außer der Peritoneal- auch noch in der Perikard- und Pleurahöhle vorhanden. Die milky spots befinden sich im Bereich der omentalen Glomeruli, direkt unterhalb des Mesotheliums. Die milky spots bestehen zum Großteil aus Makrophagen (70%) und zu zwei kleinen Anteilen aus B- und T-Lymphozyten (je 10%) und Mastzellen. In einem milky spot befinden sich ungefähr 600 Makrophagen in unterschiedlichen Reifegraden. Die höchste Anzahl an milky spots haben Kleinkinder. Die Anzahl dieser lymphatischen Strukturen nimmt mit dem Alter stetig ab.1

Sobald ein Antigen in die Peritonealhöhle eintritt, nimmt die Anzahl der Lymphozyten in den milky spots um das 40-Fache zu. Der genaue Mechanismus dahinter ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass sowohl eine Proliferation der Immunzellen als auch eine Migration der Immunzellen von außerhalb des Omentums jeweils ihren Anteil zur 40-fachen Erhöhung der Lymphozytenanzahl in den milky spots leisten. Die B1-Lymphozyten des Omentums sind einzigartig und haben ganz spezifische Oberflächenmarker: Im Vergleich zu B2-Lymphozyten besitzen sie kein CD23, weniger Immunglobulin D, aber dafür mehr Immunglobulin M und CD43. Die CD5+ B-Lymphozyten kommen im Bereich des Omentums und des Peritoneums vor. Selten sind sie auch im Blut, in der Milz und in den Lymphknoten auffindbar.1

Lymphozyten und ihre Aufgaben

Im menschlichen Körper werden zwei Arten von B-Lymphozyten voneinander unterschieden: die B1- von den B2-Lymphozyten. Die B2-Lymphozyten - auch B-Gedächtniszellen genannt - können migrieren, können sich in Plasmazellen umwandeln und spielen eine wichtige Rolle bei der gewünschten Immunreaktion nach Impfung. Nach Antigenreiz führen die B2-Lymphozyten zur Sekundärantwort. Die B1-Lymphozyten sind um einiges größer als die B2-Lymphozyten. In peripheren Lymphknoten ist eine Suche nach B1-Lymphozyten zwecklos. Sie kommen hauptsächlich in der Peritonealhöhle und zu 5% in der Milz vor. Im Vergleich zu den B2-Lymphozyten reagieren sie stärker auf Kohlenhydratantigene als auf Proteinantigene. Interessanterweise existiert in der Peritonealhöhle eine Subpopulation von B1-Lymphozyten, die nicht CD5 positiv ist, sonst aber dieselben Eigenschaften wie die CD5 positiven B1-Lymphozyten aufweist. Dementsprechend werden die B1-Lymphozyten in B1a-Lymphozyten (CD5+) und in die B1b-Lymphozyten (CD5-) weiter unterteilt.1,2 Die B-Lymphozyten der milky spots unterscheiden sich auch durch ihre T-Lymphozyten-unabhängige Immunantwort auf Kohlenhydratantigene und auf Bakterien. Oft differenzieren sie sich in Immunglobulin A-produzierende Zellen.

So schützt das Omentum den menschlichen Körper während einer Peritonitis

Es führt zu einer schnellen Absorption mit anschließendem Abbau von Bakterien und fremdem Material innerhalb der Peritonealhöhle. Darauf spezialisierte Makrophagen sorgen für die Phagozytose der ungewünschten Partikel. Das Omentum versorgt die Peritonealhöhle mit Nachschub an B-Lymphozyten um jegliche Infektionsquellen abzufangen. Darüber hinaus ermöglicht das Omentum zirkulierenden Neutrophilen über postkapilläre Venolen der milky spots zum Ort des Geschehens zu gelangen. Das Omentum besitzt die weitere Eigenschaft durch Fibrinbildung Problemherde abzudichten. Ein Glück, dass wir dieses Wunderorgan besitzen.1

Im neuen Jahr lernen wir die gamma-delta-T-Lymphozyten und ihre Funktion bei chronischen Entzündungsreaktionen kennen.

Ihnen allen wünsche ich besinnliche Feiertage!

Referenzen:
1. Platell C. et al. (2000). The omentum. World J Gastroenterol. 2000 Apr 15; 6(2): 169–176. 
2. Baumgarth N. et al. (2016). B-1 Cell Heterogeneity and the Regulation of Natural and Antigen-Induced IgM Production. Front Immunol. 2016; 7.

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