Bis zu 42% der Krebsfälle durch Lebensstil vermeidbar

Eine große Studie aus den USA beschäftigte sich mit dem Einfluss veränderbarer Lebensstilfaktoren auf das Krebsrisiko bei verschiedenen Tumorerkrankungen. Die Erkenntnisse bringen erstmals Licht ins Dunkel, wie viele Krebsfälle durch präventive Lebensstilveränderungen tatsächlich vermeidbar wären.

Neue Zahlen bestätigen Wichtigkeit der Eigenverantwortung

Eine große, aktuelle Studie aus den USA mit mehr als 1,5 Millionen untersuchten Fällen beschäftigte sich mit dem Einfluss veränderbarer Lebensstilfaktoren auf das Krebsrisiko bei verschiedenen Tumorerkrankungen. Die Erkenntnisse bringen erstmals Licht ins Dunkel, wie viele Krebsfälle durch einfache, präventive Lebensstilveränderungen zukünftig tatsächlich vermeidbar wären.  

Die Studie der amerikanischen Krebsgesellschaft (American Cancer Society) untersuchte die Datensätze von rund 1,5 Millionen Tumorpatienten, darunter von knapp 600.000 krebsbedingten Todesfällen. Alle Daten stammten aus den Archiven der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sowie des National Cancer Institutes (NCI). Insgesamt wurden 26 unterschiedliche Tumorentitäten sowie 17 veränderbare Risikofaktoren betrachtet. Letztere schlossen beispielsweise Alkoholaufnahme, Aktiv- oder Passivrauchen, extremes Übergewicht, eine faserarme Ernährungsweise, hohen Fleischkonsum, geringen Verzehr von Obst und Gemüse, Kalziummangel, Bewegungsmangel sowie häufige hohe UV-Exposition ein. 

Darüber hinaus erfassten die Forscher um Dr. Farhad Islami sechs Infektionen, die mit einer Krebsentstehung assoziiert sind, namentlich HPV, HBV, HCV, HIV, Herpesvirus Typ 8 sowie Helicobacter pylori.

In ihren Analysen beschränkten sich Islami und Kollegen jedoch nicht allein auf die Prävalenz der Risikofaktoren und die daraus resultierenden Tumorerkrankungen. Vielmehr ermittelten sie mithilfe von Metaanalysen das assoziierte relative Risiko dafür, dass ein veränderlicher Lebensstilfaktor als Risikofaktor wirksam ist und schließlich auch in einen Tumor mündet.

Tumorerkrankungen häufiger durch Rauchen, Alkohol und Übergewicht

Im Ergebnis dieser Studie zeigte sich, dass 42% aller Krebsfälle und 45% aller krebsbedingten Todesfälle auf veränderbare Risikofaktoren zurückgingen. Die ersten drei Plätze der Risikofaktoren belegten dabei das Rauchen, Übergewicht sowie ein hoher Alkoholkonsum.

So gingen etwa 19% der Krebsfälle und 29% der Todesfälle allein auf das Rauchen zurück. Übergewicht verursachte 7,8% der Tumoren und förderte bei 6,5% der Betroffenen den krebsbedingten Tod. Alkoholkonsum war hingegen noch für circa 5,6% der Tumorerkrankungen verantwortlich sowie für 4% der Todesfälle. Doch auch der heutzutage weit verbreitete Bewegungsmangel führte in 2,9% der Fälle zu einem Tumor und bei 2,2% der Betroffenen zum Tode.

Lebensstilfaktoren bestimmen maßgeblich das Krebsrisiko

Interessant ist die amerikanische Studie aber gerade auch deshalb, weil sie verdeutlicht, welche Tumorentitäten von welchen Lebensstilfaktoren besonders beeinflusst werden. So wurden 86% aller Lungenkrebsfälle von solchen veränderbaren Faktoren, wie beispielsweise Rauchen (bis zu 82% der Fälle), verursacht.

Zudem gehen circa 96% der Melanome der Haut auf eine zu hohe UV-Exposition zurück, 60% der Gebärmutter-Tumoren auf Übergewicht sowie jedes zweite Ösophaguskarzinom auf das Rauchen. Zigarettenrauch war zusätzlich mit rund 47% der Blasenkrebs-Fälle assoziiert. Bei jedem zehnten kolorektalen Tumor fanden die Forscher außerdem einen Mangel an faserreicher Nahrung als ursächlich heraus.

Betrachtet man die Infektionen, wie beispielsweise durch humane Papillomviren, so sind circa 88% der analen Tumorläsionen positiv für diese teils kanzerogenen Viren und immerhin noch etwas mehr als ein Drittel der oropharyngealen Läsionen bei beiden Geschlechtern. Zur Erklärung: HPV verursacht neben dem Zervixkarzinom auch Anal- sowie oropharyngeale Karzinome. Am häufigsten sind HPV 16 und 18 zu finden. Die verfügbare monovalente HPV-Impfung verhindert die Infektion mit diesen Viren. Daher gelten HPV-induzierte Zervix-, Anal-, und Rachenkarzinome als präventiv verhinderbar und gehören somit zu den modifizierbaren Lebensstilfaktoren.

Fazit

Die Ergebnisse dieser aktuellen Studie zeigen sehr deutlich, wie wichtig und lohnend es ist, bekannte Präventionsmaßnahmen – einschließlich Impfungen, z. B. gegen HPV oder HBV – zu empfehlen und anzuwenden, um zum einen die Krebsmorbidität und zum anderen auch die Mortalität zukünftig reduzieren zu können.

Die Studienautoren stellen dabei vier wesentliche Schlüsselfaktoren heraus, die jeder Mensch ganz individuell im Blick behalten sollte: das Körpergewicht, die aufgenommene Alkoholmenge, die Ernährung sowie die körperliche Aktivität. Kombiniert machten diese vier Einflussfaktoren bis zu 14% des allgemeinen Krebsrisikos bei Frauen bzw. 22% bei den Männern aus.

Daher empfehlen die Autoren abschließend, über diese Zusammenhänge aufzuklären und Patienten die bekannten präventiven Gesundheitsmaßnahmen (z. B. Rauchverzicht, Impfungen gegen HPV und HBV, Gewichtsreduktion, Sport, …) weiterhin aktiv zu empfehlen. Das klingt wie ein alter Hut, aber die Empfehlungen sind nun immerhin mit neuen, fundierten Zahlen belegt. 

Referenzen:
1. Islami F et al., Proportion and number of cancer cases and deaths attributable to potentially modifiable risk factors in the United States. CA Cancer J Clin 2017; doi: 10.3322/caac.21440.
2. https://ww w.medicalnewstoday.com/articles/320121.php

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