Morbiditätsrisiko nach Hodenkrebs-Therapie

Eine aktuelle Studie im Journal of Clinical Oncology zeigt, dass ehemalige Hodenkrebs-Patienten nach Abschluss der Behandlung noch immer sehr unter den Folgen der Cisplatin-basierten Chemotherapie leiden – ein durchaus praxisrelevantes Thema, dass jedoch noch immer viel zu wenig Aufmerksamkeit erhält.

Den Krebs überlebt, aber längst nicht gesund

Immer mehr Betroffene überleben heutzutage dank der modernen Behandlungsmethoden ihre Tumorerkrankung. Doch wirklich gesund sind diese Menschen dennoch nicht. So zeigt eine aktuelle Studie im Journal of Clinical Oncology, dass z. B. ehemalige Hodenkrebs-Patienten auch nach Abschluss der Behandlung noch immer sehr unter den Folgen der Cisplatin-basierten Chemotherapie leiden – ein durchaus praxisrelevantes Thema, dass jedoch noch immer viel zu wenig Aufmerksamkeit erhält. 

In ihrer multizentrischen Studie beurteilten Sarah L. Kerns und Kollegen den sich aufsummierenden Morbiditätsindex (cumulative burden of morbidity; CBM) und das spätere Auftreten von adversen Gesundheitsfolgen bei insgesamt 1.200 den Hodenkrebs überlebenden Männern.

Alle Studienteilnehmer waren bei Diagnosestellung jünger als 55 Jahre und hatten ihre Erstlinien-Chemotherapie bereits seit mehr als einem Jahr beendet. Neben dem Ausfüllen eines Fragebogens mussten sich die Männer des Weiteren einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. 

Chemotherapie und Tabakrauchen erhöhen Morbidität

Etwa jeder fünfte Mann hatte in der Studie einen hohen bis sehr hohen Morbiditätsindex CBM, 80 Prozent dementsprechend eine geringere bis mittlere Belastung. Besonders hoch war der CBM in denjenigen Fällen, in denen die Männer zuvor vier Zyklen einer Chemotherapie mit Ifosfamid, Etoposid und Cisplatin erhalten hatten (odds ratio [OR] = 1,96; 95 %-KI: 1,04–3,71). Ebenfalls erhöht war der Morbiditätsindex nach der Kombination von Bleomycin, Etoposid und Cisplatin (OR = 1,44; 95 Prozent-KI: 1,04–1,98). 

Daneben wirkten aber auch ein höheres Lebensalter (OR = 1,18; 95 Prozent-KI: 1,10–1,26), ein aktueller Krankenstand (OR = 3,53; 95 Prozent-KI: 1,57–7,95), ein geringer Bildungsgrad (OR = 1,44; 95 Prozent-KI: 1,11 –1,87) sowie der Raucherstatus (OR = 1,28; 95 %-KI: 1,02–1,63) als Risikofaktoren für eine steigende Morbidität bei Hodenkrebs-Überlebenden.

Interessanterweise schienen eine asiatische Herkunft (OR = 0,41; 95 Prozent-KI: 0,23–0,72) und körperliche Aktivität (OR = 0,68; 95 Prozent-KI: 0,52–0,89) vor einer Zunahme dieser Morbiditätsbelastungen zu schützen.

Adverse Gesundheitsfolgen nach Hodenkrebs-Behandlung

Insgesamt fanden die Forscher sechs Cluster möglicher adverser Gesundheitsfolgen:
1) Hörverlust und Tinnitus (OR = 16,3),
2) Hyperlipidämie, Hypertonie und Diabetes (OR = 9,8),
3) Neuropathie, Morbus Raynaud, Schmerz (OR = 5,5),
4) kardiovaskuläre Erkrankungen (OR = 5,0),
5) erektile Dysfunktion und eingeschränkte Schilddrüsenfunktion (OR = 4,2) sowie
6) Depression, Unruhe und Testosteronmangel (OR = 2,8).

Warum ist das in der Praxis wichtig?

Faktoren wie beispielsweise Alter, eine Cisplatin-basierte Erstlinientherapie oder auch der Raucherstatus sind in der Lage, das Morbiditätsrisiko eines Hodenkrebs-Patienten nach Behandlung zusätzlich erhöhen zu können. Hodenkrebs-Patienten mit solchen risikoverändernden Einflüssen bedürfen in der Konsequenz einer noch weitaus umfangreicheren Beratung sowie einer stärkeren medizinischen Überwachung.

Quelle:
Kerns SL et al., Cumulative Burden of Morbidity Among Testicular Cancer Survivors After Standard Cisplatin-Based Chemotherapy: A Multi-Institutional Study. Journal of Clinical Oncology 2018; doi: 10.1200/JCO.2017.77.0735

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