Antibiotic Stewardship Teil 3: Perioperative Antibiotikaprophylaxe

Die perioperative Antibiotikagabe ist in erster Linie eine Präventionsmaßnahme, um durch Infektionen bedingte Komplikationen nach diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen an urologischen PatientInnen zu vermeiden. Dabei sollte die Antibiotikagabe so kurz wie möglich erfolgen.

Die perioperative Antibiotikagabe ist in erster Linie eine Präventionsmaßnahme, um durch Infektionen bedingte Komplikationen nach diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen an urologischen PatientInnen zu vermeiden. Dabei sollte die Antibiotikagabe so kurz wie möglich erfolgen.

Die perioperative Antibiotikaprophylaxe (kurz: PABP) dient allein der Senkung eines bei einem operativen Eingriff bestehenden Infektionsrisikos, jedoch nicht dazu, um eventuelle Hygienemängel zu kompensieren.

Folgende Faktoren bestimmen das Risiko für eine operationsbedingte Infektion:

Es ist wichtig und empfehlenswert, mögliche bestehende urologische Risikofaktoren bei den PatientInnen abzuklären und vor dem geplanten Eingriff zu kontrollieren bzw. zu eradizieren.

Leitliniengerechte perioperative Antibiotikaprophylaxe

In der Regel wird die Antibiotikaprophylaxe vorab intravenös begonnen, um schnell eine möglichst ausreichend hohe Medikamentenkonzentration zu erhalten. Dabei kommt es natürlich auf das richtige Timing an. Sollten Sie dabei unsicher sein, hier also noch einmal die Kurzzusammenfassung:

Wichtig ist für alle Antibiotikaprophylaxen, dass diese nach dem Eingriff auch schnellstmöglich wieder abgesetzt werden sollen. Im Regelfall bedeutet das, dass die Antibiotika in einer Einmalgabe verabreicht werden! Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise dann, wenn die OP-Zeit deutlich verlängert werden muss, oder aber ein postoperatives Infektionsrisiko besteht, kann die “Antibiotikaprophylaxe” zeitlich begrenzt verlängert werden. Eine routinemäßige postoperative Verlängerung der Antibiotikagabe entspricht hingegen nicht mehr dem von den Leitlinien empfohlenen Standardvorgehen, auch nicht in jedem Fall bei einem liegenden Dauerkatheter.

Die Wahl des richtigen Antibiotikums

Die Wahl des passenden Antibiotikums hängt selbstverständlich von der Art der Keime und deren Resistenzsituation ab. Da sich letztere jedoch lokal ganz erheblich unterscheiden kann, sollten Kliniken und operativ tätige niedergelassene Praxen sich stets über die vor Ort auftretenden Antibiotikaresistenzen informieren und auf Basis dieser, den Empfehlungen für die “sicherste” Antibiose folgen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass nicht bei jedem Eingriff mit geringem Infektionsrisiko gleich zur Antibiose-Keule gegriffen wird. Wenn auch nach eine Zytoskopie durchaus Harnwegsinfektionen auftreten können, so stehen hier Risiko für weitere Resistenzbildungen und Nutzen zur Ausheilung ergo Prävention einer HWI in einem deutlichen Missverhältnis.

Da auch eine perioperative Antibiotikaprophylaxe durchaus die Resistenzlage verschlechtern kann, sollten Sie zudem nach Möglichkeit für die Prophylaxe auf Reserveantibiotika generell verzichten, allen voran auf die Carbapeneme!

Was, wann, wie nehmen bei transrektaler Prostata-Biopsie?

Der Zugang der transrektalen Prostata-Biopsie liegt nun in der Natur der Sache innerhalb eines mit Bakterien sehr stark kontaminierten Bereichs des Körpers. Eine perioperative Antibiotikaprophylaxe ist daher nicht nur empfohlen, sondern auch notwendig.

Bisher werden weltweit in über 90% der Fälle Fluorchinolone als orale Prophylaxe verabreicht. Jedoch kam es bei bis zu 5,2% der Männer nach einem solchen Eingriff zu HWI, wovon etwa 3% aufgrund weiterer Komplikation, (z. B. Fieber) sogar stationär aufgenommen werden mussten. Auffällig ist, dass die meisten dieser Männer einen Fluorchinolon-resistenten Escherichia coli aufwiesen. Daraus ergeben sich für die tägliche Praxis wiederum zwei konkrete Empfehlungen:

Fazit

Eine perioperative Antibiotikaprophlyaxe sollte heutzutage immer auch im Bewusstsein der gegenwärtigen lokalen Resistenzsituation erfolgen. Dabei ist es zudem wichtig, die Prophylaxe auch als eine solche zu sehen und die zeitliche Dauer der Maßnahme so kurz wie möglich zu halten. D. h., dass eine Prophylaxe stets der Vorbeugung eines unmittelbaren Infektionsrisikos unter einem urologischen Eingriff dient und nicht als Maßnahme, mögliche Hygienemängel vor Ort zu überdecken.

Mit diesem heutigen Beitrag endet nun unsere kleine Serie rund um den rationalen Umgang mit Antibiotika im urologischen Praxisalltag. Von den unkomplizierten Harnwegsinfektionen bis zur perioperativen Prophylaxe kommt es dabei immer auf das richtige Nutzen-Risiko-Verhältnis an. Als Leitmaxime für Ihr tägliches Handeln könnte daher der folgende Ausspruch gelten: “Antibiotika so selten wie möglich und so kurzzeitig wie nötig einsetzen.”

Referenzen:
Kranz J et al., Therapie von Harnwegsinfektionen. CME 2018; 15(4):49–58
Wagenlehner FME et al., Infective complications after prostate biopsy: outcome of the Global Prevalence Study of Infections in Urology (GPIU) 2010 and 2011. A prospective multinational multicentre prostate biopsy study. Eur Urol 2013; 63:521-527

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