PatientInnen wissen am besten, was sie brauchen

Patientenpflege in der Onkologie: Wie zufrieden sind die PatientInnen wirklich? Positiv sticht aus einer aktuell veröffentlichten weltweiten Umfrage heraus, dass offensichtlich die große Mehrheit mit dem Versorgungsstandard zufrieden ist. Doch weisen die PatientInnen aus ihrer Sicht auch auf vier wesentliche Punkte hin, die zukünftiger Verbesserungen bedürfen.

Patientenpflege in der Onkologie: Wie zufrieden sind die PatientInnen wirklich? Positiv sticht aus einer aktuell veröffentlichten weltweiten Umfrage heraus, dass offensichtlich die große Mehrheit mit dem Versorgungsstandard zufrieden ist. Doch weisen die PatientInnen aus ihrer Sicht auch auf vier wesentliche Punkte hin, die zukünftiger Verbesserungen bedürfen. Dabei geht es vor allem um den richtigen Ton bei der Überbringung der Diagnose, um die gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient, um ein integratives, multidisziplinäres Pflegemanagement sowie um die Zusatzkosten bei der Tumorbehandlung. 

Die Urologie ist klassischerweise ein Fach mit überaus viel Kontakt zu TumorpatientInnen, denken Sie nur an das Prostatakarzinom, den Blasenkrebs oder das Nierenzellkarzinom. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen im heutigen Blogbeitrag gern die folgende Umfrage einmal in deren Ergebnissen vorstellen: Insgesamt 4.000 TeilnehmerInnen aus 10 verschiedenen Ländern berichteten, dass sie sich im Wesentlichen gut betreut fühlten während der onkologischen Behandlungen. Dennoch stellten die PatientInnen am Ende ebenso heraus, dass es weiterhin Bereiche gibt, in denen zukünftig Verbesserungen erfolgen müssen.

Wie sage ich es meinen PatientInnen?

Größere Probleme fanden sich demnach vor allem bei der Übermittlung der Diagnose. Hier sahen 26% der TeilnehmerInnen Raum für Verbesserungen. Oft fehle es dem ärztlichen Personal hier an der nötigen Empathie, sodass Diagnosen nicht umfassend genug überbracht oder aufgrund mangelnder Zeit, Fragen der PatientInnen nicht oder nur unzureichend beantwortet werden.

Redeflut tut meist nicht gut

Als zweites Problemfeld benannten die PatientInnen die Informationen rund um ihre jeweiligen onkologischen Erkrankungen. Hier zeigte sich, dass viele von der Informationsflut schlichtweg übermannt wurden. Wünschenswert wäre eine portionierte Informationsstrategie seitens der ÄrztInnen, die Wissenswertes zur Krebserkrankung entlang des Behandlungsweges verteilen, anstelle die PatientInnen nach Diagnose mit zuviel "Wissen" zu überfrachten.

Der Betreuungsbedarf endet nicht mit dem Therapieende

Jeder vierte erlebte zudem Momente, in denen er/sie sich nicht ausreichend betreut fühlte, um mit Symptomen der Erkrankung oder auch im Therapieverlauf auftretenden Ereignissen adäquat umgehen zu können. In diesem Zusammenhang merkten PatientInnen an, allein gelassen zu sein, wenn der letzte Therapiezyklus zuende ging und Ängste sowie Fragen rund um Heilung, Rezidivraten und woran ein zurückkommender Tumor selbst erkannt werden kann, in das Bewusstsein drängten.

PatientInnen wünschten sich zudem mehr Ordnung in der Versorgung, also einen Therapieplan, den sie während der Behandlungsdauer verfolgen könnten. Hinzu kommt, dass viele KrebspatientInnen gern selbst aktiv werden möchten, um ihre Behandlung zu unterstützen. Hierzu erhoffte sich die Mehrzahl der Befragten mehr Informationen von Seiten der ÄrztInnen, z. B. zu Themen wie Bewegung, Sport und Ernährung bei Krebs.

Während bis zu zwei von drei PatientInnen selbst einschätzten, eine psychologische Betreuung zu benötigen, erhielt etwa ein Drittel der Befragten kein solches Angebot. Auch wurde die Betreuung nicht immer als hilfreich aufgenommen. Dies verdeutlicht einmal mehr den Bedarf einer an Patienteninteressen ausgerichteten psychoonkologischen Versorgung, die leider immer noch nicht an allen Standorten in der nötigen Qualität bereitgehalten wird.

Finanzielle Ängste ernst nehmen

Eine Tumorerkrankung bringt ferner eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Betroffenen und deren Familien mit sich. Dabei geht es keinesfalls um die direkten Therapiekosten, welche in der Regel ja durch eine Krankenversicherung abgedeckt sind, als vielmehr um Nebenkosten, wie z. B. für die Fahrten zu den Behandlungsterminen, Betreuungskosten für Kinder, Einkommenseinbußen und ähnliches.

Fazit

Tumor-PatientInnen sind im Wesentlichen zufrieden mit ihrer Behandlung. Allerdings gibt es Punkte im gegenseitigen Umgang zwischen ÄrztInnen und PatientInnen, die einer Verbesserung bedürfen. Dazu gehören insbesondere Fragen des empathischen Umgangs, der Diagnose-Überbringung sowie der Betreuung und psychologischen Nachsorge.

Jeder einzelne dieser Punkte ist jedoch weniger als eine reine Kritik an der Ärzteschaft zu verstehen, als vielmehr als eine Chance zu begreifen, mit wenigen Stellschrauben mehr Patientenzufriedenheit und eine bessere Verständigung zwischen ÄrztInnen und PatientInnen zu erreichen. Eine fundierte gemeinsame Entscheidungsfindung verbessert schließlich die Therapietreue, die Lebensqualität und stärkt das Verhältnis zwischen ÄrztInnen und Tumor-PatientInnen.    

Quelle: Patient insights on cancer care: opportunities for improving efficiency Findings from the international All.Can patient survey 2019; https://www.all-can.org/what-we-do/research/patient-survey/

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