7 Fragen zur Tagesschläfrigkeit bei obstruktiver Schlafapnoe

Patienten*innen mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA) k&ouml;nnen trotz gut eingestellter CPAP-Therapie unter residualer exzessiver Tagesschl&auml;frigkeit (rEDS) leiden.<sup>2</sup>&nbsp;Doch wie kann die rEDS im Praxisalltag erfasst werden und welche Therapieoption stehen zur Verf&uuml;gung? Testen Sie Ihr Wissen in 7 Fragen.

Frage 1:

Laut dem Statement der American Heart Association ist die OSA v. a. bei Patienten*innen mit kardiovaskulären Erkrankungen und Bluthochdruck weit verbreitet. Wie hoch wird die Prävalenz für OSA bei Erkrankten mit resistenter Hypertonie eingeschätzt? Auf bis zu …

  1. 30 %
  2. 50 %
  3. 80 %
  4. 95 %

Auflösung

C ist die richtige Antwort.

Bis zu 80 % der Patienten*innen mit resistenter Hypertonie leiden schätzungsweise an OSA. Bei Erkrankten mit symptomatischer Herzinsuffizienz beträgt die Prävalenz für Schlafstörungen 40 % bis 60 %, wobei OSA ca. 1/3 der Fälle ausmacht. Zudem scheint die OSA stark mit Pulmonaler Hypertonie (PH) assoziiert zu sein. Bei Erkrankten, bei denen die PH durch eine rechtsseitige Herzkatheteruntersuchung diagnostiziert wurde, betrug die OSA-Prävalenz 70-80 %.1

Frage 2:

Die CPAP-Therapie ist bei OSA der Goldstandard. Wie lange sollten Erkrankte diese laut Fietze et al., 2021 mindestens nutzen?

  1. 4h pro Nacht und >70 % der Nächte
  2. 6h pro Nacht und >70 % der Nächte
  3. 5h pro Nacht und >80 % der Nächte
  4. 6h pro Nacht und >80 % der Nächte

Auflösung

A ist die richtige Antwort.

Fietze et al., 2021 geben eine Nutzungszeit der CPAP-Therapie mit mindestens 4h pro Nacht und >70 % der Nächte in ihrer Publikation an.2 Die S3 Leitlinie „Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“ gibt international eine Compliance von 40-60 % an, wobei 29 – 83 % der OSA-Betroffenen die CPAP unter 4 h nutzen. In den ersten 4 Jahren nach Therapiebeginn wird die CPAP von ca. 70 % der Erkrankten durchschnittlich 5,3 h pro Nacht genutzt. Die Akzeptanz in Europa ist mit 85% höher als in den USA.3

Frage 3:

Einige OSA-Patienten*innen leiden trotz optimierter CPAP-Therapie unter rEDS.2 Mit welchem Fragebogen kann in diesem Fall die rEDS routinemäßig erfasst werden?

  1. Epworth-Sleepiness-Scale (ESS)-Fragebogen
  2. Insomnia Severity Index (ISI)
  3. Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI)
  4. Morningness/Eveningness Questionnaire (MEQ)

Auflösung

A ist die richtige Antwort.

Die rEDS unter der OSA-Therapie kann mittels des Epworth-Sleepiness-Scale (ESS)-Fragebogen erfasst werden.4,5 Der ESS-Fragebogen ermöglicht die Selbsteinschätzung der Tagesmüdigkeit anhand von Punkten. Betroffene geben die Wahrscheinlichkeit für das Einschlafen während verschiedener Alltagstätigkeiten an, wie z. B. Fernsehen oder Autofahren.2,4,5

Frage 4:

Die Diagnose rEDS bei OSA unter der CPAP-Therapie bedarf immer einer Ausschlussdiagnostik. Welche endokrinen und neurologischen Erkrankungen sollten laut dem Review von Gandhi et al., 2021 als sekundäre Ursache für rEDS ausgeschlossen werden?

  1. Schilddrüsenunterfunktion, Parkinson-Krankheit, traumatische Hirnverletzungen
  2. Multiple Sklerose, ADHS, Guillain-Barre-Syndrom
  3. Osteoporose, Parkinson-Krankheit, Alzheimer-Krankheit
  4. Chorea-Huntington-Krankheit, Alzheimer-Krankheit, Diabetes

Auflösung

A ist die richtige Antwort.

Sekundäre Ursachen, die zu einer rEDS führen können, sind laut Gandhi et al. medizinische (Parkinson-Krankheit, traumatische Hirnverletzungen, Infektionen, Hypothyreose) und psychiatrische Störungen (z. B. atypische Depression bzw. Bipolare Störung Typ II), sowie Medikamenteneinnahme (z. B. Benzodiazepine, Opiate, Alkohol) und das Schlafmangelsyndrom.6

Frage 5:

Welche medikamentöse Therapieoption ist seit Herbst 2021 bei rEDS bei OSA in Deutschland zugelassen?

  1. Modafinil
  2. Pitolisant
  3. Solriamfetol
  4. Methylphenidat

Auflösung

B ist die richtige Antwort.

Mit Pitolisant (Ozawade®) steht für Erwachsene mit übermäßiger Tagesschläfrigkeit (EDS) eine seit 2021 eine Therapieoption zur Verfügung, wenn eine primäre OSA-Therapie, wie z. B. eine CPAP-Beatmung nicht zufriedenstellend ist oder wenn eine solche Therapie nicht vertragen wird. Das Besondere: Pitolisant kann auch bei Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Komorbidität eingesetzt werden.7-9 Pitolisant verbesserte in den beiden randomisierten doppelblinden Phase-III-Studien HAROSA I (n= 244) und HAROSA II (n = 268) den ESS-Score nach 12-wöchiger Behandlung (primärer Wirksamkeitsendpunkt) vs. Placebo signifikant (jeweils p < 0,001).8,9 Eine signifikante Veränderung des systolischen oder diastolischen Blutdrucks oder der Herzfrequenz wurde im Rahmen der Studien nicht beobachtet. 8,9

Frage 6:

Zur Behandlung der rEDS bei Patienten*innen mit OSA und CPAP ist in Deutschland neben Pitolisant auch Solriamfetol zugelassen. Wie unterscheidet sich der Wirkmechanismus der beiden Substanzen?

  1. Pitolisant und Solriamfetol sind selektive Histamin-3-Rezeptor-(H3R-) Antagonisten/inverse Agonisten.
  2. Pitolisant und Solriamfetol sind selektive Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer.
  3. Pitolisant ist ein selektiver Histamin-3-Rezeptor-(H3R)-Antagonisten/inverser Agonist, Solriamfetol ist ein selektiver Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer.
  4. Pitolisant ist ein selektiver Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Solriamfetol ein H3R-Antagonist/inverser Agonist

Auflösung

C ist die richtige Antwort.

Pitolisant ist ein selektiver Histamin-3-Rezeptor-(H3R-)Antagonist/inverser Agonist, der die negative Rückkopplung an den Histamin-Autorezeptoren aufhebt und infolge der erhöhten Histaminfreisetzung selektiv die Aktivität histaminerger Neuronen im Gehirn steigert.10,11 Es erhöht zudem die Konzentrationen weiterer zerebraler Neurotransmitter, wie Acetylcholin und Dopamin, und verbessert somit die Wachheit und die Aufrechterhaltung des Wachheitzustandes.10,11 Im Gegensatz zu anderen zugelassenen Psychostimulanzien besteht unter der Einnahme von Pitolisant kein Abhängigkeitspotenzial.12,13 Solriamfetol ist ein selektiver Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (DNRI) und reguliert Neurotransmitter, die für den Schlaf-Wach-Rhythmus essenziell sind.14

Frage 7:

Welches sind laut der Publikation von Fietze et al., 2021 Prädiktoren für rEDS bei OSA? (Mehrfachantwort)

  1. Hoher EES-Ausgangswert bei niedrigem Apnoe-Hypopnoe-Index
  2. Junges Alter der Erkrankten und kurze Einschlaflatenz
  3. Komorbiditäten wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus
  4. schnelle Wiederauftreten von Atmungsstörungen nach einem PAP-Anwendungsstopp

Auflösung

A, B, C, D ist die richtige Antwort.

Insbesondere ein hoher Ausgangs-ESS bei gleichzeitig niedrigem Apnoe-Hypopnoe-Index, aber auch ein junges Alter, sowie eine kurze CPAP-Laufzeit oder kurze Einschlaflatenz scheinen Prädiktoren für rEDS bei OSA zu sein. Als weitere Prädiktoren für das Auftreten einer rEDS benennen Fietze et al. Komorbiditäten wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus. Auch weisen Atmungsstörungen, die sehr schnell nach einem PAP-Anwendungstopp auftreten darauf hin.2

Quellen

  1. Yeghiazarians Y et al. Circulation. 2021 Jul 20;144(3):e56-e67.
  2. Fietze I et al. Somnologie 2021; 25: 99−109
  3. S3 Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörung Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“, https://register.awmf.org/assets/guidelines/063-001l_S3_SBAS_2023-01_verlaengert_und_Hinweis_Teil-Aktualisierung.pdf, letzter Aufruf 4.7.
  4. Mazzotti DR et al. Chest. 2022 Feb;161(2):557-561.
  5. Johns MW. Sleep. 1991 Dec;14(6):540-5.
  6. Gandhi KD et al. Mayo Clin Proc. 2021 May;96(5):1288-1301.
  7. Fachinformation Ozawade, Bioprojet Pharma, Stand: Juli 2021
  8. Pépin JL et al. Chest. 2021 Apr;159(4):1598-1609.
  9. Dauvilliers Y et al. Am J Respir Crit Care Med. 2020 May 1;201(9):1135-1145.
  10. Schwartz JC. Br J Pharmacol. 2011 Jun;163(4):713-21.
  11. Romigi A et al. Drug Des Devel Ther. 2018 Aug 30;12:2665-2675.
  12. Setnik B et al. Sleep. 2020 Apr 15;43(4):zsz252.
  13. Dauvilliers Y et al. Lancet Neurol. 2013 Nov;12(11):1068-75.
  14. Solriamfetol (Sunosi®), Dossier zur Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V, Stand: 15.05.2020; https://www.g-ba.de/downloads/92-975-3727/2020-05-15_Modul2_Solriamfetol.pdf