OZAWAKE 2024 vom 08.03. – 09.03.2024, hybride Fortbildungsveranstaltung der Firma Bioprojet GmbH, Sheraton Frankfurt Airport Hotel and Conference Center, via zoom
Die hybride Fortbildungsveranstaltung OZAWAKE der Bioprojet Deutschland GmbH fand zum zweiten Mal statt. Moderiert von Arzt und Tatortschauspieler Joe Bausch konnten die Teilnehmer*innen online oder vor Ort in Frankfurt unterschiedlichste Vorträge rund um die Schlafmedizin verfolgen. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. med. Christoph Schöbel, Essen, PD Dr. med. Anna Heidbreder, Linz, Prof. Dr. med. Ingo Fietze, Berlin und Prof. Dr. rer. physiol. Thomas Penzel, Berlin, blickten die Referenten*innen am Freitag in die Zukunft der Schlafmedizin. Hier standen u. a. die neuen Technologien im Fokus.
Laut Prof. Schöbel liegt die Zukunft der Medizin in deren Demokratisierung. Denn durch die neuen Technologien wie Apps und Wearables sind die Patienten*innen in der Lage, Diagnosedaten rund um den Schlaf selbst zu erfassen. Für ihn tendenziell eine gute Sache, denn in den USA hat die amerikanische Herzgesellschaft guten Schlaf wie Bluthochdruck oder Blutfette als primärer Präventionsfaktor aufgenommen und es kann von Vorteil sein, wenn Betroffene ein Augenmerk auf ihren Schlaf legen. Doch liegen die Herausforderungen darin, dass die Wirksamkeit vieler Angebote nicht wissenschaftlich untersucht ist. Die verordnungsfähigen digitalen Gesundheitsanwendungen bilden hier eine Ausnahme, denn diese sind zertifiziert und auf ihre Wirksamkeit geprüft. Aktuell stehen zwei DIGA zur Behandlung von chronischer Insomnie zur Verfügung. Auch Projekte wie „Trusted Health-Apps“ der Bertelsmann-Stiftung haben das Ziel, bei der großen Anzahl an Gesundheits-Apps Orientierung zu geben.
Aber wie sieht es mit einer weitergehenden schlafmedizinischen Untersuchung via Telemedizin aus? Diese Frage stellte sich auch Prof. Dr. med. J. Ulrich Sommer, Bad Aibling. Der HNO-Arzt zeigte auf, wie Telemedizin das Schlaflabor weiterentwickeln kann. Neuere Geräte erkennen im Gegensatz zur häuslichen Polygraphie eher, ob ein*e Patient*in schläft oder nicht. Die dadurch erhobenen Daten seien nach Prof. Sommer aus diesem Grund genauer. Nach der Messung werden die Ergebnisse mit dem*r Patienten*in besprochen und die Therapie eingeleitet - wobei die telemedizinische Begleitung so gut wie möglich erfolgt. Aktuell ist dies jedoch nur über private Krankenversicherungen abrechenbar, auch eignen sich nicht alle Patienten*innen. Laut Prof. Sommer steigt der Bedarf dieser Art der Behandlung an.
In großer Runde wurde über die Zukunft der Schlafmedizin diskutiert. Ein Diskussionspunkt war, wie aussagekräftig Smartwatches und ähnliche Geräte tatsächlich sind. Laut der Neurologin Heidbreder fehle hierbei die EEG-Auswertung, die auch Hinweise auf Krankheiten wie Demenz oder Neurodegeneration liefern könnten. Daher plädierte sie dafür, den Goldstandard der Polysomnographie beizubehalten, um die Daten der Smartwatches richtig interpretieren zu können. Sie betonte jedoch auch, dass die Daten der Smartwatches eine gute Orientierung geben könnten.
Prof. Fietze prognostizierte, dass es in Zukunft nicht ausreichend Kapazität in den Schlaflaboren und auch weniger Schlafspezialisten*innen geben wird. Deshalb seien die Hausarztpraxen und Allgemeinmediziner*innen gefragt, um die Vielzahl an Menschen mit Schlafstörungen im ambulanten Setting zu betreuen. Er ist ebenfalls der Meinung, dass Daten aus Smartphone und Co. als Orientierung dienen können, der Zugang zu qualifizierter Diagnostik dennoch verbessert werden muss.
Die Aufklärungsarbeit über Schlaf sollte bereits in der Schule beginnen, um das Bewusstsein für die Bedeutung von gutem Schlaf zu schärfen. Die Patienten*innen müssen sich trauen, ihren schlechten Schlaf anzusprechen, erklärte Dr. med. Hans Christian Blum, Hattingen, da Schlaf mehr als nur eine Befindlichkeit darstelle. Es ist wichtig, nicht nur die Allgemeinbevölkerung über Schlaf aufzuklären, sondern bereits im Medizinstudium anzusetzen. Schlafmedizin ist ein interdisziplinäres Thema, das in verschiedenen Fachbereichen präsent sein sollte, da es in der Schlafmedizin zahlreiche verschiedene Diagnosen aus unterschiedlichsten Fachgebieten wie z. B. Neurologie, Pneumologie oder Psychiatrie gibt. Es gilt also, das medizinische Personal frühzeitig auszubilden und das Thema Schlaf in den Fokus zu rücken, denn – wie Prof. Penzel in der Diskussion warnte - sterbe man zwar nicht an einer OSA oder schlechtem Schlaf, jedoch an deren Folgen, wie z. B. Verkehrsunfällen oder kardiologischen Folgeerkrankungen.
Ein Hindernis dabei können die Versorgungstrukturen darstellen, denn viele Untersuchungen, aber auch Fortbildungen werden nicht in allen Fachkreisen vergütet.
Innovative Technologien könnten die Versorgung in der Schlafmedizin verbessern, jedoch gibt es noch Möglichkeiten, die Effizienz der digitalen Versorgungspfade zu steigern (z. B. durch die Weiterentwicklung der Technik, Standardisierung von Daten für eine verbesserte KI-Nutzung). Dennoch muss die Schlafmedizin mehr Aufmerksamkeit bekommen – bei den Patienten*innen sowie in der Ausbildung von Medizinern*innen. Für eine adäquate Ausbildung und Versorgung der Patienten*innen müssen die Versorgungstrukturen sowie die Vergütung angepasst und die interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit noch weiter gefördert werden.
OZAWAKE 2024 vom 08.03. – 09.03.2024, hybride Fortbildungsveranstaltung der Firma Bioprojet GmbH, Sheraton Frankfurt Airport Hotel and Conference Center, via zoom