Kontaktlose Polysomnographie – Möglichkeiten und Grenzen
Die kontaktlose Polysomnographie eröffnet neue Perspektiven für eine patientenfreundliche und präzise Diagnostik der obstruktiven Schlafapnoe (OSA). Welche Technologien stehen aktuell zur Verfügung, wie zuverlässig sind sie und welche Herausforderungen bestehen bei ihrer klinischen Integration?
Innovative Ansätze zur schlafmedizinischen Diagnostik
Die klassische Polysomnographie (PSG) stellt den Goldstandard bei der Diagnostik der obstruktiven Schlafapnoe dar.1 Bisher ist bei der PSG eine nächtliche Messung durch zahlreiche Sensoren, die direkt am Körper angebracht werden, unabdingbar. Dies kann für die Betroffenen eine unbekannte und unangenehme Situation sein, wodurch der Schlafkomfort und somit auch die diagnostische Aussagekraft beeinflusst werden können. Ein zusätzliches Problem: die Zahl der Betroffenen wächst und Wartezeiten erhöhen sich, während Komplexität und Kosten der PSG unverändert hoch bleiben. Innovative, kontaktlose Technologien bieten nun die Möglichkeit diese Einschränkungen zu überwinden.1,2
Technologische Grundlagen und diagnostische Möglichkeiten
Die kontaktlose Schlafüberwachung entwickelt sich rasant weiter und aktuell stehen unterschiedliche Ansätze wie radar-, radiowellen-, kamera- und ballistokardiographisch basierte Systeme zur Verfügung. Trotz unterschiedlicher Ansätze verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: den Zugang zur Schlafdiagnostik zu verbessern und verlässliche Daten für klinische und alltägliche Anwendungen zu liefern.2
Zwei Wege, Schlaf kontaktlos zu messen
Die Doppler-Radar-Technologie konnte in einer Studie für die OSA-Diagnostik bereits evaluiert werden.1 In der Studie wurde bei 102 Menschen mit Verdacht auf OSA sowohl eine PSG als auch die diagnostische Leistung eines auf Doppler-Radar-Technologie basierenden, kontaktlosen Schlafapnoe-Testgeräts durchgeführt. Das untersuchte kontaktlose Radarsystem zeigte bei einem AHI-Cut-off von ≥ 5/h eine Sensitivität von 89 % und eine Spezifität von 88 % im Vergleich zur Polysomnographie. Der positive Vorhersagewert lag bei 97 %, der negative Vorhersagewert bei 62 %. In Bezug auf die Diagnosegenauigkeit bei OSA (AHI ≥ 5/h) betrug die Übereinstimmung 89,8 % (n = 79/88). Bei einem höheren Schwellenwert (AHI ≥ 15/h) wurde sogar eine Übereinstimmung von 100 % erreicht (n = 61/61). Allerdings zeigte das Gerät bei der Einstufung des Schweregrads der OSA eine deutlich geringere Übereinstimmung mit der PSG und schnitt unterdurchschnittlich ab. Im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen scheint den Autoren*innen die Weiterentwicklung mit Blick auf eine bessere Stratifizierung des Schlafschweregrads und die Unterscheidung zwischen zentralen und obstruktiven Ereignissen sinnvoll. Dies könnte zu mehr diagnostischen Möglichkeiten für Ärzte*innen im ambulanten Bereich führen.1
Auch weitere Systeme zeigten bereits vielversprechende Ergebnisse: In der Studie „What radio waves tell us about sleep!“3 entwickelten Forschende ein KI-gestütztes System, das Schlaf und Atmung berührungslos über Radiowellen erfasst. Das Verfahren nutzt Umgebungsradar, das vom menschlichen Körper reflektiert wird, um daraus Atemmuster, Bewegungen und Schlafstadien zu rekonstruieren, ohne am Körper platzierte Sensoren. Im Vergleich zur Polysomnographie zeigte das System eine hohe Übereinstimmung bei der Erkennung von Schlafstadien und Atmungsereignissen, was das Potenzial der Technologie als alltagstaugliche, kontaktlose Schlafüberwachung aufzeigt.3
Potenzial für die Diagnostik der Narkolepsie
Über die OSA-Diagnostik hinaus könnte die kontaktlose Schlafüberwachung künftig auch neue Perspektiven für die Narkolepsie eröffnen. Zwar ist die Diagnostik – insbesondere bei Typ 1 – bislang auf EEG-basierte Methoden wie die Polysomnographie mit nachfolgendem Multiplen Schlaflatenztest (MSLT) angewiesen,4 doch kontaktlose Systeme könnten in Zukunft wertvolle Zusatzinformationen liefern. Insbesondere die langfristige Überwachung von Schlafverhalten, nächtlicher Bewegungsaktivität oder Veränderungen des Tag-Nacht-Rhythmus in der gewohnten Umgebung bietet Chancen für das Monitoring von Therapieverläufen oder zur Früherkennung atypischer Verläufe. Aktuelle Studien zur kontaktlosen Erfassung dieser Parameter stehen allerdings noch am Anfang.
Fazit und Ausblick
Zukünftig könnten integrierte, benutzerfreundliche Systeme präzise Einblicke in die Schlafgesundheit ermöglichen – auch im Zusammenhang mit neurologischen und internistischen Erkrankungen. Interdisziplinäre Forschung treibt diesen Wandel voran und eröffnet neue Wege in Diagnostik und Prävention.2 Die kontaktlose Polysomnographie bietet ein erhebliches Potenzial, die Engpässe in der schlafmedizinischen Diagnostik zu verbessern und diese zusätzlich deutlich patientenfreundlicher und praktikabler zu gestalten. Die klinische Anwendung könnte wesentlich zur Verbesserung der Diagnostik und der Therapieüberwachung bei obstruktiver Schlafapnoe und Narkolepsie beitragen. Zukünftige Studien sollten daher nicht nur eine weitere klinische Validierung der verschiedenen Technologien anstreben, sondern auch klare Richtlinien zur Integration in die klinische Praxis entwickeln.
- Röcken J et al. BMC Pulm Med, 2025 Apr 3;25:150.
- Vitazkova D et al. T Biosensors (Basel), 2025 Feb 17;15(2):117.
- He H et al. Sleep, 2025;48(1);zsae187.
- Bassetti CLA et al. European guideline and expert statements on the management of narcolepsy in adults and children. EJoN, Vol. 28, Issue 9, September 2021, 2815-2830.