Neue Chancen zur Reduktion der Tagesschläfrigkeit

Ketogene Ern&auml;hrung k&ouml;nnte die exzessive Tagesschl&auml;frigkeit bei Narkolepsie Typ 1 sp&uuml;rbar verbessern.<sup>1,2</sup> Erste Daten einer randomisierten Studie zeigten: Ern&auml;hrungsumstellung und Bewegung k&ouml;nnen klinisch relevante Effekte erzielen und dabei eine gute Erg&auml;nzung zur medikament&ouml;sen Therapie darstellen.<sup>1</sup>

Ernährung spielt bei neurologischen Erkrankungen eine zentrale Rolle, insbesondere dort, wo Energiestoffwechsel und neuronale Erregbarkeit beeinflusst werden können.3 Die ketogene Ernährung ist dabei eine der am besten untersuchten ernährungsmedizinischen Ansätze und wird seit Jahrzehnten in der Neuropädiatrie und zunehmend auch bei Erwachsenen eingesetzt.3

Die ketogene Diät wurde ursprünglich entwickelt, um metabolische Effekte des Fastens zu imitieren. Sie basiert auf einer stark reduzierten Kohlenhydratzufuhr, kombiniert mit einer stark erhöhten Fettzufuhr.3 Dadurch verschiebt sich der Energiestoffwechsel weg von Glukose hin zu Ketonkörpern wie Acetoacetat und β-Hydroxybutyrat, die in der Leber gebildet werden und das Gehirn als alternative Energiequelle versorgen können.3 Die ketogene Ernährung hat schon in das Behandlungsmanagement der Epilepsie Einzug gefunden und wird als evidenzbasierte Option u. a. bei therapierefraktären Epilepsien in den Leitlinien empfohlen.2,4

Vorteile auch bei Narkolepsie?

Aufgrund zunehmender Patienten*innenberichte zu Verbesserungen der exzessiven Tagesschläfrigkeit (EDS) unter Low-Carb- oder ketogener Ernährung untersuchte die Arbeitsgruppe um Frederike Tepel (Universität Witten/Herdecke) systematisch, ob ketogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität zu einer Symptomverbesserung bei Narkolepsie Typ 1 führen können.2 Die europäischen Leitlinien beschreiben ein explizites Bedürfnis nach solchen Zusatzstrategien, bieten bisher jedoch keine konkreten Empfehlungen.1,2

Methodik und Studienverlauf

In die randomisierte, kontrollierte Studie wurden 60 Erwachsene mit bestätigter Narkolepsie Typ 1 eingeschlossen (Durchschnittsalter: 34 Jahre).1 Sie wurden über 10 Wochen entweder einer ketogenen Diät, einem strukturierten Bewegungsprogramm oder best clinical practice (Kontrollgruppe) zugeordnet (je n = 20). Patienten*innen wurden ausgeschlossen, wenn sie schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten, an einem Gewichtsverlustprogramm teilnahmen, für einen intensiven sportlichen Wettkampf trainierten oder Natriumoxybat oder andere Medikamente einnahmen, die potenziell ketogene Mechanismen beeinflussen.1,2

44 der Patienten*innen schlossen die Studie ab. Die Drop-out-Raten waren in allen Gruppen vergleichbar und lag bei 25–30 %.1,2 In der Keto-Gruppe erfolgte eine engmaschige Compliance-Kontrolle über wöchentliche Ketonkörpermessungen sowie Gewichts- und Taillenumfangsdokumentation. Die Sportgruppe absolvierte drei Bewegungseinheiten pro Woche, ergänzt durch Schrittzählung und Trainingsprotokolle.1,2

Primärer Endpunkt war die Veränderung der exzessiven Tagesschläfrigkeit gemessen am Epworth Sleepiness Scale, (ESS); sekundäre Endpunkte umfassten Schlafqualität (PSQI), Kataplexiehäufigkeit, Lebensqualität und subjektives Wohlbefinden.1,2

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse zeigten eine klinisch relevante Verbesserung der EDS sowohl in der Keto- als auch in der Sportgruppe:1,2

Zusätzlich verbesserten sich Fatigue und körperliche wie psychische Lebensqualität in beiden Interventionsarmen deutlich, während die Kontrollgruppe unverändert blieb.1,2 Die ketogene Ernährung führte darüber hinaus zu einer signifikanten Gewichtsabnahme (im Durchschnitt 6 kg in 10 Wochen; einzelne > 10 kg).1,2

Potenzial für die Behandlung

Die Studie zeigt erstmals unter kontrollierten Bedingungen, dass ketogene Ernährung und körperliche Aktivität EDS verbessern können.1 Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass strukturierte Ernährungs- und Bewegungsprogramme als eine Ergänzung zur bestehenden Therapie eingesetzt werden könnten.1,2 Praktisch ist zu berücksichtigen, dass eine strenge Ketose im Alltag schwer aufrechtzuerhalten ist. Möglicherweise stellen Low-Carb-Strategien (< 50 g Kohlenhydrate/Tag) daher eine alltagsnahe Option mit ähnlichem Potenzial.2

Die Daten legen nahe, dass eine ketogene Ernährung eine sinnvolle Ergänzung zur pharmakologischen Behandlung der Narkolepsie darstellen könnte, sofern ggf. Wechselwirkungen zu den medikamentösen Therapien berücksichtigt werden. Die Vollpublikation könnte hierzu noch mehr Erkenntnisse liefern.

Quellen

  1. Tepel et al. The impact of physical exercise and ketogenic diet on narcolepsy: A randomized, controlled trial European Journal of Neurology 2024;30(Supplement 1): OPR-101
  2. Lisa Nainggolan Keto Diet, Exercise, Effective First-line Tx for Narcolepsy. www.medscape.com (abgerufen am 20.11.2025)
  3. Neal EG Ketogenic dietary therapy for epilepsy and other disorders: current perspectives Nutrition and Dietary Supplements 2014:625–33
  4. Bassetti CLA et al. European guideline and expert statements on the management of narcolepsy in adults and children. J Sleep Res 2021; 30:e13387
  5. Holtkamp M, May TW et al., Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter, S2k-Leitlinie, 2023; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 20.11.2025)