Neue Narkolepsie-Leitlinie empfiehlt Pitolisant

Mit der aktualisierten S2k-Leitlinie zur Behandlung der Narkolepsie erh&auml;lt Wakix<sup>&reg;</sup> einen klar definierten Stellenwert in der medikament&ouml;sen Therapie. Die Empfehlung basiert auf randomisierten Studien und adressiert zentrale Symptome wie Tagesschl&auml;frigkeit und Kataplexie bei Erwachsenen und Kindern.

Ende 2025 wurde die vollständig überarbeitete S2k-Leitlinie „Behandlung der Narkolepsie bei Erwachsenen und Kindern“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) veröffentlicht. Diese stellt die pharmakologische Therapie der Narkolepsie evidenzbasiert dar und berücksichtigt aktuelle Zulassungen sowie neue Studiendaten.1

Die wesentlichen Neuerungen in Bezug auf die Pharmakotherapie

Gegenüber der vorherigen Version hebt die S2k-Leitlinie insbesondere die Verfügbarkeit und den erweiterten Einsatz neuer pharmakologischer Therapieoptionen hervor. Pitolisant (zugelassen seit 2016) und Solriamfetol (zugelassen seit 2020) werden nun klar und evidenzbasiert in den therapeutischen Algorithmus integriert; zudem wird die Zulassung von Pitolisant bei Kindern und Jugendlichen ab sechs Jahren (2023) erstmals berücksichtigt.1 Ergänzend fließen neue Langzeitdaten zu Wirksamkeit und Sicherheit einzelner Substanzen in die Bewertung ein, wodurch der Stellenwert moderner wachheitsfördernder Therapien weiter gestärkt wird.¹

Die neue Leitlinie nimmt auch aktuelle krankheitsmodifizierende Therapieansätze bei Narkolepsie in den Blick, kommt jedoch zu einer klaren Bewertung. Angesichts der sehr niedrigen Evidenz und einer ungünstigen Nutzen-Risiko-Abwägung bleibt die Behandlung der Narkolepsie aktuell symptomatisch.1 Neue Wirkstoffe wie Orexin-Rezeptor-Agonisten werden von der Leitlinie als vielversprechend angesehen, jedoch bislang ausschließlich als experimenteller Forschungsansatz eingeordnet.1

Doppelter Nutzen: Wachheit und Kataplexie

Die S2k-Leitlinie ordnet Pitolisant als eine zentrale pharmakologische Therapieoption bei der Behandlung der übermäßigen Tagesschläfrigkeit ein und ermöglicht dessen Einsatz als Monotherapie bereits in der initialen Behandlung oder in Kombination als Zweitlinientherapie. Bei erwachsenen Patienten*innen mit Narkolepsie kann Pitolisant sowohl zur Behandlung der Tagesschläfrigkeit als auch – bei entsprechender Symptomatik – zur gleichzeitigen Behandlung von Kataplexie eingesetzt werden und stellt damit eine erstliniengerechte Option dar (siehe Abbildung 1). Eine wichtige Neuerung ist die Empfehlung von Pitolisant für die Behandlung von Kindern. Bei Kindern und Jugendlichen kann Wakix® (Pitolisant), neben Modafinil und den Betäubungsmitteln Methylphenidat und Natriumoxybat, initial sowohl bei Tagesschläfrigkeit mit und ohne Kataplexien als Monotherapie eingesetzt oder in Kombination erwogen werden (siehe Abbildung 2).1

Pitolisant wirkt als inverser Agonist am Histamin-H3-Rezeptor und fördert die histaminerge Neurotransmission im ZNS. Damit unterscheidet sich der Wirkstoff mechanistisch von den klassischen empfohlenen Stimulanzien.1 Pitolisant ist zudem nicht als Betäubungsmittel eingestuft.¹


Abbildung 1 modifiziert nach1: Empfohlener Behandlungspfad Pharmakotherapie der Narkolepsie bei Erwachsenen


Abbildung 2 modifiziert nach1: Empfohlener Behandlungspfad Pharmakotherapie der Narkolepsie bei Kindern

Anwendung und Verträglichkeit im Praxisalltag

Pitolisant wird einmal täglich morgens eingenommen und schrittweise auftitriert. Die Leitlinie empfiehlt, die niedrigste wirksame Dosis anzustreben.1 Insbesondere bei Kindern sollte die Wirksamkeit sowie Verträglichkeit von einer medikamentösen Therapie im Verlauf regelmäßig überprüft werden.1

Das Nebenwirkungsprofil wird insgesamt als günstig beschrieben. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen bei Pitolisant zählen Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und gastrointestinale Beschwerden, die meist mild bis moderat ausgeprägt sind.1 Im Vergleich zu Substanzen wie Modafinil, Solriamfetol oder Methylphenidat stehen kardiovaskuläre Effekte wie Blutdruck- oder Herzfrequenzanstiege weniger im Vordergrund.¹

Einordnung im therapeutischen Gesamtkonzept

Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass die medikamentöse Therapie der Narkolepsie symptomorientiert und individualisiert erfolgen soll. Die Auswahl der Substanz soll sich am jeweiligen Symptommuster, an Komorbiditäten sowie an der Verträglichkeit orientieren.¹

Vor diesem Hintergrund kann Wakix® im Rahmen eines individualisierten Therapiekonzepts insbesondere bei Patienten*innen mit behandlungsbedürftiger Tagesschläfrigkeit und/oder Kataplexie erwogen werden.1 Nichtmedikamentöse Maßnahmen wie geplante Kurzschlafphasen bleiben auch unter medikamentöser Therapie ein zentraler Bestandteil des Behandlungskonzepts und sollten weiterhin aktiv adressiert werden.¹

Fazit für die Praxis

Mit der klaren Empfehlung in der aktuellen S2k-Leitlinie ist Pitolisant fest im therapeutischen Algorithmus der Narkolepsie verankert. Für die behandelnden Ärzte*innen kann der Wirkstoff eine leitlinienkonforme, gut steuerbare und im klinischen Alltag relevante Option zur Behandlung zentraler Narkolepsie-Symptome darstellen – insbesondere bei Patienten*innen, bei denen andere wachheitsfördernde Therapien limitiert sind.

Quellen

  1. Kallweit U., Mayer G., Schneider B. et al., Behandlung der Narkolepsie bei Erwachsenen und Kindern, S2k-Leitlinie, 2025, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 06.01.2026)