Nicht Maske für alle, sondern Therapie für jede*n

Die OSA ist h&auml;ufig und folgenschwer.<sup>1</sup> Wie wirksam sind aktuelle Versorgungskonzepte? Dieser Frage widmete sich Experten*innen auf einem Symposium auf dem DGP-Kongress 2025. Das Fazit: Es braucht neue Versorgungswege &ndash; mit Langzeitstrategien, Individualisierung und Telemedizin.

Zu Beginn des Symposiums stellte Holger Wöhrle, Ulm, die epidemiologischen Grundlagen der Versorgung in den Mittelpunkt. Weltweit leiden 936 Millionen Erwachsene an einer milden bis schweren obstruktiven Schlafapnoe (OSA), davon 425 Millionen an einer moderaten bis schweren Ausprägung, Tendenz steigend.1 In Deutschland zeigen Hochrechnungen aus diesen Daten, dass bis zu 14 Millionen Menschen betroffen sein könnten.1

Der Pneumologe hob hervor, dass aber die OSA-Versorgung in Deutschland noch immer auf den Strukturen der 1990er-Jahre basiert – einer Zeit, in der Schlafapnoe als Seltenheit galt. Heute besteht jedoch hoher Polygraphie- und Polysomnographiebedarf mit steigenden Komorbiditätsraten.

Schneller und präziser behandeln

Wöhrle wies zudem auf eine gefährliche Versorgungslücke hin: Zwischen Verdachtsdiagnose, Schlaflaboruntersuchung und wirksamer Therapie vergeht in vielen Regionen zu viel Zeit – mit Auswirkungen auf die Mortalität. Einer Auswertung von Krankenkassendaten zufolge zeigte sich bereits vier Jahre nach Erstdiagnose ein signifikanter Überlebensunterschied in Abhängigkeit von einer adäquaten Behandlung.2

Wichtig sei auch immer, die individuellen Bedürfnisse unter Berücksichtigung aller möglichen Therapieoptionen zu betrachten. Die Versorgung müsse sich stärker an den Prinzipien der Präzisionsmedizin orientieren und gezielt auch Therapiealternativen zur Behandlung mit kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck (CPAP) in den Blick nehmen.

Therapieziele neu definieren

Dr. Christina Lang, Ulm, stellte in ihrem Vortrag genau diesen Aspekt in den Mittelpunkt: Es reicht nicht, lediglich den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) zu senken. Entscheidend ist, dass sich die Lebensqualität der Patienten*innen spürbar verbessert – mit individuellen Therapieansätzen.

Anhand eines Patientenfalls zeigte sie, dass eine initial erfolgreich scheinende CPAP-Therapie sich innerhalb kurzer Zeit doch als unzureichend entpuppen kann. Nach Maskenwechsel und schlaffördernder Medikation verbesserten sich die Symptome, die Tagesschläfrigkeit (EDS) blieb jedoch. Die residuale EDS (rEDS) sei kein Einzelfall: In Registerdaten zeigte 1 von 4 Patienten*innen auch unter CPAP weiterhin relevante Tagesschläfrigkeit.3

Medikamentöse Therapieoptionen bei rEDs

Die Neurologin plädierte dafür, rEDS als ernstzunehmendes Phänomen zu betrachten und wenn indiziert auch symptomatisch mit wachfördernden Substanzen zu behandeln. Im konkreten Fall verordnete Lang Pitolisant (Ozawade®). Pitolisant fördert die Wachheit, in dem es als Antagonist/inverser Agonist des Histamin-H3-Rezeptors fungiert und damit den Histaminspiegel steigert.4 Pitolisant kann auch bei Patienten*innen mit OSA angewendet werden, die durch eine primäre OSA-Therapie, wie z. B. eine CPAP-Beatmung, nicht zufriedenstellend behandelt werden konnten oder wenn eine solche Therapie nicht vertragen wurde.4 Zudem ist nun mit der Erhöhung der Maximaldosis auf 36 mg eine noch flexiblere Einsatzmöglichkeit gegeben.4,5 Zum Abschluss machte die Expertin auf eine geplante nicht-interventionelle Studie zur Anwendung von Ozawade® als ergänzende Therapie zur Standardbehandlung aufmerksam.6

Telemonitoring als Zukunftsmodell

Prof. Dr. Christoph Schöbel, Essen, beleuchtete die strukturellen Herausforderungen in der Schlafmedizin und skizzierte mögliche Lösungsansätze. Auch wenn Fachambulanzen viele Patienten*innen auch langfristig betreuen können, sind diese nicht flächendeckend vorhanden. Und so kommt es häufig vor, dass Patienten*innen ihre CPAP-Therapie abbrechen, ohne, dass die betreuenden Mediziner*innen darüber informiert werden.

Moderne digitale Modelle, wie Telemedizin, bieten laut dem Experten eine echte Chance auf Verbesserung. Große Kohortenanalysen zeigten, dass telemedizinisch begleitete Versorgung die Abbruchraten deutlich senken kann, von 27 % unter Standardversorgung auf unter 20 %. Wenn das Gerät zusätzlich Rückmeldung zur Nutzungsqualität gibt, sogar bis 10 %.7 Mit dem Digital-Gesetz (DigiG) sind nun auch die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um Menschen mit OSA per Telemedizin weitreichend zu versorgen.

OSA-Versorgung im Umbruch – Chancen erkennen und nutzen

Die Inhalte der Vorträge und die lebhaften Diskussionen unter den Experten*innen und Zuhörenden auf dem Symposium von Bioprojet zeigten: Die bisherige OSA-Versorgung wird weder der Krankheitsrealität noch den individuellen Bedürfnissen der Patienten*innen gerecht. Was es braucht, ist ein Paradigmenwechsel, weg von pauschalen Lösungen, hin zu individualisierten, digital unterstützten und langfristig angelegten Konzepten.

Quelle: Symposium Bioprojet Deutschland GmbH: OSA-Therapie - innovative Versorgungsstrategien interaktiv diskutiert, Freitag, 11.04.2025, 11:00 -12:00 Uhr, DGP-Kongress, Leipzig

Quellen

  1. Benjafield et al., Lancet Respir Med. 2019 August; 7(8): 687–698.
  2. Woehrle H. et al., M C98. RISKY BUSINESS: PREDICTING CONSEQUENCES OF OSA. May 1, 2023, A5965-A5965
  3. Bonsignore MR et al., Front. Neurol. 12:690008.
  4. Fachinformation Ozawade® (Stand 10/24)
  5. Dauvelliers Y et al., J Sleep Res. 2024;e14373.
  6. DRKS - Deutsches Register Klinischer Studien (letzter Zugriff 17.04.2025)
  7. Woehrle H et al., ERJ Open Res 2024; 10: 00424-2023