Orexin, Narkolepsie Typ 1 und obstruktive Schlafapnoe: Wie hängt das zusammen?

Neben überlappenden Symptomen wie der exzessiven Tagesschläfrigkeit<sup>1,2</sup>, verbindet die Obstruktive Schlafapnoe (OSA) und Narkolepsie Typ 1 (NT1) ein erhöhtes Komorbiditätsrisiko.<sup>2</sup> Die Prävalenz von OSA bei Menschen mit NT1 ist hoch.<sup>2</sup> Welche Rolle könnte Orexin dabei spielen?

Obwohl die Obstruktive Schlafapnoe (OSA) und Narkolepsie Typ 1 (NT1) unterschiedliche Ursachen haben, ist bei beiden Erkrankungen die Schlaf-Wach-Regulation beeinträchtigt.2 OSA und NT1 weisen ein überlappendes Symptomspektrum auf, wodurch eine Differenzialdiagnose oft erschwert werden kann.1

Hohe Prävalenz von OSA bei NT1

Daten zeigen, dass NT1-Patienten*innen ein erhöhtes Risiko für verschiedene Komorbiditäten aufweisen – darunter Adipositas, Diabetes mellitus, Depression, Schilddrüsenerkrankungen, Bluthochdruck und Essstörungen.1 Sehr häufig kann jedoch eine komorbide OSA auftreten, sowohl zum Zeitpunkt der Erstdiagnose als auch im Verlauf.2 Eine systematische Literaturübersicht von Miano und Kollegen ermittelte bei NT1-Patienten*innen eine OSA-Prävalenz zwischen 24,8 % und 51,4 %.2 Die Forschenden beschreiben einen möglichen bidirektionalen Zusammenhang zwischen der Pathophysiologie der OSA und NT1, der den Verlauf beider Erkrankungen im Kontext eines Orexinmangels wechselseitig negativ beeinflussen könnte2.

Bidirektionaler Zusammenhang

Der Orexinmangel, wie bei NT1 beeinflusst verschiedene hormonelle Regelkreise (z. B. Wachstumshormone, Cortisol, Leptin, Insulin) und führt zu einem gestörtem Sättigungsgefühl, gesteigerter Nahrungsaufnahme und metabolischer Dysregulation.2 Die in Folge häufig auftretende Gewichtszunahme kann zu einer Fettansammlung im Bereich der Zunge und der pharyngealen Weichteile führen.2 Dadurch erhöht sich die Kollapsneigung der oberen Atemwege im Schlaf – ein Mechanismus, der die Entstehung oder Verschlechterung einer OSA begünstigen kann.2

Ein Defizit an Orexin kann u. a. die Aktivierung des Musculus genioglossus, des Kinn-Zungen-Muskels, im Schlaf beeinträchtigen und eine Obstruktion der oberen Atemwege fördern.2

Umgekehrt könnten die durch OSA bedingten chronisch-intermittierenden Hypoxien zu einer Dysregulation des Immunsystems führen und so autoimmunvermittelte Prozesse gegen Orexin-Neuronen auslösen.2 Auf diese Weise könnte OSA auch zur Entwicklung von NT1 beitragen.2

Fallbeispiel: OSA und NT1: Überlappende Symptome, verzögerte Diagnose1

OSA und NT1 können ähnliche Symptomatiken aufweisen, dabei zählt die exzessive Tagesschläfrigkeit (EDS) zu den häufigsten. Dies kann unter anderem zu Fehldiagnosen und zu einer verzögerten Einleitung einer wirksamen Therapie führen.

Beispiele dafür sind zwei ähnliche Patientenfälle, die in einer aktuellen Veröffentlichung dargestellt werden. Die beiden männlichen Patienten stellten sich mit typischen OSA-Symptomen vor (lautes Schnarchen, beobachtete Apnoen, ausgeprägte EDS) und erhielten zunächst eine CPAP-Therapie. Trotz adäquater Einstellung berichteten beide weiterhin über Tagesschläfrigkeit (residuale EDS) sowie im weiteren Patientengespräch über auftretende Kataplexien, Schlafparalyse und lebhafte Träume.

Die Polysomnographie (PSG) bestätigte eine milde bis moderate OSA. Im Multiplen Schlaflatenztest (MSLT) zeigten sich zusätzlich eine mittlere Einschlaflatenzen unter 5 Minuten sowie multiple Sleep-Onset-REM-Phasen (SOREMPs). In Kombination mit der Kataplexie-Symptomatik wurde bei beiden Patienten eine NT1 diagnostiziert.

Unter zusätzlicher medikamentöser Therapie der NT1 und Fortführung der CPAP-Behandlung kam es zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik und Lebensqualität.

Hier können Sie die ausführlichen Fallberichte lesen.

Orexinmangel auch bei OSA?

Bereits vor rund 20 Jahren legten Studienergebnisse nahe, dass der Orexin-A-(OXA)-Plasmaspiegel bei OSA-Patienten*innen reduziert sein kann.3,4 Eine chinesische Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen OXA-Plasmaspiegeln (tagsüber und nachts) bei 106 Patienten*innen mit OSA im Vergleich zu einer Kontrollgruppe.5 Die Subgruppen-Analyse nach OSA-Schweregrad zeigte einen signifikanten Rückgang der OXA-Konzentrationen im Tagesplasma mit zunehmendem Schweregrad.5 Auch nachts lagen die OXA-Werte bei Patienten*innen mit leichter OSA deutlich höher als bei Probanden*innen mit moderater oder schwerer OSA.5 Die OXA-Werte korrelierten negativ mit dem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) und dem Ausmaß der nächtlichen Hypoxie.5 Als mögliche Erklärung diskutierten Zhu et al. eine chronische Hypoxämie und sympathische Überaktivität bei mittelschwerer und schwerer OSA, die zur Erschöpfung orexinerger Neurone führt und die OXA-Sekretion reduziert.5

Weitere Forschung

Zwischen OSA und Narkolepsie Typ 1 scheint ein wechselseitiger Zusammenhang zu bestehen, der möglicherweise über das Orexinsystem vermittelt wird.2 Der Orexinmangel bei NT1 könnte die Entstehung und Verschlechterung einer OSA begünstigen, während OSA das bereits geschwächte Orexinsystem weiter beeinträchtigen könnte.2,5 Dass dieser Zusammenhang bei Narkolepsie Typ 2 – ohne nachweisbares Orexindefizit– deutlich seltener beschrieben wird, könnte diese Annahme stützen.2 Die genauen Mechanismen sind jedoch bislang nicht abschließend geklärt und bedürfen weiterer Forschung.

Quellen

  1. Zou S. et al., Case Report: Narcolepsy patients masked behind obstructive sleep apnea syndrome (OSAS): report of 2 cases and literature review. Front. Neurosci. 2025; 19:1563912.
  2. Miano S et al., Comorbidity of obstructive sleep apnea and narcolepsy: A Challenging Diagnosis and Complex Management. Sleep Med X. 2024;8:100126
  3. Sakurai S et al., Low plasma orexin-A levels were improved by continuous positive airway pressure treatment in patients with severe obstructive sleep apnea-hypopnea syndrome. Chest. 2005;127(3):731-7
  4. Busquets X. et al., A. Decreased plasma levels of orexin-A in sleep apnea. Respiration. 2004;71(6):575-9
  5. Zhu J et al., Associations between daytime and nighttime plasma orexin A levels and cognitive function in patients with obstructive sleep apnea. Sleep Biol Rhythms. 2022;28;20(3):421-429