Overlap-Syndrom mit Folgen

Neben der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) z&auml;hlt die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) mit einer weltweit gesch&auml;tzten Pr&auml;valenz von 6,8 % bis 11,7 % zu den h&auml;ufigsten Atemwegserkrankungen.<sup>1</sup>&nbsp;Wenn beide Erkrankungen gemeinsam auftreten, erh&ouml;ht sich das Risiko von Komorbidit&auml;ten.<sup>1</sup>

Die OSA ist gekennzeichnet durch Unterbrechungen des Luftstroms während des Schlafs, verursacht durch Kollapse der oberen Atemwege, die zu einer niedrigen Sauerstoffsättigung und Wachmomenten bei Betroffenen führen.2 Die neurokognitiven Auswirkungen umfassen Tagesmüdigkeit bzw. Tagesschläfrigkeit, ein erhöhtes Demenzrisiko und verursachen eine verminderte Lebensqualität.2,3 Apnoen und Hypopnoen können zu Hypoxämie, Hyperkapnie, oxidativem Stress und chronischen Entzündungen führen, was kardiometabolische Folgen haben kann.2 

Der fortschreitende Verlauf der COPD führt zu einer zunehmenden Beeinträchtigung des Luftstroms.1 Die Veränderungen in der Lungenmechanik manifestieren sich in Symptomen wie Atemnot, Husten und chronischem Auswurf, die zu den wichtigsten COPD-Symptomen zählen.1 Aufgrund der chronisch systemischen Entzündung sind bei COPD Herz-Kreislauf-, Skelett- und Ernährungsstörungen, Haltungsschäden, ein erhöhtes Sturzrisiko zu verzeichnen. Zudem zeigen sich auch bei COPD-Patienten*innen Schlafstörungen, wie eine längere Einschlafzeit, verkürzte Gesamtschlafdauer und häufigeres Erwachen.4 Diese Störungen können zudem zu vermehrter Tagesschläfrigkeit, häufigeren Exazerbationen und einem erhöhten Sterberisiko führen.1 

Die Überlappung von COPD und OSA

COPD und OSA gehören zu den häufigsten Atemwegserkrankungen in der medizinischen Praxis. Wenn Patienten*innen unter beiden Krankheiten leiden, spricht man von einem Overlap-Syndrom. Eine Studie hat anhand von Abrechnungsdaten aus den Jahren 2017-2020 die Prävalenz bei über 40 Millionen Erwachsenen ab 40 Jahren in Deutschland untersucht. Bei 6,4 % der gesamten Studienpopulation wurde COPD und bei 3 % OSA diagnostiziert5. Bei rund 10 % der COPD-Patienten*innen und 20 % der OSA-Patienten*innen trat ein Overlap-Syndrom auf.5 

Drei Phänotypen identifiziert

Um ein genaueres Bild zu bekommen, wie und ob sich das Patientenbild von Menschen mit COPD, OSA oder Overlap-Syndrom unterscheiden, hatte sich eine aktuelle Studie das Ziel gesetzt differenzierbare Phänotypen zu identifizieren.6 Hierzu wurden 308 Patienten*innen mit COPD (N = 105), OSA (N=108) und Overlap-Syndrom (N = 95), prospektiv mit einer Kombination aus Körperformmessungen und multidimensionalen Fragebögen zu Schlaf, Müdigkeit, Depression und respiratorischen Symptomen untersucht.6 Komorbiditäten und Medikationen wurden von den Ärzten*innen bestätigt.6 Die Ergebnisse zur Körperform stehen im Einklang mit einigen Ergebnissen aus früheren Studien, die zeigten, dass das Overlap-Syndrom im Wesentlichen bei Menschen mit einem fettleibigen kardiometabolischen COPD-Phänotyp auftritt:6

Die drei Phänotypen nach Coiffier et al. 20246:

OSA-Patienten*innen:

  • runde Statur mit einem ausgewogenen Verhältnis von Taille zu Hüfte
  • häufige Apnoen, Nykturie, Tagesschläfrigkeit, Depression und hoher diastolischer Blutdruck

COPD-Patienten*innen:

  • dünnere Körperform mit einem hohen Taille-Hüfte-Verhältnis
  • hauptsächlich Müdigkeit und höhere Ruheherzfrequenz

Overlap-Syndrom-Patienten*innen:

  • runde Form mit einem ausgewogenen Verhältnis von Taille zu Hüfte
  • wenig Schläfrigkeit und Depressionen, gestörter Schlaf und höchste Rate an kardiometabolischen Komorbiditäten

Pathophysiologisch zeigen Patienten*innen mit OSA oder COPD während des Schlafs je nach Schweregrad der Erkrankung unterschiedliche Grade von Hypoxämie und/oder Hyperkapnie. Diese treten verstärkt auf, wenn beide Erkrankungen bei Patienten*innen koexistieren – auch tagsüber.1 Diese pathophysiologischen Phänomene und gemeinsamen Risikofaktoren (z. B. Übergewicht, Tabakrauchen) könnten die höhere Inzidenz von Komorbiditäten bei Overlap-Syndrom-Patienten*innen erklären.1 

Die Relevanz von Begleiterkrankungen beim Overlap-Syndrom

Denn Forschungsdaten deuten darauf hin, dass Patienten*innen mit Overlap-Syndrom eine höhere Belastung durch Komorbiditäten haben, als Personen, die entweder an OSA oder COPD leiden.2,6 Das gleichzeitige Vorhandensein von mehreren Krankheiten (mindestens vier) wurde bei Overlap-Syndrom-Patienten*innen häufiger festgestellt als bei OSA-Patienten*innen (29 % vs. 10,5 %).2 Sowohl COPD als auch OSA können zu lokalen und systemischen Entzündungen führen, die mit oxidativem Stress verbunden sind, die zu steigender kardiovaskulärer Morbidität führen kann.6 Das Overlap-Syndrom ist mit einer noch höheren Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) und Sterblichkeit verbunden, verglichen mit einer der beiden Erkrankungen allein.6 

Abgesehen von CVD waren die häufigsten Begleiterkrankungen bei Overlap-Syndrom Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Dyslipidämie und Depression.1 Zudem haben Overlap-Syndrom-Patienten*innen im Vergleich zu COPD- oder reinen OSA-Patienten*innen ein erhöhtes Risiko, gleichzeitig an pulmonalen Thromboembolien, Hyperkapnie, und/oder respiratorischem Versagen zu leiden.1 

Kontinuierliches Screening notwendig

Der genaue pathophysiologische Zusammenhang zwischen COPD und OSA ist bisher nicht eindeutig geklärt.5 Dennoch tritt das Overlap-Syndrom relativ häufig auf.5 Eine konsequente Erfassung der Krankengeschichte und eine schnelle Diagnose der jeweils anderen Erkrankung durch weiterführende Untersuchungen sind daher zu begrüßen, da eine entsprechende Therapie (z. B. eine positive Überdrucktherapie PAP) die Prognose positiv beeinflussen kann.5,6 Die neuen Daten, die unterschiedliche Körperformen, Symptome und Komorbiditätsprofile bei Patienten*innen mit OSA, COPD und Overlap-Syndrom identifizieren konnten, sind hierfür ein erster Schritt.

Quellen

  1. Voulgaris, A. et al., Is COPD the Determinant Factor for Myocardial Injury and CardiacWall Stress in OSA Patients? Medicina 2023; 59: 1759. https://doi.org/10.3390/medicina59101759
  2. Czerwaty, K et al., The Overlap Syndrome of Obstructive Sleep Apnea and Chronic Obstructive Pulmonary Disease: A Systematic Review. Biomedicines 2023; 11(1), 16; https://doi.org/10.3390/biomedicines11010016
  3. Schlafapnoe könnte Risiko auf Krebs, Demenz und Venenthrombosen erhöhen aerzteblatt.de (abgerufen am 29.04.2024)
  4. de Censo CM et al., Postural balance in COPD with obstructive sleep apnoea: a crosssectional study. ERJ Open Res 2024; 10: 00948-2023
    https://doi.org/10.1183/23120541.00948-2023
  5. Khalaf, M. et al., Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und obstruktive Schlafapnoe (OSA) – Prävalenz des COPD-OSA-Overlap Syndroms in Deutschland seit 2017 Somnologie 2023;27:280-289 https://doi.org/10.1007/s11818-023-00409-4
  6. Coiffier, O. et al., Multidimensional phenotyping to distinguish among distinct obstructive sleep apnea, chronic obstructive pulmonary disease, and overlap syndrome phenotypes. Sleep Medicine 2024;19: 281-288
    https://doi.org/10.1016/j.sleep.2024.04.038