Relevante Fragebögen bei Narkolepsie und OSA: Ein Überblick
Welche Fragebögen helfen bei der Einschätzung von schlafbezogenen Beschwerden bei Tagesschläfrigkeit, Narkolepsie und obstruktiver Schlafapnoe? Ein kompakter Überblick über etablierte Instrumente für Praxis und klinische Forschung – von ESS und SNS bis STOP-Bang und PSQI.
Schlafbezogene Beschwerden sind vielfältig. Fragebögen können dabei helfen, Symptome systematisch zu erfassen, den Verdacht auf eine bestimmte Schlafstörung zu festigen und die Wirksamkeit von Therapien zu dokumentieren. Gerade bei exzessiver Tagesschläfrigkeit (EDS), Narkolepsie und obstruktiver Schlafapnoe (OSA) werden in Studien und im klinischen Alltag verschiedene standardisierte Instrumente eingesetzt. Die wichtigsten Fragebögen hier nun im Überblick:
Epworth Sleepiness Scale (ESS)1
Die ESS dient der Erfassung der subjektiven Tagesschläfrigkeit und wird standardmäßig eingesetzt. Anhand von acht Fragen, die innerhalb weniger Minuten von Patienten*innen selbst ausgefüllt werden, wird auf einer 4-Punkte-Skala (0 – 3) eingeschätzt, wie wahrscheinlich es ist, in acht unterschiedlichen Alltagssituationen einzunicken oder einzuschlafen. Der Gesamtwert reicht dabei von 0 bis 24 – je höher der Score, desto ausgeprägter ist die durchschnittliche Tagesschläfrigkeit. Der Fragebogen ist in verschiedenen Sprachen erhältlich; bei entsprechenden Portalen ist ggf. nach Registrierung ein Download möglich.*,2
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Epworth Sleepiness Scale – Alternative Version (ESS-ALT)3
Die ESS wurde weiterentwickelt, um Tagesschläfrigkeit bei Erwachsenen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, insbesondere bei älteren und multimorbiden Personen, besser erfassen zu können. Dafür wurden zwei der ursprünglichen Fragen der ESS umformuliert und durch alltagsnähere Situationen ersetzt. Zudem wird die ESS-ALT im Interviewformat durchgeführt. Bei der Validierung zeigte sich, dass die ESS-ALT in bestimmten Personenpopulationen weniger fehlende Antworten und eine bessere Konsistenz bei vergleichbarer Erfassung der Tagesschläfrigkeit gibt. Die Nutzung der ESS-ALT ist für medizinisches Personal kostenlos, allerdings ist dafür bei entsprechenden Portalen eine Anmeldung notwendig.*,2
Pediatric Daytime Sleepiness Scale (PDSS)4
Die PDSS ist ein selbst auszufüllender Fragebogen zur Erfassung von Tagesschläfrigkeit bei Kindern und Jugendlichen. Die Skala umfasst acht Fragen und wurde für Kinder zwischen 11 und 15 Jahren validiert. Ein höherer Score (Gesamtscore zwischen 0 und 32 Punkten) weist auf eine stärkere Tagesschläfrigkeit hin. Die PDSS ist einfach anzuwenden und zeigt gute psychometrische Eigenschaften. In der Originalstudie war eine stärkere Tagesschläfrigkeit unter anderem mit kürzerer Schlafdauer, häufigeren Fehlzeiten und geringerem schulischem Erfolg und Schulvergnügen verbunden. Der Fragebogen ist in verschiedenen Sprachen verfügbar, für seine Nutzung ist eine Lizenz notwendig.*,2
Ullanlinna Narcolepsy Scale (UNS)5
Die UNS, benannt nach dem Ullanlinna Sleep Research Center in Helsinki, wurde speziell zur Erfassung typischer Symptome des narkoleptischen Syndroms entwickelt. Der elfteilige Fragebogen (Gesamtscore 0 bis 44 Punkte) berücksichtigt insbesondere exzessive Tagesschläfrigkeit und Kataplexien und kann damit bei der klinischen Einschätzung eines Narkolepsieverdachts unterstützen und gegenüber anderen Erkrankungen wie Schlafapnoe, Multipler Sklerose oder Epilepsie abgrenzen. Die UNS ist in sieben Sprachen verfügbar und urheberrechtlich geschützt.*,2
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Swiss Narcolepsy Scale (SNS)6
Die SNS, entwickelt von den Schweizer Ärzten und Schlafforschern C. Sturzenegger und C. Basseti, ist ein selbstauszufüllender Fragebogen mit fünf Fragen zur Unterstützung der Unterscheidung von Narkolepsie und anderen Ursachen einer Tagesschläfrigkeit. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Schlafsymptome und typische kataplektische Phänomene. Die Fragen (Q1 bis Q5) werden von 1 („nie“) bis 5 („fast immer“) beantwortet und basierend auf der Formel (6 × Q1) + (9 × Q2) – (5 × Q3) – (11 × Q4) – (13 × Q5) + 20 berechnet. Ein Wert unter 0 spricht stark für eine Narkolepsie mit Kataplexie. Der Fragebogen ist kostenlos nutzbar.*,7
STOP-Bang8
Der 2008 in Toronto entwickelte und häufig genutzte STOP-Bang-Fragebogen dient der Einschätzung des Risikos für eine obstruktive Schlafapnoe (OSA). Die acht Kriterien umfassen Schnarchen, Tagesmüdigkeit, beobachtete Atemaussetzer und Hypertonie (STOP) sowie BMI, Alter, Halsumfang und Geschlecht (Bang). Je nach Punktzahl lässt sich das Risiko für eine OSA als niedrig, intermediär oder hoch einschätzen. Der Fragebogen ist frei zugänglich und darf von medizinischem Personal sowie von Privatpersonen kostenfrei verwendet werden.*
Berlin Questionnaire9
Der Berlin Questionnaire ist ein weiteres Screening-Instrument für das Risiko einer schlafbezogenen Atmungsstörung bzw. OSA. Er wird selbstständig ausgefüllt und erfasst drei Bereiche: Schnarchen, Tagesschläfrigkeit sowie Hypertonie bzw. Adipositas. Sind mindestens zwei der drei Kategorien positiv, gilt die Wahrscheinlichkeit für eine schlafbezogene Atmungsstörung als erhöht. Der Score gilt jedoch nicht unbedingt als zuverlässig und wird daher eher selten eingesetzt.10 Der Fragebogen ist urheberrechtlich geschützt und eine Nutzung erfordert eine Genehmigung.*,11
Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI)12
Der PSQI erfasst die subjektive Schlafqualität und Schlafstörungen retrospektiv über einen Zeitraum von vier Wochen. Die 19 selbst zu beantwortenden Items werden zu sieben Komponenten zusammengefasst, darunter Schlafqualität, Einschlaflatenz, Schlafdauer, Schlafeffizienz, Schlafstörungen, Schlafmittelgebrauch und Beeinträchtigungen am Tag. Daraus wird ein globaler PSQI-Gesamtscore von 0 – 21 Punkten berechnet. Je höher der Score, desto schlechter die Schlafqualität. Der PSQI wurde 1989 entwickelt und seitdem in tausenden klinischen Studien eingesetzt. Er gilt damit als das gängigste subjektive Instrument zur Erfassung der subjektiven Schlafqualität.13 Für die Nutzung des PSQI ist eine Anmeldung bei entsprechenden Portalen notwendig.*,2
Scores zur Erfassung der Lebensqualität
Zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Narkolepsie werden am häufigsten der SF-36 (36-Item Short-Form Health Survey) und der EQ-5D (EuroQol Five-Dimensions Questionnaire) eingesetzt. Der SF-36 ist ein allgemeiner Fragebogen mit 36 Fragen, welcher die körperliche und psychische Lebensqualität in acht Dimensionen wie z. B. körperliche und soziale Funktionsfähigkeit, Schmerzen und Wohlbefinden erfragt. Der EQ-5D ist mit nur fünf Fragen deutlich kompakter und erfasst die Gesundheit am aktuellen Tag. Der EQ-5D ist in unterschiedlichen Sprachen verfügbar und über die offizielle Webseite der EuroQoL Research Foundation für die nichtkommerzielle Nutzung kostenlos verfügbar.14 Der SF-36 ist in zahlreichen Sprachen verfügbar und unterliegt dem Urheberrecht. Dieser wird von einigen Institutionen als PDF zur Verfügung gestellt.*
Fazit
Ob Narkolepsie, OSA oder Schlafqualität im Vordergrund stehen: Die Auswahl des Fragebogens sollte sich an der konkreten klinischen Fragestellung orientieren. In der Praxis liefern die Instrumente wichtige strukturierte Informationen – die definitive Diagnose einer Schlafstörung erfordert jedoch immer die Einordnung in Anamnese, klinischen Befund und gegebenenfalls schlafmedizinische Untersuchungen.
Auf verschiedenen Seiten, wie z. B. des Mapi Research Trust, können nach Registrierung zahlreiche Scores heruntergeladen werden.*
*Bitte achten Sie beim Download und ggf. bei der Vervielfältigung darauf, keine Lizenzrechte zu verletzen.
- The Epworth Sleepiness Scale. https://epworthsleepinessscale.com/about-the-ess/ (zuletzt abgerufen am 10.08.2026).
- Mapi Research Trust. 2026. https://eprovide.mapi-trust.org/advanced-search (zuletzt abgerufen am 13.08.2026).
- Gronewold J, et al. Gerontology. 2021;67(1):49-59.
- Drake C, et al. Sleep. 2003;26(4):455-458.
- Hublin C, et al. J Sleep Res. 1994;3(1):52-59.
- Sturzenegger C, et al. Clinical and Translational Neuroscience. 2018;2:2514183X1879417.
- Morse AM. Med Sci (Basel). 2019;7(12).
- Chung F, Abdullah HR, Liao P. Chest. 2016;149(3):631-638.
- Tan A, et al. J Clin Sleep Med. 2017;13(3):427-432.
- Khaledi-Paveh B, et al. Basic Clin Neurosci. 2016;7(1):43-48.
- Amercian Thoracic Society. 2022. https://site.thoracic.org/assemblies/srn/sleep-related-questionnaires/berlin-questionnaire (zuletzt abgerufen am 13.08.2026).
- Buysse DJ, et al. Psychiatry Res. 1989;28(2):193-213.
- Carpi M. Occup Med (Lond). 2025;75(1):14-15.
- EuroQoL Research Foundation. 2025. https://euroqol-domain.ams3.digitaloceanspaces.com/wp-content/uploads/2025/08/04151716/EQ-5D-User-License-Policy-01AUG25.pdf (zuletzt abgerufen am 13.08.2026).
DE-2026-76-OZA