Residuale Tagesschläfrigkeit bei obstruktiver Schlafapnoe

Schlafst&ouml;rungen betreffen Millionen Menschen in Europa und sind gesundheitlich wie &ouml;konomisch hochrelevant.<sup>1</sup> Unter den Ursachen hat die OSA die h&ouml;chste Pr&auml;valenz.<sup>1</sup> Trotz CPAP-Therapie kann eine residuale exzessive Tagesschl&auml;frigkeit bestehen bleiben und Betroffene stark belasten.

Der World Sleep Day bzw. Welt-Schlaf-Tag lenkt den Blick auf Schlaf als zentrale Säule körperlicher und mentaler Gesundheit. Aktuelle europäische Analysen aus 47 Ländern verdeutlichen die Dimension: Schlafstörungen betreffen etwa 20–30 % der Bevölkerung.1 Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) betrifft in Europa rund 18 % der erwachsenen Bevölkerung und ist damit eine der häufigsten Ursachen, wenn es um Schlafstörungen geht.1

Auch die ökonomische Last ist erheblich: Für das Jahr 2019 werden die gesamtgesellschaftlichen Kosten schlafbezogener Erkrankungen in europäischen Ländern mit hohem mittleren Einkommen auf rund 423 Mrd. € geschätzt – etwa 3 % des kumulierten Bruttoinlandsprodukts.1 Die OSA verursacht mit 184 Mrd. € den größten Anteil.1 Neben den direkten medizinischen Kosten, tragen indirekte Produktivitätsverluste (52 %) maßgeblich zur Gesamtbelastung bei.1 Diese Zahlen unterstreichen, dass Schlafstörungen kein Randthema sind, sondern ein relevantes Versorgungs- und Gesundheitsökonomiethema.

Schläfrig trotz CPAP

Trotz leitliniengerechter CPAP (Continuous Positive Airway Pressure)-Therapie berichten etwa 10 % der OSA-Patienten*innen weiterhin über eine residuale exzessive Tagesschläfrigkeit (rEDS).2 Pathophysiologisch kann die intermittierende Hypoxämie und Schlaffragmentierung bei OSA zu sympathischer Aktivierung, oxidativem Stress und neuroinflammatorischen Prozessen führen.3 Eine Studie konnte aufzeigen, dass strukturelle Veränderungen der weißen Substanz mit dem Ausmaß subjektiver Schläfrigkeit bei Patienten*innen unter CPAP korrelieren kann.4

Im Alltag zeigt sich rEDS nicht nur als „Müdigkeit“ sondern als relevante funktionelle Einschränkung. Neben Konzentrationsstörungen und verminderter Leistungsfähigkeit kann plötzliches Einschlafen auch eine erhöhte Unfallgefährdung bedeuten.2 Außerdem prägen psychosoziale Belastungen das klinische Bild.2

Angesichts der hohen indirekten Kosten der OSA, insbesondere durch Produktivitätsverluste, kann die Tagesschläfrigkeit damit auch eine deutliche gesundheitsökonomische Relevanz bedeuten.1

Pitolisant: Histaminerger Ansatz mit Langzeitdaten über ein Jahr

Ozawade® (Pitolisant) ist ein selektiver Histamin-H3-Rezeptorantagonist/-inverser Agonist und verstärkt die histaminerge Neurotransmission im Wachheitsnetzwerk des Gehirns. Pitolisant zeigt kein bekanntes Abhängigkeitspotenzial.5

In einer randomisierten Studie sowie in einer 12-monatigen Verlängerungsuntersuchung konnte Pitolisant bei OSA-Patienten*innen mit rEDS – unabhängig von einer CPAP-Therapie – eine klinisch relevante und anhaltende Reduktion des ESS erzielen (mittlere Reduktion −8 Punkte nach einem Jahr).6 Zusätzlich zeigte sich ein stabiles Sicherheitsprofil v. a. im Kontext kardiologischer Ereignisse.6* Damit stellt Ozawade® eine evidenzbasierte Option dar, wenn trotz optimierter CPAP-Therapie eine relevante Tagesschläfrigkeit auftritt.

Tagesschläfrigkeit vs. Tagesmüdigkeit

Tagesschläfrigkeit (exzessive Tagesschläfrigkeit, EDS) beschreibt einen gesteigerten Schlafdruck mit erhöhter Einschlafneigung bis hin zu unwillkürlichem Einnicken in inadäquaten Situationen; sie ist objektivierbar mittels Epworth Sleepiness Scale (ESS ≥10) und Multiple Sleep Latency Test (MSLT ≤10 Minuten).7 Tagesmüdigkeit hingegen meint primär eine subjektive körperliche Erschöpfung ohne ausgeprägte Einschlafneigung. Körperliche Aktivität verschlechtert typischerweise die Symptomatik und objektive Messverfahren existieren aktuell nicht, die Erfassung könnte ggf. mittels Fatigue Severity Scale (FSS >4) erfolgen.7

Die Epworth-Schläfrigkeitsskala (ESS) ist ein einfaches und zuverlässiges Instrument, um eine exzessive Tagesschläfrigkeit festzustellen.

* Kein signifikanter Einfluss auf kardiovaskuläre Parameter wie Blutdruck und Herzfrequenz im Vergleich zu Placebo6

Quellen

  1. Bassetti CLA et al. Eur J Neurol. 2026;33:e70463
  2. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen – Schlafbezogene Atmungsstörungen“. Aktualisierung 2020
  3. Baril AA et al. Curr Neurol Neurosci Rep. 2021;21:11
  4. Xiong Y et al. J Magn Reson Imaging. 2017;45(5):1371–1378
  5. Fachinformation Ozawade
  6. Pépin JL et al. Chest. 2024;165(3):692–703
  7. Dietmann A et al. Swiss Medical Forum. 2019;19(19–20):319–324