Schlaf und OSA bei Frauen – Gibt es Unterschiede?
Schnarchen und Übergewicht – dieser Phänotyp gilt als der typische OSA-Patient.<sup>1</sup> Bei den OSA-Patientinnen ist diese Beschreibung allerdings nicht immer zutreffend, weshalb Frauen unterdiagnostiziert sind.<sup>2</sup> Herrscht eine Lücke in der Versorgung von OSA-Patientinnen?
Unterschiede zeigen sich schon im Schlaf
Es gibt messbare Unterschiede in den Schlafphasen zwischen Frauen und Männern. Frauen haben eine verlängerte Einschlaflatenz, mehr Tiefschlafphasen sowie frühere Wach- und Einschlafzeiten, die sich im Alter ausgleichen. Sie schlafen effizienter mit weniger Wachphasen und längerer Schlafdauer. Dennoch haben sie eine subjektiv schlechtere Schlafqualität und ein um 40 % höheres Risiko an Insomnie zu leiden. Es gibt Hinweise darauf, dass Frauen eher zu zirkadianen Rhythmen neigen, und daher früher zu Bett gehen und länger schlafen sollten. Auch exogene Faktoren, wie beispielsweise die Kindsversorgung, die immer noch häufig in der Verantwortung der Mutter liegt, tragen zu einer schlechten Schlafqualität bei.1
Immer die Hormone
Die Schlafprobleme und Unterschiede zeigen sich meist ab der Pubertät und werden bei Frauen und Mädchen mit der ersten Menstruation und den damit verbundenen hormonellen Schwankungen in Verbindung gebracht.1
In der reproduktiven Lebensphase leiden 3–8 % der Frauen an einer Insomnie während der Menstruation. Während der Schwangerschaft geben 58 % an, schlecht zu schlafen, wobei die Prävalenz einer Schlaflosigkeit im letzten Trimester auf über 40 % ansteigt, was sich negativ auf die Geburt auswirken kann. Auch postpartal leiden 30 % der Frauen an insomnischen Störungen, die auch durch das Schlafverhalten des Neugeborenen und den Hormonstatus bedingt sind. Diese Schlafineffizienz erhöht das Risiko für postpartale Depressionen. Auch die Menopause kann zu einer Veränderung des Schlafes führen: Am Anfang der Menopause leiden bis zu 60 % der Patientinnen unter Schlafstörungen bzw. Schlaflosigkeit. Ein wichtiger Grund hierfür sind Hitzewallungen während der Nacht. In der Menopause steigt auch das Risiko für eine weitere Schlaferkrankung an – damit auch das Risiko an einer OSA zu erkranken.1
OSA mehr als schlechter Schlaf
Neuere Forschungsergebnisse zur Prävalenz der OSA in Deutschland zeigen, dass durchschnittlich 30 % der erwachsenen Männer und 13 % der erwachsenen Frauen betroffen sind. Als Kriterium für diese Untersuchung wurde eine Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von mindestens 15 pro Stunde herangezogen.3 Trotz dieser Ergebnisse bleibt eine Frage jedoch ungeklärt: Doch gibt es eine Dunkelziffer? In einer britischen Studie wurden von 4.962 Männern und 5.892 Frauen Informationen zu Schnarchen, exzessiver Tagesschläfrigkeit (EDS), BMI und somatischen Erkrankungen zu Beginn der Studie (1999–2001) und zur Nachbeobachtung (2010–2012) erhoben.2 Bei der Nachuntersuchung wurden die Teilnehmenden gefragt, ob bei ihnen eine Schlafapnoe diagnostiziert und/oder behandelt wurde. Die Auswertung zeigt, dass Frauen mit OSA-Symptomen seltener wegen Schlafapnoe diagnostiziert und behandelt wurden als Männer.2 Die Autoren der Studie erklären den geringeren Prozentsatz der Frauen, bei denen die Schlafapnoe diagnostiziert wurde, damit, dass die Frauen zwar an ein Schlaflabor überwiesen wurden, aber einen Apnoe-Hypopnoe-Index unter dem Cut-off-Punkt aufwiesen.2
Atypische Symptome: Diagnose wird erschwert
Weitere Gründe für die Unterdiagnose bei der OSA bei Frauen könnten die oft unspezifischen Symptome wie Schlaflosigkeit, Restless-Legs-Syndrom (RLS), Depressionen, Albträume, Herzklopfen und Halluzinationen sein.4 Frauen haben seltener einen Epworth Sleepiness Scale (ESS)-Wert von über 10, obwohl sie ähnlich häufig über Schläfrigkeit berichten, zudem klagen weniger über Schnarchen und Atemaussetzer.1,4
In vielen Köpfen herrscht vor allem das Bild des*der typischen OSA-Patienten*in vor, weshalb die oftmals atypischen OSA-Symptome bei Frauen zu einer Unterdiagnose oder Fehldiagnose führen können, da diese Symptome nicht primär mit OSA in Verbindung gebracht werden. Daher ist es wichtig, das Bild des klassischen OSA-Patienten zu einem differenzierten Bild der Ausbildung der Erkrankung bei Männern und Frauen umzuwandeln. Denn die Folgen einer obstruktiven Schlafapnoe können schwerwiegend sein.2
- Schellenberg, M. Geschlechtsspezifische Aspekte in der Schlafmedizin. Z Pneumologie 21, 167–174 (2024). https://doi.org/10.1007/s10405-024-00552-1
- Lindberg E, et al., Women with symptoms of sleep-disordered breathing are less likely to be diagnosed and treated for sleep apnea than men, Sleep Medicine (2017), doi: 10.1016/j.sleep.2017.02.032.
- Fietze I. et al., Prevalence and association analysis of obstructive sleep apnea with gender and age differences - Results of SHIP-Trend. J Sleep Res. 2019;28(5):e12770.
- Theorell-Haglöw, J. et al., Gender differences in obstructive sleep apnoea, insomnia and restless legs syndrome in adults - what do we know? A clinical update. Sleep Medicine Reviews, (2017). S1087079217300618–. doi:10.1016/j.smrv.2017.03.003
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RKI - Journal of Health Monitoring - 12-Monats-Prävalenz der selbstberichteten ärztlich diagnostizierten Depression in Deutschland - Fact sheet - JoHM 3/2017