Setzt Euch in Bewegung

Gewichtsabnahme, mehr Sport und Bewegung im Alltag – gerade zum Start ins neue Jahr ein beliebter Vorsatz. Bei Patienten*innen mit obstruktiver Schlafapnoe empfehlen Experten*innen die Gewichtsabnahme bei Übergewicht/Adipositas begleitend zur Therapie.<sup>1</sup> Auch Sport hat einen positiven Effekt.

Ein Risikofaktor für die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist das Übergewicht.1 Bei Menschen mit Adipositas treten mehrere Mechanismen auf, die eine OSA begünstigen. Dazu gehören ein vermehrtes parapharyngeales Fett, welches den Rachenraum verengt, ein größerer Nackenumfang, viszerale Fettablagerungen, die zu einem Anstieg des Zwerchfells führen und die Lungenfunktion beeinträchtigen können. Es hat sich gezeigt, dass sich bei einer Gewichtsreduktion in der Regel auch die OSA verbessern kann.2 Der Apnoe/Hypopnoe-Index (AHI), der Aufschluss über den Schweregrad der Erkrankung gibt, nimmt dabei ab und gleichzeitig steigt die Wachsamkeit während des Tages an bzw. verringert sich die Tagesschläfrigkeit. Auch eine Remission scheint in einigen Fällen möglich.2

Lebensstiländerung als hehres Ziel

In einer randomisierten klinischen Studie mit 89 spanischen Männern mit mittelschwerer bis schwerer OSA, die übergewichtig oder fettleibig waren und eine CPAP-Therapie (continuous positive airway pressure) erhielten, verbesserte eine achtwöchige interdisziplinäre Intervention zur Gewichtsabnahme und zum Lebensstil den Schweregrad der OSA und andere Ergebnisse im Vergleich zur alleinigen üblichen Behandlung erheblich. Die Interventionen umfasste in dieser Studie eine Ernährungsumstellung mit Tabak- und Alkoholentwöhnung, Sporteinheiten, Verbesserung der Schlafhygiene. Schon nach 8 Wochen benötigten 45 % der Teilnehmer in der Interventionsgruppe keine CPAP-Therapie mehr und nach 6 Monaten sogar 62 % der Teilnehmer.3

Nur die Waage spiegelt den Erfolg?

Keine Gewichtsabnahme trotz Sport? Das stimmt nicht gerade zuversichtlich, wenn der eigene Schweinehund zusätzlich zum Tragen kommt. Aber auch Sporteinheiten allein – sogar ohne Gewichtsabnahme – können einen positiven Effekt auf die Symptomatik von OSA-Patienten*innen haben:

Eine kürzlich durchgeführte systematische Meta-Analyse untersuchte, wie effektiv regelmäßiges Training sein kann: Die Forschenden analysierten 9 randomisierte und kontrollierte Studien mit insgesamt 444 Teilnehmenden, die an obstruktiver Schlafapnoe litten. Bei der Gruppe, die zwischen 2–6-mal pro Woche für 60 Minuten, bei niedriger bis mittlere Intensität Sport betrieb, wurden verschiedene Effekte festgestellt. Der Body Mass Index (BMI), ein Risikofaktor für obstruktive Schlafapnoe, zeigte keine statistisch signifikante Veränderung – die Teilnehmenden hatten somit kein nennenswertes Gewicht verloren.4 Dennoch konnten Verbesserungen des AHIs, der Mindest-Sauerstoffsättigung, der maximalen Sauerstoffaufnahme sowie von verschiedenen Werten zur Beurteilung der Schlafqualität gezeigt werden.4

Bewegung ist auch präventiv

Eine einfache Strategie zur Vorbeugung von Schlafapnoe besteht darin, sich viel zu bewegen und wenig zu sitzen. Dies wurde durch die Auswertung von drei US-amerikanischen Studien (Nurses Health I/II und Health Professionals Follow-up) festgestellt, bei denen insgesamt über zwei Millionen Personenjahre beobachtet wurden. Die ca. 140.000 teilnehmenden Ärzte*innen und Pfleger*innen gaben alle zwei bis vier Jahre Informationen über ihre körperliche Aktivität an. Während des Nachbeobachtungszeitraums entwickelten 8.733 Teilnehmende eine obstruktive Schlafapnoe (OSA).5

Teilnehmende, die pro Woche mehr als 36 MET-Stunden (Körperliche Aktivität in der Freizeit quantifiziert als metabolisches Äquivalent der Aufgabe [MET]-Stunden/Woche) erreichten, reduzierten ihr Risiko für diese Atemstörung um die Hälfte im Vergleich zu ihren weniger aktiven Kollegen*innen mit weniger als 6 MET-Stunden. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass ein hoher Fernsehkonsum ebenfalls negative Auswirkungen hatte: Mehr als 28 Stunden pro Woche erhöhten das OSA-Risiko um 78 % im Vergleich zu Menschen, die weniger als vier Stunden vor dem Fernseher saßen. Wenn sie stattdessen bei der Arbeit oder außerhalb ihres Zuhauses saßen, stieg das Risiko um 49 %. Als möglichen Grund für diesen Zusammenhang vermuten Yue Liu von der Harvard Medical School in Boston und sein Team metabolische Veränderungen wie eine verstärkte Anfälligkeit für Fettleibigkeit.5

Also egal ob zur Verbesserung der OSA-Symptomatik begleitend zu Therapien (z. B. CPAP-Maske), zur OSA-Prävention, zur Förderung der Gesundheit oder nur weil der Hund raus muss: Fernseher, Smartphone oder Tablet aus, Bewegung an – und das nicht nur 2024.

Quellen

  1. S3 Leitlinie: Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörung Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“; Version 2 (Stand 2017)
  2. https://www.aerzteblatt.de/archiv/219458/Obstruktive-Schlafapnoe-Gewichtsabnahme
  3. CarneiroCarneiro--Barrera A. et al.Barrera A. et al.,, Effect of an Interdisciplinary Weight Loss and Lifestyle Effect of an Interdisciplinary Weight Loss and Lifestyle Intervention on Obstructive Sleep Apnea Severity The INTERAPNEA Randomized Intervention on Obstructive Sleep Apnea Severity The INTERAPNEA Randomized Clinical TrialClinical Trial JAMA Network Open. JAMA Network Open. 2022;5(4):e2282122022;5(4):e228212
  4. Peng, J. et alPeng, J. et al..,, Effects of Exercise on Patients with Obstructive Sleep Apnea: A Effects of Exercise on Patients with Obstructive Sleep Apnea: A Systematic Review and MetaSystematic Review and Meta--Analysis. In: Int. J. Environ. Res. Public Health 2022, 19Analysis. In: Int. J. Environ. Res. Public Health 2022, 19
  5. Liu Y et al.Liu Y et al.,, Physical activity, sedentary behavior, and incidence of obstructive sleep Physical activity, sedentary behavior, and incidence of obstructive sleep apnea in three prospective US cohortsEur Resp J 2022; 59apnea in three prospective US cohortsEur Resp J 2022; 59