Wenn heiße Nächte den Schlaf rauben

Der Klimawandel ist allgegenwärtig<sup>1</sup>: Extremwetterereignisse nehmen zu, Hitze belastet besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen.<sup>2-4</sup> Heiße Nächte können Schlafqualität und Schlafrhythmus beeinträchtigen – bei OSA auch die nächtliche Atmung.<sup>5</sup>

Die Natur versucht, sich an die veränderten Klimabedingungen anzupassen: Manche Tiere verlagern ihre Aktivität zunehmend in die Nacht, andere schlafen kürzer oder verändern ihre Ruhe- und Überwinterungsmuster.3 Was in der Natur als Anpassung sichtbar wird, betrifft zunehmend auch den Menschen: Auch er muss sich an steigende Temperaturen, häufigere Hitzewellen und veränderte Umweltbedingungen anpassen.3 Besonders spürbar wird diese Herausforderung in der Nacht: Sogenannte „tropische Nächte“ beeinträchtigen zunehmend Dauer und Qualität des Schlafs.

Abbildung 1: Auswirkungen des Klimawandels auf den Schlaf, modifiziert nach 2.

Schlaf braucht Abkühlung

Schlaf ist eng mit der Regulation der Körpertemperatur verbunden. Kühlt die Umgebung nachts nicht ausreichend ab, kann dies das Einschlafen erschweren und den Schlaf unruhiger machen.2 Höhere Nachttemperaturen über 25° Celsius werden mit kürzerer Schlafdauer, vermehrter Wachheit und reduzierter Schlafqualität in Verbindung gebracht.3 Besonders betroffen sind ältere Menschen, zudem äußern sich die hitzebedingten Schlafprobleme eher bei Frauen als bei Männern.3

Mehr als Hitze

Der Klimawandel beeinflusst Schlaf nicht nur über die Temperatur. Auch Extremwetter, Naturkatastrophen und zivilisationsbedingte Faktoren wie Luftverschmutzung können mit Schlafveränderungen verbunden sein. In einem systematischen Review aus 2025 werden unter anderem Insomnien, Hypersomnien, Parasomnien und schlafbezogene Atmungsstörungen beschrieben.2

Gleichzeitig ist die Datenlage noch begrenzt: Die Studien unterscheiden sich deutlich in Design, Schlafmessung, Klimafaktoren und untersuchten Gruppen.2 Laut den Autoren*innen ist noch weitere Forschung nötig, um Ausmaß, Dauer und Schwere klimabedingter Schlafprobleme besser einzuordnen und präventive sowie personalisierte Maßnahmen gezielter abzuleiten.2

Hitze erhöht Hospitalisierungsraten und Mortalität

Für Patienten*innen mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen ist Hitze mit messbaren Risiken verbunden. In einer US-weiten Untersuchung stieg die Hospitalisierungsrate respiratorischer Patienten*innen bei einem Temperaturanstieg von rund 5,6° Celsius um 4,3 %.4 In Deutschland nahmen die stationären Aufnahmen während der Hitzewelle im Juli 2015 um 22 % zu.4 Für europäische Regionen nördlich der Alpen wird bereits bei 1 °Celsius Erwärmung ein Anstieg der Gesamtmortalität durch respiratorische Erkrankungen um 3–6 % beschrieben, besonders bei älteren und multimorbiden Patienten*innen.4

Vulnerable Patienten*innen gezielt ansprechen

Nicht alle Patienten*innen können sich gleichermaßen an veränderte Klimabedingungen anpassen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, sozioökonomisch benachteiligte Gruppen und Personen mit Vorerkrankungen sowie kleine Kinder.3,5,6 Wer in schlecht isolierten Räumen (vor allem in urbanen Gebieten) lebt, keine ausreichende Verschattung hat oder bereits unter Schlafstörungen oder chronischen Lungenerkrankungen leidet, kann durch heiße Nächte besonders belastet sein.3-5

OSA: Wenn Hitze die Atmung belastet

Besonders relevant kann der Zusammenhang bei Patienten*innen mit obstruktiver Schlafapnoe sein. In einer europäischen Real-World-Analyse wurden nächtliche Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI)-Daten von 67.558 erwachsenen Nutzer*innen eines validierten Unter-Matratzen-Schlafsensors ausgewertet.5 Während nächtlicher Sommerhitzewellen nahm die Prävalenz moderater bis schwerer OSA mit jedem Anstieg der Nachttemperatur um 1 °C um 1,12 % zu.5 Am Höhepunkt der Hitzewelle war das Risiko für moderate bis schwere OSA um 13 % erhöht.5

Als mögliche Erklärungen werden unter anderem hitzebedingte Verhaltensänderungen, Dehydrierung, eine nächtliche Flüssigkeitsverlagerung in Richtung Oberkörper, leichterer und fragmentierter Schlaf sowie eine mögliche Abnahme der CPAP-Adhärenz bei hohen Nachttemperaturen diskutiert.5

Abbildung 2: Länderspezifischer Anstieg der Prävalenz moderater bis schwerer OSA pro 1°C Anstieg der Nachttemperatur während Hitzewellen für Länder mit mehr als 300 Teilnehmenden der Real-World-Analyse. Modifiziert nach 5

Was im Patientengespräch zählt

Ärzte*innen können den Klimawandel nicht im Sprechzimmer lösen. Sie können aber Patienten*innen helfen, heiße Nächte besser zu überstehen:

Hitzeschutz immer relevanter in der schlafmedizinischen Praxis

Der Klimawandel kommt auch im Schlaf an. Die bisherige Evidenz zeigt, dass Hitze, Extremwetter und Luftverschmutzung mit veränderter Schlafqualität bzw. veränderten Schlafmustern verbunden sein können; zugleich muss die Datenlage für einzelne Klimafaktoren, Patientengruppen und Langzeitfolgen weiter ausgebaut werden.2,3 Für die Versorgung ist auch entscheidend, Hitze als relevanten Risikofaktor zu berücksichtigen: Bei Patienten*innen mit chronischen Lungenerkrankungen steigt unter Hitzebelastung das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko.4 Gerade bei OSA zeigten aktuelle Real-World-Daten, dass nächtliche Hitzewellen die Krankheitslast erhöhen können.5 Damit wird Hitzeschutz auch zu einem schlafmedizinischen und pneumologischen Beratungsthema.

Quellen

  1. IPCC, 2023: Summary for Policymakers. In: Climate Change 2023: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II and III to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Core Writing Team, H. Lee and J. Romero (eds.)]. IPCC, Genf, Schweiz, S:1-34.
  2. Büttner-Teleagă A, Kim YT., Somnologie 2025;29:156–167.
  3. Richter K et al., Somnologie 2025;29:149–155.
  4. Witt C, Liebers U. PneumoNews 2023;15(2):38–45.
  5. Pinilla L et al. European Respiratory Journal 2025;66:2501631.
  6. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Empfehlungen bei Hitze. Klima Mensch Gesundheit. https://www.klima-mensch-gesundheit.de/hitzeschutz/empfehlungen-bei-hitze (abgerufen am 13.07.26)
  7. Umweltbundesamt. Das können Sie im Sommer für kühle Räume tun. https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/gegen-die-hitze-das-koennen-sie-im-sommer-fuer (abgerufen am 13.07.2026)
  8. Kassenärztliche Bundesvereinigung. Patienteninformation Hitze und Gesundheit. https://www.kbv.de/praxis/praxisfuehrung/hitzeschutz (abgerufen am 13.07.2026)