Mammakarzinom: Über Chancen der Komplementärmedizin und Beratung

Überleben reicht nicht

Thema Nummer 1: "Leben im Mittelpunkt, was lässt sich stärkend tun?"

Um die klassische Schulmedizin herum gibt es viele Ideen, bei denen es um komplementäre Maßnahmen zur Stärkung von Brustkrebspatientinnen geht. Prof. Janni fasste die Erkenntnisse einer Sitzung darüber zusammen. Zunächst sprach dort Annette Rexrodt von Fiercks, Autorin und Gründerin einer Stiftung zur Unterstützung von Brustkrebspatientinnen, über die Rehaeinrichtung für Mütter mit Brustkrebs und Kind in Grömitz. Motto: "Gemeinsam gesund werden". Für erkrankte Mütter bedeute der Stress der Krankheit noch einmal eine ganz andere Dimension. Man muss den Brustkrebs eben nicht nur überleben, sondern lernen, mit ihm zu leben oder ihn zu durchleben, wie Frau Rexrodt von Fiercks, die selbst Betroffene ist, es ausdrückt.

Sport verbessert die Prognosen

Auf derselben Sitzung trat der Sportmediziner Dr. Freerk Baumann auf. Er ist von der Sporthochschule Köln in die internistische Onkologie an der Universität Köln gewechselt. Ihm ging es um die körperliche Aktivität bei Krebs. Er ist überzeugt, dass 40 Prozent aller bösartigen Erkrankungen durch eine Änderung des Lebensstils verhindert werden könnten. Bei Brustkrebs ist das nicht neu. Bekannt ist, dass Frauen in asiatischen Ländern lange Zeit keinen Brustkrebs hatten. Seit sich z.B. China dem westlichen Lebensstil annähert, steigt dort die Inzidenz rapide an. Also muss die Krankheit mit dem Lebensstil zusammenhängen. Man weiß nur zu wenig über die Gründe.

Aber gut bekannt ist, welche Rolle der BMI für das Risiko zu erkranken und auch für die Prognose nach Brustkrebs spielt. Dazu gibt es genug harte Zahlen. Sie belegen, dass Sport auch das Rezidivrisiko senken kann. Selbst die Nebenwirkungen der Therapien verringern sich durch körperliche Aktivität. Das betrifft Fatigue, Lymphödem, Gelenk- und Muskelschmerzen, sowie Osteoporose. Die Mortalität bei Brustkrebs ist rapide gesunken – aber um den Preis von Therapien mit Nebenwirkungen. Umso wichtiger, dass diese sich durch körperliche Aktivität verringern lassen.

Es gibt keine Krebs-Diät

Der Ernährungsmediziner Prof. Hans Hauner, TU München, referierte im Rahmen der Sitzung zur Komplementärmedizin über gesundes Essen, assoziiert mit dem Körpergewicht. Die healthy range bestimmt mit über die Lebenserwartung. Sie liegt zwischen einem BMI von 18,5 und 25. Ab BMI 30 steigt das Risiko rapide an, zu erkranken und zu versterben. Ernüchternd ist die Erkenntnis, dass sich nicht genau definieren lässt, was eine gesunde Ernährung ist. Es gibt keine Krebs-Diät. Gesichert sind aber die Ratschläge: kein oder wenig Alkohol, nicht über BMI 25 zunehmen. Das gelingt am besten mit fettarmer Kost. Dazu viel Obst und Gemüse. Wenig industrielle Lebensmittel. Wenig rotes Fleisch, ohnehin weniger Fleisch. Am Besten sei immer noch die mediterrane Diät.

Vor dem Fasten Beratung einholen

Der Komplementärmediziner Prof. Josef Beuth von der Universität Köln betonte den Unterschied zwischen Alternativmedizin und Komplementärmedizin. Letzteres ist etwas, was zusätzlich zu den nachgewiesen wirksamen Therapien gemacht werden kann – weil es zusätzlich hilft oder die Nebenwirkungen verringert. Das ist scharf abzugrenzen von der Alternativmedizin, bei der etwas unterlassen wird, d.h. die Chemo nicht gemacht wird, weil man ja Misteln nimmt. Das sei einfach dumm. Leider gibt es für die Komplementärmedizin relativ wenig Evidenz. Ein holistisches Konzept, also immer die ganze Patientin im Blick zu haben, ist aber ein gutes Herangehen. Und dafür gibt es ja die Brustkrebs-Zentren, die die Patientin als Ganzes im Blick haben und nicht als Objekt einer Chemo- oder Strahlentherapie oder als zu Operierende.

Zur Frage, wie er zum Fasten steht, sagte Prof. Janni, das dürften auch Krebspatientinnen tun. Aber es sei zu kurz gedacht, anzunehmen, dass man damit die Tumorzellen aushungern kann. Patientinnen nach einer OP oder nach einer Chemotherapie, die unter einer besonderen Belastung stehen, sollten sich Rat holen, ob Fasten für sie jetzt ratsam ist.

Chronisch statt palliativ

Thema Nummer 2: Palliative Therapie bei fortgeschrittenem Brustkrebs

Prof. Dr. Hans Joachim Lück, gynäkologisch onkologische Schwerpunktpraxis Hannover, stellte in seinem Überblick zum zweiten Kongresstag klar, dass er den Begriff "palliativ" anders wählen möchte. Da es mittlerweile auch bei den metastasierten Patientinnen lange Überlebenszeiten gibt - viel längere als er sich zu Beginn seiner ärztlichen Karriere hätte vorstellen können - sei der Begriff chronische Brustkrebs-Erkrankung viel treffender. Zwei Sessions haben sich am zweiten Kongresstag mit dem Thema der metastasierten Situation beschäftigt. Wichtig waren Behandlungsoptionen für die Mehrzahl der Betroffenen, Frauen, deren Hormonrezeptor positiv ist, und da besonders die Erweiterung der antihormonellen Therapien, insbesondere durch die neuen CDK4/6-Inhibitoren. Diese könne man den Patientinnen als Katalysator erklären, den man zusätzlich für die antihormonelle Therapie einsetzen kann, sodass die Zeit bis zur nächsten Therapie deutlich verlängert wird.

Immer auch an schonendere Optionen denken

Die Verlängerung der Zeit bis zur nächsten Therapieentscheidung bedeutet eine Verringerung von Symptomen und Beschwerden, also eine Verbesserung der Lebensqualität. Wesentlich sei das Gespräch mit den Patientinnen, damit sie eine Entscheidungsmöglichkeit bekommen. Der Arzt habe es zu akzeptieren, wenn sie sagt, sie möchte das nicht. Das ist ihr zu viel.

Wesentlich sei nun, die Wirksamkeit weiter zu untersuchen, aber auch Wege zu finden, um die Nebenwirkungen zu reduzieren. Es gibt Optionen mit Antikörpern, an denen Zytostatika angekoppelt sind, die mindestens eine gleichwertige Effektivität haben, bei denen den Patientinnen der Haarverlust erspart bleibt und es zu weniger Veränderung des Blutbildes kommt, sowie keine Übelkeit auftritt.

Im Fokus stand auch die neue Säule der Krebsbehandlung – die Immunonkologie. Für Prof. Lück eine besonders spannende Entwicklung, die aber erst am Anfang steht. Bei anderen Tumorarten gibt es sehr positive Ergebnisse. Beim Brustkrebs ist es schwierig, die Gruppen zu identifizieren, die möglicherweise profitieren. Da ist noch viel Arbeit zu leisten. Es sind keine einfachen Therapien und sie sind alles andere als nebenwirkungsfrei. Damit sollten Fachleute umgehen, die sich damit auskennen. Dennoch besteht die Hoffnung, dass es eine noch passendere Therapie für den einzelnen individuellen Tumor geben wird.

Methadon kein tumorspezifisches Medikament

Ein weiteres Thema ist die Diskussion um Methadon. Es gibt hauptsächlich präklinische Daten dazu. Methadon bzw. Polamidon wird in der Schmerztherapie seit Jahren eingesetzt. Es ist ein sehr schwieriges Medikament - und es ist gefährlich. Die Schwelle zwischen positiver Wirkung und negativer Nebenwirkung ist extrem schmal. Was an Daten für die Wirkung von Morphinen zur Verfügung steht, bestätigt die positiven Erwartungen für die Krebsbehandlung insgesamt nicht. So gibt es keine Indikation, die Substanzen außerhalb einer Schmerztherapie als tumorspezifische Therapie einzusetzen.

Das Recht auf Nicht-Wissen

Thema Nummer 3: Familiärer Brustkrebs - Stand der Diagnostik und Therapie

Dazu berichtete Dr. Dorothee Speiser von der Charité. Sie fasste die wichtigsten Aspekte aus fünf Sitzungen des Tages mit 33 Vorträgen zusammen. Vielfach ging es um die Gene, deren Untersuchung und was daraus abzuleiten ist. Ein Feld, das sich sehr schnell entwickelt. 1993 wurden die BRCA-Gene zum ersten Mal sequenziert. Die bekannten Hochrisiko-Gene BRCA 1 und 2 sind nicht mehr die einzigen Hochrisiko-Gene. Zwei weitere kommen hinzu: TP 53 und PLAB 2. Deren Mutationen sind aber durchaus seltener.

Die Empfehlungen, die sich diesen Genen ableiten, sind relativ eindeutig. Das trifft aber leider nicht auf neuere, moderatere Risiko-Gene zu, die in der letzten Zeit hinzukamen. Diese Gene könne sowohl das Risiko für Brustkrebs wie auch Eierstockkrebs erhöhen – aber auch für assoziierte Tumorerkrankungen, wenn Mutationen vorliegen. Deswegen ist schon vor der Entscheidung für eine genetische Testung wichtig, dass die Ratsuchenden sich klarmachen, was sie überhaupt wissen wollen. Es gibt ein klares Gen-Diagnostikgesetz. Dessen Hauptpunkt ist das Recht auf Nicht-Wissen. Dr. Speiser selbst möchte keiner Ratsuchenden etwas berichten, womit diese später nicht umgehen kann, was sie also mehr be- als entlastet. Deswegen sei es besonders wichtig, die Beratungsleistung im Vorfeld einer genetischen Testung ganz auszuschöpfen. Man kann heute mit ein paar Klicks im Internet komplette Sequenzierungen kaufen und steht dann mit Ergebnissen da, die einen Menschen überfordern. Deswegen gehört die Beratung zu Genanalysen und zur Bedeutung von genetischen Mutationen in erfahrene Hände.

Wenn die Entscheidung gefällt ist zu testen und auch welches Panel getestet wird, dann ist der nächste Schritt, wie die Risiken zu berechnen sind. Eine Mutationsträgerin ist im eigentlichen Sinn keine kranke Person. Aber sie muss sich mit dem Krankheitsrisiko auseinander setzen und Entscheidungen treffen, die sie krank machen können. Deswegen stehen die Ärzte, die diese Testungen machen in einer besonderen ethischen Pflicht.

Daraus folgt: Wie kommt man zu den richtigen Entscheidungen? Was ist richtig? Es braucht ein Wissen, auf das man bauen kann. Das trifft vor allem im Spannungsfeld Früherkennung versus prophylaktische Operation zu. Nur eine so fundierte Entscheidung ist auch langfristig gut zu tolerieren. Es gibt mittlerweile viele unterschiedliche Konzepte, wie diese Entscheidungsfindung funktionieren kann. In Köln gibt es das Projekt, Pflegekräfte anzulernen für spezielle Entscheidungshilfen. In Berlin gibt es das Konzept, ein Beratungstool zu entwickeln, um das Verständnis für Zahlen und Informationen besser an die Ratsuchenden weiter zu geben.

Beste Beratung für jede Patientin sichern

Immer wichtiger wird, dass all diese Möglichkeiten allen Ratsuchenden offen stehen. Es gibt seit 1996 ein Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Es bestand ursprünglich aus sechs Zentren. Mittlerweile sind es 18 Zentren an Universitätskliniken, gut über das Land verteilt. Doch das reicht noch nicht aus. Man will noch mehr in die Breite gehen - und Kollegen in kooperierenden Zentren qualifizieren. Sie können dann ihre Ratsuchenden und Patientinnen vor Ort gut aufklären, Blut abnehmen, alles zeitnah und heimatnah erledigen und das alles zugleich an die jahrelange Expertise des Konsortiums koppeln. Denn die tollste Forschung nützt nichts, wenn sie nicht in die Breite kommt. In diesen Strukturen kann man breitgefächert Studien anbieten und eine translationale Verzahnung zwischen Klink und Forschung schaffen.

Weitere detaillierte Informationen zu diesen Themen lesen Sie im esanum Infocenter "Frauengesundheit".

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