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HIV-Therapie 2018: Wo stehen wir heute?

Die meisten HIV-Patienten in Deutschland sind gut versorgt. Einen Grund, sich auf diesen Erfolgen auszuruhen, gibt es allerdings nicht, denn die Infektion ist nach wie vor nicht heilbar

Die moderne antiretrovirale Therapie unterdrückt die Virusvermehrung im Körper dauerhaft. Das Vollbild von AIDS ist somit in Deutschland nur noch sehr selten zu beobachten. Dennoch wird die lebenslange Viruskontrolle mit anderen gesundheitlichen Einschränkungen erkauft. Ein Umstand, den es zukünftig durch die Entwicklung neuer nebenwirkungsärmerer Therapiemethoden zu adressieren gilt.

Bei frühzeitigem Therapiebeginn kann heutzutage oftmals mit einer Immunrekonstitution in den Normbereich von etwa > 500 Helferzellen pro Milliliter Blut gerechnet werden. Dadurch nimmt selbstverständlich das Risiko für AIDS-definierende Erkrankungen ab, sodass Menschen mit HIV-Infektion eine nahezu normale Lebenserwartung erreichen.

Die moderne HIV-Therapie kommt in der Regel mit einer einzigen täglich einzunehmenden Tablette aus. Dadurch hat sich nicht zuletzt vor allem auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten spürbar verbessert.

Doch trotz aller Fortschritte im vergangenen Jahrzehnt, die solche Entwicklungen erst ermöglicht haben, hat die antiretrovirale Therapie noch immer teils ernst zu nehmende Langzeitfolgen, wie beispielsweise ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko oder die bei einigen Patienten auftretende ZNS-Neurotoxizität unter Dolutegravir.

Verträglichere Fixkombinationen vor der Zulassung

"In den kommenden Monaten kann mit der Zulassung weiterer HIV-Substanzen gerechnet werden", so Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh von der Universität Bonn. Hierzu zählt vor allem die Integrasehemmer-basierte Fixkombination aus Bictegravir mit TAF/FTC.

Bictegravir scheint nach derzeitiger Studienlage eine ähnlich hohe genetische Mutationsbarriere zu haben wie das Dolutegravir. Spannend bleibt jedoch, ob sich unter Bictegravir möglicherweise das Neurotoxizitätsrisiko reduzieren lässt. Die Formulierung mit TAF/FTC bietet zudem die Möglichkeit, besonders knochen- und nierenfreundlich behandeln zu können.

Einen weiteren Antrag auf Zulassung gibt es derzeit für das Doravirin, einen neuen NNRTI. Dieser Wirkstoff punktete in den Studien vor allem aufgrund seiner ausgewiesenen guten virologischen Wirksamkeit bei hoch-virämischen Patienten. Die Neurotoxizität scheint gleichzeitig geringer zu sein. Zugelassen soll Doravirin zukünftig dann in der Fixkombination mit TDF/3TC zur Verfügung stehen.

Eine Heilung wird es nicht so schnell geben können

Neben einer weiter verbesserten, lebenslangen Therapie steht natürlich auch die Möglichkeit einer Impfung oder kompletten Ausheilung einer HIV-Infektion im Fokus der Betroffenen und der Forschung. Tatsächlich gibt es derzeit verschiedene Ansätze, eine Heilung zu erreichen. Dennoch ist eine baldige Lösung des Problems (noch) nicht in Sicht.

Vielversprechende Forschungsansätze auf diesem Gebiet sind z. B. gentherapeutische Versuche, breit neutralisierende Antikörper oder therapeutische Vakzine. Mit dem verbesserten Verständnis der Pathogenese der HIV-Infektion sind hier langsame und doch stetige Fortschritte zumindest wahrscheinlicher geworden.

Da eine Heilung von HIV-Infektionen derzeit noch Utopie ist, kommt der Prävention selbstverständlich eine besonders wichtige Rolle zu. "Mit der sehr erfolgreichen Einführung der PrEP in Deutschland ist nun auch die Hoffnung seitens der Behörden gestiegen, dass die Zahl der Neuinfektionen für HIV nachhaltig abnehmen wird, insbesondere in der vulnerablen Zielgruppe der MSM", so Prof. Rockstroh zum Abschluss.

Quelle:
Plenarvortrag "HIV – das Update 2018", 17. Münchner AIDS- und Hepatitis-Tage, 24.03.2018, Berlin