HIPEC ohne Effekt bei kolorektaler peritonealer Karzinomatose

Studie zeigt erhöhte Komplikationsrate durch hypertherme intraperitoneale Chemotherapie

Eine hypertherme intraperitoneale Chemotherapie bei der Operation einer peritonealen Karzinomatose verbessert im Vergleich zu alleiniger Operation das Überleben nicht und kann die Komplikationsrate erhöhen. Dies ergab die französische PRODIGE-7-Studie, die François Quenet, Regionales Krebsinstitut, Montpellier, beim 2018 ASCO Annual Meeting am 5. Juni 2018 in Chicago vorstellte.

Die peritoneale Karzinomatose ist ein metastasierter Tumor im Peritoneum, der bei etwa 20 % der Patienten mit einem Kolorektalkarzinom vorkommt. In vielen Ländern ist bislang die hypertherme intraperitoneale Chemotherapie nach der chirurgischen Entfernung des Tumors Standard oder zumindest eine akzeptierte Therapieoption.  Ohne Behandlung überleben die Patienten weniger als 6 Monate, mit moderner systemischer Chemotherapie etwa 16 Monate und mit kompletter chirurgischer Entfernung plus HIPEC rund 40 Monate, erläuterte Quenet bei einer Pressekonferenz der ASCO.  "Als dieser Therapieansatz vor mehr als 15 Jahren entwickelt wurde, hatten wir die erste wirksame Behandlungsmöglichkeit für metastasierte Tumoren im Abdomen, aber wir wussten nicht, ob die Gabe der erhitzten Chemotherapie während der Operation ein wichtiger Bestandteil der Behandlung war oder nicht", erklärte er weiter. Daher untersuchten Quenet und seine Kollegen diese Frage nun in einer randomisierten Studie.

In die PRODIGE-7-Studie wurden in Frankreich zwischen Februar 2008 und Februar 2014 265 Patienten mit einem Kolorektalkarzinom Stadium IV und peritonealer Karzinomatose aufgenommen. Randomisiert wurden 132 Patienten operiert, bei 133 Patienten wurde zusätzlich zur Operation eine hypertherme intraperitoneal Chemotherapie (HIPEC) mit auf 43 °C erhitzter Oxaliplatin-Lösung durchgeführt. Die meisten Patienten erhielten zusätzlich eine systemische Chemotherapie nach Entscheidung des Arztes.

Die Sterblichkeit nach 30 Tagen betrug in beiden Gruppen 1,5 %, die Nebenwirkungsrate unterschied sich in den ersten 30 Tagen in den beiden Gruppen nicht. Die Zahl der Komplikationen hatte sich allerdings nach 60 Tagen in der HIPEC-Gruppe im Vergleich zur Non-HIPEC-Gruppe fast verdoppelt (24,1 % vs. 13,6 %).

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 64 Monaten betrug das mediane Gesamtüberleben in der Non-HIPEC-Gruppe 41,2 Monate, in der HIPEC-Gruppe 41,7 Monate (HR 1,00 p = 0,995). Das rezidivfreie Überleben war mit 11,1 Monaten in der Non-HIPEC- und mit 13,1 Monaten in der HIPEC-Gruppe ebenfalls nicht signifikant unterschiedlich (HR 0,908, p = 0,486).

Eine Subgruppenanalyse der Studie weist darauf hin, dass die HIPEC möglicherweise bei Patienten mit einem mittleren peritonealen Krebsindex (PCI) – ein Maß für die Tumormasse - von der HIPEC profitieren können, während sie bei niedrigem Index verzichtbar ist. Bei hohem PCI haben weder HIPEC noch Operation einen Effekt. Allerdings sind diese Zahlen für Schlussfolgerungen zu klein.

"Diese Studie ist sehr wichtig und ein Beispiel dafür, dass weniger mehr sein kann. Sie belegt, dass man vielen Patienten eine unnötige Chemotherapie ersparen kann, die häufig mit heftigen Nebenwirkungen einhergeht", so ASCO-Experte Andrew Epstein, Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York, bei einer Pressekonferenz  der ASCO. 

Quelle:
Quenet F, et al. A UNICANCER phase III trial of hyperthermic intra-peritoneal chemotherapy (HIPEC) for colorectal peritoneal carcinomatosis: PRODIGE 7. 2018 ASCO Annual Meeting, Chicago, 1. bis 5. Juni  2018, Abstract LBA4001. https://meetinglibrary.asco.org/record/158740/abstract

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