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Neues System für Polypharmazie

Multimorbide Patienten mit Polypharmazie brauchen ein besonderes Management. Das Projekt AdAM (Anwendung für ein digital unterstütztes Arzneimitteltherapie-Management) will nun System in den Umgang mit Polypharmazie bringen. Dazu beantworten Experten die wichtigsten Fragen.

Mehr Zusammenarbeit von Krankenkasse, Ärzten und Patienten angestrebt

Multimorbide Patienten mit Polypharmazie brauchen ein besonderes Management – das Projekt AdAM – Anwendung für ein digital unterstütztes Arzneimitteltherapie-Management - will nun System in den Umgang mit Polypharmazie bringen.

Es geht um die Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit, Qualitätssicherheit und Kosteneffizienz im ambulanten Bereich. Projektträger sind die Barmer und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe. Beide haben zusammen mit weiteren Partnern das im Innovationsfonds geförderte Projekt initiiert. Prof. Dr. Daniel Grandt, Saarbrücken, erklärt auf dem Schmerzkongress, wie das Projekt funktioniert.

Was soll mit AdAM erreicht werden?

Mit zunehmender Anzahl von Arzneimitteln wächst das Risiko von gefährlichen Wechselwirkungen und Nebenwirkungen. Leitlinien für Erkrankungen sind häufig nur auf die einzelne Erkrankung fokussiert und berücksichtigen häufig nicht die Multimorbidität. Die Entscheidung ist dann schwierig, wenn eine Leitlinie den Arzt veranlasst, für die einzelne Erkrankung etwas zu tun, was dann in der Kombination mit anderen Medikamenten für den Patienten unsinnig und gefährlich ist. Hier muss eine Abwägung erfolgen – und das ist nicht ganz einfach, bedeutet es doch, dass im Einzelfall eine leitliniengerechte Behandlung nicht möglich ist. Im Projekt AdAM sind die Fachgesellschaften als Partner aufgerufen, Empfehlungen zu geben, wie man sich bei einander widersprechenden Leitlinien entscheiden soll. Koordiniert durch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin entwickeln medizinische Fachgesellschaften gemeinsam praxistaugliche Empfehlungen.

Die WHO will die Menge der Medikationsfehler in den nächsten 5 Jahren um die Hälfte senken – realistisch?

Es ist ein ambitioniertes Ziel, Medikationsfehler- und Risiken um 50 Prozent zu reduzieren. Ein Ziel, das zunächst utopisch anmutet. Doch andere Challanges der WHO, zum Beispiel die Händedesinfektion und die Benutzung von Checklisten im OP – haben gezeigt, dass erhebliche Fortschritte möglich sind. Im Fall von Arzneimitteltherapiesicherheit ist es wesentlich, Aufmerksamkeit zu erreichen,  Bewusstsein zu schaffen und AMTS die notwendige Priorität zu geben.

Das Recht auf einen Medikationsplan – wirkt es?

Das Recht des Patienten auf den Medikationsplan ab drei Medikamenten macht klar, wie wichtig die Übersicht über die Gesamtmedikation für AMTS ist. Dies erhöht die Sicherheit für den Patienten und ist heute keine optionale Leistung des Arztes mehr.

Wie viele Verordnungsfehler gibt es?

Es gibt eine Reihe von Untersuchungen zu vermeidbaren Risiken. Das Problem dabei ist, dass immer die Vermutung des Individualversagens zugrunde liegt - doch das tatsächliche Problem ist nicht der uneinsichtige Patient oder der ungenügend ausgebildete Arzt, sondern der unzureichende fehlertolerant organisierte Prozess der Behandlung mit Arzneimitteln. Es gibt auch das Problem, dass auf Seiten der Patienten Risiken unterschätzt werden und Familienangehörige z.B. ein Medikament mitnutzen. Und auf Seiten des Arztes gibt es einen ungenügend risikobewussten Umgang mit Verordnungen, das beginnt bereits dort, wo der Arzt gar nicht so genau weiß, was der Patient sonst noch an Arzneimitteln einnimmt.

Was ist das größere Problem: Overdrugging oder Undertreatment?

Es gibt beides. Und die Antwort hängt von der Patientengruppe und der Erkrankung ab. Bei multimorbiden, alten Patienten gibt häufiger Overdrugging als Undertreatment. Wenn man bei Krankenhausaufnahmen schaut, ob es für eine Verordnungen noch eine Berechtigung gibt sieht man: für 20 Prozent der Arzneimittel gibt es keine Indikation mehr. Ein Beispiel sind Schilddrüsenhormone. Die gehören für manche Patienten einfach seit Jahren dazu, obwohl es keine Indikation mehr dafür gibt. Oder Mittel zur Senkung der Magensäure, so genannte Protonenpumpeninhibitoren: zwei Drittel von ihnen haben keine fortbestehende Indikation mehr. Die Mittel hätten also längst abgesetzt werden müssen. Das unterstreicht, wie notwendig die regelmäßige Überprüfung der Gesamtmedikation ist.

Wie will AdAM diese Probleme lösen?

Die Zusammenarbeit von Krankenkasse und Ärzten soll in praxistauglicher Weise den Hausarzt unterstützen, Patienten mit Polypharmazie besser als heute zu betreuen. Die Krankenkasse macht über die KV dem Arzt Informationen zum Patienten zugänglich, die elektronisch aus Routinedaten extrahiert werden. Gleichzeitig wird eine elektronisch unterstützte Arzneimittelsicherheitsprüfung ermöglicht. Ein wichtiges Element ist die Zuarbeit von medizinischen Fachgesellschaften, die interdisziplinäre Handlungsempfehlungen entwickeln. Und es wurde eine Beratungshotline eingeführt, bei der der Arzt besondere Fälle mit Pharmakotherapie-Experten besprechen kann.

Wie viele Praxen nehmen am Projekt teil – mit welchem Ziel?

1000 Praxen sollen an dem Projekt teilnehmen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Neben der und durch die Verbesserung der Verordnung sollen Sterblichkeit und die Häufigkeit von Krankenhausbehandlungen von Patienten mit Polypharmazie reduziert werden. Auch Kosteneffekte sollen gemessen werden. Man geht davon aus, dass die Kostenersparnis eine Aufwandsentschädigung für die Ärzte kompensiert. Die Studie ist auf drei Jahre angelegt.