Die verlorenen Patienten

Das Patientenmanagement für rauchende Asthmatiker ist eine Herausforderung 

Das Rauchen gilt mit schätzungsweise einer Milliarde Rauchern nach wie vor als Weltproblem. Über 50 Prozent der Asthmatiker sind Raucher oder Ex-Raucher (20/30). Rauchen macht das Asthma schwerer und beschränkt dessen Behandlung. Asthma-Patienten, die regelmäßig zur Zigarette greifen, wachen nachts öfter auf, suchen deutlich öfter die Rettungsstation auf und haben insgesamt mehr Krankenhausaufenthalte.1 Derzeit gibt es keine auf Raucher angepasste Behandlungsoptionen. 

Warum ist das so schlimm? Asthma beeinträchtigt die Lungenfunktion und die Lungen entwickeln sich nicht richtig. Der Rückgang der Lungenfunktion wird durch das Rauchen verstärkt, was sich besonders bei langjährigen Rauchern zeigt. Es mag offensichtlich erscheinen, aber je mehr der Patient raucht, desto schlimmer wird sein Asthma. Rauchen wirkt sich zudem negativ auf die Asthma-Pathologie aus. Zigarettenrauchen induziert zusätzlich zu der zugrundeliegenden Asthmaentzündung eine neutrophile Atemwegsentzündung.

Da Raucher von klinischen Studien ausgeschlossen sind, ist nicht viel darüber bekannt wie sie auf Therapien ansprechen. Man weiß lediglich, dass aktives Zigarettenrauchen die Wirksamkeit der kurzzeitigen inhalativen Kortikosteroidbehandlung bei leichtem Asthma beeinträchtig. Anpassungen der Standardtherapie könnten also erforderlich sein, um eine Asthmakontrolle zu erreichen.  Eine Studie von Lazarus et al (2007) observierte, dass die Behandlung mit Montelukast die größte Verbesserung im Krankheitsbild der 39 Studienteilnehmer zeigte. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Leukotriene bei dieser Einstellung von rauchenden Asthmapatienten wichtig ist. Größere prospektive Studien sind allerdings erforderlich, um zu bestimmen, ob Leukotrien-Modifikatoren für das Management von Asthma bei rauchenden Patienten empfohlen werden können.2 

Gerade weil alternative Behandlungsoptionen nicht zur Verfügung stehen, besteht ein dringender Bedarf rauchende Asthmapatienten in Studien zu integrieren. Eine derart große Patientenpopulation einfach weg zu ignorieren darf nicht die Lösung sein. Um wirklich zu erfassen, was in dieser Population vor sich geht, sind klinische Wirksamkeitstests dringend erforderlich und die richtige Behandlung, zum Beispiel das geschlossene Triple, auch bewusst verschreiben zu können. Warum Raucher bisher grundsätzlich nicht in Studien mit eingebunden werden liegt daran, dass die Sorge besteht, dass bei der Rekrutierung Patienten mit COPD-Geschichte eingeschlossen werden könnten. Zudem ist die Reaktion auf die Behandlung vermindert und es besteht ein höheres Exazerbationsrisiko.

Die beste Therapie ist und bleibt selbstverständlich die Rauchentwöhnung. Ein Rauchstopp geht mit einer sofortigen Verbesserung der Lungenfunktion einher und die Entzündungen der neutrophilen Atemwege gehen bereits nach drei bis sechs Wochen nach der letzten Zigarette zurück. Behandelnde Ärzte sind dazu angehalten herauszufinden, wie sie ihre Patienten beim Rauchstopp unterstützen können. Da aber nicht davon auszugehen sei, dass Patienten den Rauchentzug durchziehen, sind dringend angepasste Behandlungsoptionen gefragt.

Quellen:
1. Shavit, O. et al (2007). Impact of smoking on asthma symptoms, healthcare resource use, and quality of life outcomes in adults with persistent asthma. Quality of Life Research. Dec 2007, Vol. 16, Issue 10, oo 1555-1565.
2. Lazarus, S. (2007). Smoking Affects Response to Inhaled Corticosteroids or Leukotriene Receptor Antagonists in Asthma. Am J Respir Crit Care Med. 2007 Apr 15; 175(8): 783–790.
Weitere Quellen:
EAACI München 2018. Company Sponsored Symposium (CSS 2) Novartis Pharma AG  
Why asthma is still uncontrolled in the 21st century: insight, impact and improvement. Ashley Woodcock, United Kingdom. 13:30 – 15:00, Hall 5.

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