Dietary lipids - Mit richtiger Ernährung Allergien vorbeugen

Weltweit sind allergische Erkrankungen auf dem Vormarsch. Über neue Forschungsergebnisse berichtete Prof. Dr. med. Linette Willemsen in dem Symposium "Prevention of food allergy: Do probiotics and micro nutrients matter?" auf dem EAACI Kongress 2018 in München.

Die Prävalenz für Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis liegt bei 10-25%. 6-8% der Kinder und 1-4 % der Erwachsenen leiden unter einer Nahrungsmittelallergie (z.B. Ei, Erdnuss, Fisch etc.). Die Nahrungsmittelallergie äußert sich im Bereich des Gastrointestinaltrakts mit Nausea, Emesis und Diarrhoe und im Bereich der Haut mit einer atopischen Dermatitis. Im Bereich der Schleimhäute kommt es zu einer allergischen Rhinitis und zum Anschwellen der Zunge und der Augenlider. Ein allergisches Asthma sowie der anaphylaktische Schock können lebensgefährlich sein.

Die allergische Sensibilisierung

Der allergischen Sensibilisierung gegen das jeweilige Allergen folgt eine Effektorzellantwort. Die Exposition gegenüber dem Allergen führt zu einer Th2-Zellantwort. Dies wiederum führt zu einer B-Zellaktivierung und zur Produktion von IgE. Das Ganze resultiert in verschiedenen allergischen Symptomen.

Die Hygienehypothese, der Einfluss der Biodiversität und neuartige Ernährungsgewohnheiten

Eine saubere Umgebung geht einher mit einer Reduktion des intestinalen Mikrobioms. Die Biodiversität des intestinalen Mikrobioms spielt eine entscheidende Rolle bei der Reifung des Immunsystems bei Kindern. Die westliche Ernährung ist reich an gesättigten Fettsäuren und arm an Ballaststoffen sowie arm an fetthaltigen Fischsorten. Der Shift in Richtung Omega-6-reichen weg von Omega-3-reichen Fettsäuren korreliert mit der steigenden Prävalenz von allergischen Erkrankungen. In den Industrienationen beträgt die kalorische Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren insgesamt 20-35%, sollte aber unter 10% liegen. Die Omega-6/ Omega-3-Ratio liegt bei 15:1 in den westlichen Ländern und bei 1:1 bei der Inuit-Bevölkerung.

Die Funktion von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

Die Omega-6-Fettsäuren sind die Vorstufe von Prostaglandinen und spielen eine wichtige Rolle für das Immunsystem. Ein erhöhter Gehalt von Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure) ist assoziiert mit einer höheren Konzentration an proinflammatorischen Botenstoffen. 
Die Omega-3-Fettsäuren schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der rheumatoiden Arthritis. Sie erfüllen wichtige Funktionen für das Auge und das Gehirn. Omega-3-Fettsäuren sind ein wichtiger Bestandteil der Zellmembran. Gleichzeitig sind sie die Vorstufe von Thromboxan, Leukotrienen und Prostaglandinen.

Omega-3-Fettsäuren-Metabolite wirken entzündungshemmend

Besonders die Metabolite der Omega-3-Fettsäuren sind wichtig. Maresin, D-Resolvin und D-Protectin wirken entzündungshemmend. Docosahexaensäure (DHA) hemmt aktiv Inflammationsprozesse durch die Bindung von GPR120 und PPAR-gamma.

Protektiver Effekt durch die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft

Die maternale Aufnahme von ungesättigten Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft hat Einfluss auf die spätere Entstehung von allergischen Erkrankungen der Kinder. Zu diesem Ergebnis kam die Forschungsgruppe um Furuhjelm C. nachdem sie 145 schwangere Frauen mit allergischer Prädisposition in einer randomisierten Placebokontrollierten klinischen Studie untersucht hatten.

Omega-3-Fettsäuren vs. Sojabohnenöl

Die werdenden Mütter erhielten eine tägliche Dosis von 1,6 g Eicosapentaensäure und 1,1 g Docosahexaensäure (DHA) oder ein Placebo (Sojabohnenöl). Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren und gehören zur Klasse der Omega-3-Fettsäuren. Die Studienteilnehmerinnen erhielten die jeweilige Nahrungsergänzung bzw. das Placebo ab der 24. Gestationswoche bis zum 4. Stillmonat.

Die Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren überzeugt

Die Kinder wurden mittels Prick-Test, der Detektion zirkulierender spezifischer IgE-Antikörper sowie klinisch untersucht. In der Omega-3-Fettsäuren-Gruppe zeigte sich im Vergleich zur Placebogruppe eine signifikant geringere Prävalenz für Nahrungsmittelallergien (2% vs. 15 %). Auch die Inzidenz für IgE-assoziierte Ekzeme war in der Omega-3-Fettsäuren-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe verringert (8% vs. 24%). Bei der Testung des Nabelschnurbluts zeigten sich Unterschiede in der Konzentration an EPA und DHA: Die Omega-3-Fettsäure-Gruppe besaß eine Konzentration von 12.8% die Placebogruppe eine Konzentration von 8,8%.

Die Forschungsgruppe schloss hieraus, dass eine Nahrungsergänzungstherapie von Schwangeren mit Omega-3-Fettsäuren einen protektiven Effekt für die Kinder im 1. Lebensjahr besitzt: Bei genetischer Prädisposition für Atopie ist das Risiko signifikant erniedrigt. Der protektive Effekt hielt insgesamt 2 Jahre an.

Bei der Prävention und Reduktion allergischer Symptome zeigt DHA-reiches Thunfischöl den größten Effekt.

Weitere Quellen:
1. Furuhjelm C. et al. (2009). Fish oil supplementation in pregnancy and lactation may decrease the risk of infant allergy. Acta Paediatr. 2009 Sep;98(9):1461-7. doi: 10.1111/j.1651-2227.2009.01355.x. Epub  2009 Jun 1.

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