Führen Biomarker bereits zu Therapieentscheidungen?

Die Post-hoc-Analyse einer Studie zu Patienten mit rheumatoider Arthritis zeigt, dass Biomarker möglicherweise helfen können, diejenigen Patienten zu identifizieren, die ein besonderes Progress-Risiko haben, und so individuelle Behandlungsentscheidungen zu ermöglichen.

In der Rheumatologie sind Therapieentscheidungen in den letzten Jahrzehnten immer komplexer geworden. Laut Ronald van Vollenhoven, Rheumatologe in der Abteilung für Medizin, Solna (Schweden), könnten Biomarker der beste Lösungsansatz sein, wenn es darum geht, das Dilemma in der Patientenbehandlung zu beseitigen. “Seit 20 Jahren sagen wir, dass Biomarker zum Greifen nah sind – und ich versuche, Sie davon zu überzeugen, dass das in den nächsten Jahren tatsächlich der Fall sein wird”, sagte van Vollenhoven. Schon heute benutzt alle Welt in der Rheumatologie Biomarker, so zum Beispiel das C-reaktive Protein. “Dennoch hoffen wir auf differenziertere Biomarker, die zu Behandlungsentscheidungen führen könnten”, konstatierte van Vollenhoven. Ein vielversprechendes Beispiel ist eine kommerziell vermarktete Aktivitäsleiste für Krankheiten mit Multimarkern, welche die Level von 12 Biomarkern analysiert. In der Post-hoc-Analyse von 235 Patienten mit früher rheumatoider Arthritis, die in die SWEFOT-Studie eingeschlossen wurden, konnte eine prognostische Wertigkeit dargelegt werden: Diejenigen Patienten mit einem niedrigen oder moderaten MBDA-Wert hatten ein nur 3%iges Risiko für einen radiologisch gesicherten Progress, wohingegen 21% der Patienten mit hohen Ausgangswerten in der Aktivitätsleiste für Multibiomarker-Krankheiten im darauffolgenden Jahr einen radiologisch nachgewiesenen Progress ihrer rheumatoiden Arthritis hatten. “Wir haben hier einen interessanten Test vorliegen, und wir wollten wissen, ob es Sinn macht, Hochrisiko-Patienten entsprechend ihres MBDA-Wertes aggressiver zu behandeln”, erklärte van Vollenhoven.

MBDA sagt ein Behandlungsansprechen voraus

Der primäre Endpunkt der SWEFOT-Studie war der Prozentsatz positiven Ansprechens entsprechend EULAR-Kriterien nach 12 Monaten: 25% der Studienpopulation erreichten dieses Ziel mit einer Dreifachtherapie aus konventionellen sogenannten disease modifying drugs (Methotrexat (MTX), Sulfasalazin (SSZ) und Hydroxychloroquin (HCQ)) sowie 39% mit MTX in Kombination mit TNF-Blockern – kein besonders beeindruckendes Resultat. Als jedoch die Ergebnisse der Patienten mit hohen MBDA-Ausgangswerten analysiert wurden, war der Unterschied frappierend: Nur 38% der Patienten mit hohen MBDA-Werten erreichten den primären Endpunkt mit der Tripeltherapie, verglichen mit 61%, die den TNF-Blocker erhielten. “Der Test hilft uns, diejenigen Patienten zu identifizieren, denen es mit einem TNF-Blocker sehr viel besser geht”, sagte van Vollenhoven. Bei Patienten mit niedrigen MBDA-Werten war es genau andersherum: Sie profitierten eher von der Tripeltherapie.

MBDA ist ein gutes Beispiel für das Potential von Biomarkern, zu Therapieentscheidungen zu führen und eine Untergruppe von Patienten zu identifizieren, die besonders von Biologicals profitieren. “Biomarker werden immer mehr dazu beitragen, personalisierte Behandlungsstrategien in der Rheumatologie zu realisieren”, schloss van Vollenhofen. Josef Smolen, Leiter der Universitätsklinik AKH Wien (Österreich), zeigt sich weit weniger optimistisch: “Ich schätze die Biomarker-Forschung sehr, doch trotz zahlreicher Bemühungen hat sich die Forschung zu neuen Biomarkern als Enttäuschung entpuppt, und sie konnte nicht überbieten, was wir schon lange wissen: dass das C-reaktive Protein und Autoantikörper sowie die klinische Krankheitsaktivität hervorragende Vorhersageparameter auf allen Ebenen sind”, sagte er in der Diskussion.

Quelle: Van Vollenhofen R. Biomarkers are critical for our future. Abstract SP0129, präsentiert am 12. Juni.

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