Mehr als 90 % der Analkarzinome durch HP-Viren verursacht

Patienten über Präventionsmaßnahmen informieren!

HPV 16 ist in der Mehrzahl der Fälle der auslösende Faktor des Analkarzinoms, was diesen Tumor zu einer präventablen Erkrankung macht, indem eine Infektion mit humanen Papillomviren verhindert wird.

Derzeit kennt die Wissenschaft mehr als 200 Subtypen humaner Papillomviren – einige davon gehören zu den sogenannten low-risk-Typen (HPV 6, 8), welche Genitalwarzen (Condylomata acuminata) verursachen, während andere zu den high-risk-Typen (HPV 16, 18) zählen, die als Ursache für verschiedene Tumorerkrankungen angesehen werden, z. B. Gebärmutterhalskrebs, oropharyngeale Tumoren oder auch Anal- und Peniskarzinome. Inwieweit die verfügbaren quadri- und nonavalenten HPV-Impfungen die Entstehung dieser Tumoren verhindern können, ist derzeit noch unklar. Dennoch scheint es lohnenswert zu sein, Patienten über die Präventionsmöglichkeiten aufzuklären, wie eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt.

Ein Forscherteam aus Polen gibt darin einen sehr umfassenden Überblick über humane Papillomviren (HPV) als ätiologischen Faktor bei der Entstehung des Analkarzinoms. Besonders wichtig und interessant sind dabei die Ausführungen zu den Möglichkeiten der Prävention und Aufklärung. Noch immer sehen viele Patienten und auch Ärzte HPV als ein reines Frauenproblem mit dem Fokus auf den Gebärmutterhalskrebs.

Doch dies entspricht keinesfalls mehr der aktuellen Wissenslage. Zwar sind Frauen auch beim Analkarzinom im Verhältnis 5:1 häufiger von der Erkrankung betroffen, doch leiden ebenso Männer unter anogenitalen Tumoren, die sich auf HPV-Infektionen, vornehmlich mit HPV 16, zurückführen lassen. Die Rolle der HP-Viren beim Oropharynxkarzinom ist zudem nicht erst seit der öffentlichen Erklärung von Michael Douglas weltweit bekannt.

Zwischen Clearance und Persistenz

Die 2-Jahres-Clearance-Rate einer HPV-Infektion mit high-risk-HPV 16 bei "gesunden" (immunkompetenten) Frauen beträgt circa 72 %, d. h. dass fast drei Viertel der Infizierten die HP-Viren erfolgreich wieder eliminieren können, bevor diese eine Erkrankung hervorrufen. Dennoch bleiben in einigen Menschen die HP-Viren latent in Haut- und Schleimhautzellen erhalten. Solche persistierenden Infektionen sind dann oft Auslöser für Neoplasien und schließlich Tumoren.

Aufgrund zahlreicher epidemiologischer Studien gelten als besonders gefährdet für persistierende HPV-Infektionen:

HPV werden nicht, wie vielfach angenommen, allein durch Geschlechtsverkehr übertragen, und ebenso wenig schützen Kondome zu 100 % vor einer Infektion. HP-Viren werden beim Haut- bzw. Schleimhautkontakt zwischen zwei Partnern übertragen, somit besteht ein Risiko der Übertragung sowohl beim Geschlechts- und Analverkehr als auch beim Oralsex oder beim Gebrauch von Sexspielzeugen. Eine US-amerikanische Studie an College-Studenten zeigte, dass viele junge Erwachsene (bis zu 40 %) die HP-Viren innerhalb der ersten zwei Jahre ihres Sexuallebens akquirierten. Das Risiko und auch die Wahrscheinlichkeit einer Infektion korrelierte dabei sehr stark mit der Anzahl der Sexualpartner in dieser Zeit. Interessant ist, dass zusätzlich gezeigt werden konnte, dass beispielsweise eine genitale HPV-Infektion auf andere Hautbereiche, den Anus oder auch auf Partner übertragen werden kann. Dabei gilt: Sowohl symptomatische als auch asymptomatische Individuen fungieren als Überträger.                                                                                                                                            

Infektionsprävention = Tumorprävention?

Obgleich die HPV-Vierfachimpfung gegen HPV 6, 11, 16 und 18 zur Impfung von jungen Mädchen weltweit seit mehr als 10 Jahren zur Verfügung steht, gibt es noch immer keine aussagekräftigen Daten, die zeigen, dass sich mithilfe dieser Vakzine Tumoren an Gebärmutter, Penis oder Anus vermeiden lassen würden.

Jedoch zeigten Studien bereits, dass zum einen die Belastung durch Genitalwarzen, welche vornehmlich von HPV 6 und 11 verursacht werden, in der Impfpopulation zurückgeht, zum anderen eine Infektion mit den krebsauslösenden hig-risk-Viren HPV 16 und 18 zu mehr als 95 % durch die Impfung verhindert wird. Ebenso scheint die Zahl der Neoplasien, den Vorstufen des Zervixkarzinoms, bei jungen Frauen zurückzugehen.

Darüber hinaus genügte in diesem Jahr die Sachlage offensichtlich auch in Deutschland, um die STIKO zu einer allgemeinen Impfempfehlung gegen HPV für Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren zu bewegen. Die Infektionsvermeidung gilt somit derzeit weltweit als die erste Präventionsmaßnahme im Kampf gegen impfpräventable, HPV-induzierte Tumoren, wie das Analkarzinom. 

Was bedeutet dies für die tägliche Praxis?

Alter, Geschlecht und sozioökonomische Faktoren beeinflussen offensichtlich das Wissen zu HPV und einem Zusammenhang zwischen den Viren und diversen Tumorerkrankungen. Frauen sind z. B. noch immer hauptsächlich von HPV-induzierten Tumoren betroffen und wissen daher auch zu mehr als 60 % darüber Bescheid. Bei den Männern waren es im Vergleich nur 44 %.

Dies zeigt den großen Aufklärungsbedarf bei diesem Thema, insbesondere, wenn es um die möglicherweise  impfpräventablen extra-zervikalen Tumorerkrankungen, wie das Analkarzinom, geht.

In einer weiteren zitierten Studie zeigte sich beispielsweise, dass Eltern, welche umfassende Informationen zum Infektionsrisiko für Jungen bzw. Mädchen erhielten, sich deutlich öfter für eine HPV-Impfung der Kinder entschieden. Dadurch werden Information und Impf-Prävention wohl zukünftig zu den eigentlichen Grundpfeilern im Kampf gegen HPV-induzierte, extra-zervikale Tumoren wie das Analkarzinom.

Quelle:
Krzowska-Firych J et al., An overview of Human Papillomavirus (HPV) as an etiological factor of the anal cancer. J Infect Public Health 2018; https://doi.org/10.1016/j.jiph.2018.06.005

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