esanum is an online network for approved doctors

esanum is the medical platform on the Internet. Here, doctors have the opportunity to get in touch with a multitude of colleagues and to share interdisciplinary experiences. Discussions include both cases and observations from practice, as well as news and developments from everyday medical practice.

esanum ist ein Online-Netzwerk für approbierte Ärzte

esanum ist die Ärzteplattform im Internet. Hier haben Ärzte die Möglichkeit, mit einer Vielzahl von Kollegen in Kontakt zu treten und interdisziplinär Erfahrungen auszutauschen. Diskussionen umfassen sowohl Fälle und Beobachtungen aus der Praxis, als auch Neuigkeiten und Entwicklungen aus dem medizinischen Alltag.

Esanum est un réseau en ligne pour les médecins agréés

esanum est un réseau social pour les médecins. Rejoignez la communauté et partagez votre expérience avec vos confrères. Actualités santé, comptes-rendus d'études scientifiques et congrès médicaux : retrouvez toute l'actualité de votre spécialité médicale sur esanum.

Tuberkulose häufig nicht erkannt - universelles Screening empfohlen

Viele AIDS-Patienten sterben an einer Tuberkulose, die oft nicht rechtzeitig erkannt wurde. Neil A. Martinson, Perinatal HIV Research Unit, Soweto, Südafrika, sprach sich bei der 25. CROI 2018 in Boston für ein universelles Screening auf Tuberkulose bei entsprechenden Risikogruppen aus.

Standardisierte Screeningmaßnahmen nicht präzise genug

Viele AIDS-Patienten sterben an einer Tuberkulose, die oft nicht rechtzeitig erkannt wurde, insbesondere in asiatischen und afrikanischen Ländern. Neil A. Martinson, Perinatal HIV Research Unit, Soweto, Südafrika, sprach sich bei der 25. CROI am 5. März 2018 in Boston für ein universelles Screening auf Tuberkulose bei entsprechenden Risikogruppen aus. 

Eine Tuberkulose (Tb) wird weltweit als eine der wichtigsten Todesursachen von HIV-assoziierten Todesfällen angesehen. Allerdings wird sie häufig nicht erkannt bzw. diagnostiziert. So ergab ein systematischer Review von Autopsiestudien mit HIV-infizierten Erwachsenen und Kindern, dass etwa 40 % der HIV-infizierten Erwachsenen in der Klinik an einer Tb verstorben waren. Meist handelte es sich um eine Miliartuberkulose. Fast die Hälfte, nämlich 46 % der Tb-Erkrankungen, wurden vorher nicht diagnostiziert. 

Hohe Sterblichkeit der Tb

Die Sterblichkeit ist bei Patienten mit Tb sehr hoch. In einem Krankenhaus in Malawi mit 160 Tb-Aufnahmen pro Woche, verstarben 22 % der Patienten, davon 72 % in der ersten Woche. In einer Klinik in British Columbia starben 26 % der mit einer Tb aufgenommen Kranken, davon 43 % innerhalb der ersten beiden Tage. Martinson stellte die Frage, was mit den Menschen passiert, bevor sie im Krankenhaus vorstellig werden. Daten aus Südafrika belegen, dass viele Patienten zu Hause versterben, die Todesursache jedoch häufig nicht richtig angegeben wird. In Matlosana, Südafrika, autopsierten Martinson und seine Kollegen 85 an unklarer Ursache verstorbene Erwachsene. Bei 31,8 % konnte eine Tb nachgewiesen werden. Überraschend sei gewesen, so Martinson, dass die Mehrzahl der Personen, nämlich 82 %, an Husten gelitten hat. Husten und weitere Symptome hatten im Median 68 Tage angehalten. Außerdem untersuchte die Forschergruppe Haushaltskontaktpersonen der Verstorbenen auf HIV und Tb. 3 von 56 Personen (5,3 %) hatten eine Tb. 

Symptomscreening auf Husten, Nachtschweiß und Gewichtsverlust zu ungenau

2011 wurden standardisierte Screeningmaßnahmen auf Tuberkulose publiziert für Personen in Regionen mit begrenzten Ressourcen. Fehlen die Schlüsselsymptome Husten, Nachtschweiß und Gewichtsverlust, kann bei HIV-Infizierten davon ausgegangen werden, dass sie vermutlich keine Tb haben. Bei Auftreten eines dieser Symptome sollten sie weiter auf Tb untersucht werden. Allerdings zeigen aktuell publizierte Daten, dass rund 70 % der von einer Tb betroffenen Patienten durch dieses Symptomscreening nicht erkannt worden waren. Zudem war bei 95 % der wegen anderer Gründe in die Klinik aufgenommen Patienten eine Tb durch das Symptomscreening nicht erkannt worden. 

Symptome werden von den Betroffenen oft nicht ernst genommen oder verschwiegen. So wird als Grund für Husten z. B. (früherer) Zigarettenkonsum oder Umweltverschmutzung angesehen. 

Sputumuntersuchung liefert bessere Ergebnisse

Wenn man jeden HIV-Infizierten auf Tb testet, findet man zwischen 30 und 40 % mit Tb Infizierte. Anhand verschiedener Studienergebnisse zeigte Martinson auf, dass ein universelles Screening mit Sputumuntersuchung sehr viel bessere Resultate liefert, als die Abfrage von Symptomen. Dies konnte unter anderem an Haushaltskontakten von Erkrankten, an Schwangeren und Frauen nach der Entbindung und anderen Risikogruppen gezeigt werden. 

Martinson wies darauf hin, dass in diesem Bereich eine intensivere Forschung unabdingbar sei. Es würden neue Tests auf Tb benötigt. Die STAMP-Studie habe z. B. gezeigt, dass ein systematisches Urinscreening zusätzlich zur Sputumuntersuchung die Ergebnisse verbessern könne. Seiner Meinung nach ist ein gezielter universeller Tb-Test bei HIV-Infizierten, Mitarbeitern im Gesundheitswesen, Personen mit Tb in der Anamnese und eventuell bei Diabetikern sinnvoll. 

Quelle:
Martinson, NA. Undiagnosed tuberculosis: promise for prevention. 25. CROI, Boston, 5. März 2018, Abstract 58. http://www.croiconference.org/sessions/undiagnosed-tuberculosis-promise-prevention