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Depression, Demenz, Delir: Ältere Patienten sollten gescreent werden

Kognitive und affektive Störungen frühzeitig erkennen

Depression, Demenz, Delir – wie schwer sie manchmal gerade bei älteren Patienten zu unterscheiden sind, war Thema eines Symposiums auf dem 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim.

Trauert der ältere Mensch noch um den Verlust eines geliebten Menschen oder handelt es sich bereits um eine Depression? Eine Abgrenzung nahm Dr. Uwe Sperling, Gerontopsychologe an der IV. Medizinischen Klinik der Universität Mannheim vor.

Für die Unterscheidung Trauer vs. Depression sind folgende Aspekte wichtig:

Haupteffekt: Erleben von Leere und Verlust

Anhaltende depressive Stimmung, Unfähigkeit Freude und Glück zu antizipieren

Missstimmung nimmt ab, kommt in Wellen (pang of grief), verbunden mit Gedanken oder Erinnerungen an den Verstorbenen

Anhaltende depressive Stimmung, nicht mit bestimmten oder beherrschenden Gedanken verbunden

Positive Emotionen, Humor

Durchdringende Traurigkeit und Kummer

Beherrschende Gedanken: Erinnerungen an den Verstorbenen

Selbstkritisches oder pessimistisches Grübeln

Selbstachtung vorhanden

Gefühle der Wertlosigkeit und der Selbstverachtung

Gedanken an Versäumnisse gegenüber dem Verstorbenen, Gedanken an Sterben und Tod auf den Verstorbenen bezogen

Gedanken, das Leben zu beenden aufgrund von Gefühlen der Wertlosigkeit, des Lebens unwürdig zu sein oder nicht mit dem Schmerz der Depression fertig werden zu können.

Als therapeutische Optionen nennt Sperling:

Sperling betonte, dass Symptome von Traurigkeit, Trauer und Depression im Alter ernstgenommen werden sollten. Außerdem müsse differenziert und dann ein entsprechender therapeutischer Ansatz gewählt werden. Er erinnerte auch daran, dass eine Depressionsdiagnose im Trauerfall nicht ausgeschlossen sein sollte. Dennoch sollte immer beachtet werden: Trauer ist ein Prozess, durch den das Herz wieder für neue Liebe bereitgemacht wird (Ragins 2015).

Demenz als Volkskrankheit

Demenz, Depressionen und Delir sind bei älteren Menschen so verbreitet, dass man von Volkskrankheiten sprechen könne, stellte Prof. Dr. Gerhard W. Eschweiler, Leiter der Geschäftsstelle des Geriatrischen Zentrums der Universität Tübingen, fest. 5 bis 30% der über 70-Jährigen werden klinisch mit Demenz diagnostiziert, 5 bis 10% dieser Altersgruppe mit Depressionen, 5 bis 40% (im Krankenhaus) mit der Diagnose Delir.

Wie die Ghost Studie 2014 (1.469 Patienten aus Allgemeinkliniken in Baden-Württemberg und Bayern, Alter: 78,6 Jahre) gezeigt hatte, wiesen 21% der Patienten kognitive Störungen auf, 19% litten an Demenz und nur bei 40% der Patienten war die Demenz vorher bekannt.

Kernsymptome des Delirs sind laut Eschweiler:

  1. Akuter Beginn der psychischen Veränderungen oder fluktuierender Verlauf
  2. Aufmerksamkeitsstörung
  3. Denkstörung (unklar, inkohärent)
  4. Veränderter Bewusstseinszustand

Dass zwischen 10 und 20% der über 65-jährigen Patienten schon bei Aufnahme ein Delir aufweisen, machte Dr. Simone Gurlit, Leiterin der Abteilung für Perioperative Altersmedizin des St. Franziskus-Hospitals Münsters deutlich. Während des Klinikaufenthaltes liegt die Inzidenz bei den über 70-Jährigen dann zwischen 30 und 50%. Perioperativ: nach "hüftgelenksnaher Fraktur" tritt ein Delir bei 44 bis 61% der über 65-Jährigen auf. Und rund 60% der Delirien bleiben unerkannt.

Bei 30% der Delir-Patienten geht das Delir in eine postoperative kognitive Dysfunktion (POCD) über, definiert ist die POCD als persistierendes kognitives Defizit nach Operationen.

Eine Demenz ist nach ICD 10 so definiert:

"Kognitive und affektive Störungen im Alter sind häufig. Oft liegt schon vor einer Operation eine Demenz vor, d.h. die Demenz wurde dann nicht durch die Operation getriggert, sondern lediglich demaskiert." Eschweiler hebt deshalb die Notwendigkeit hervor, ältere Patienten bei stationärer Aufnahme auf kognitive und affektive Störungen hin zu screenen, auch bei elektiven OPs im Alter, denn:

Es würde reichen, bereits existierende Empfehlungen konsequent umzusetzen und Delirpatienten als neu zu definierende Patientengruppe mit besonderen Bedürfnissen zu sehen. Dem kommt eine gute Struktur entgegen:

Quelle:
"Depression Demenz Delir: Die 3 D – was gibt es Neues?" 15. April 2018, DGIM Mannheim.