Medizin studieren im Ausland

Kein NC, mehr Studienplätze und niedrige Lebenshaltungskosten machen das Medizinstudium im Ausland attraktiv. Welche Zulassungsbeschränkungen gibt es?

Welche Voraussetzungen müssen für ein Medizinstudium im Ausland erfüllt sein? 

Die erste Voraussetzung für ein Medizinstudium ist die Fachhochschulreife. Anders als in Deutschland ist ein Medizinstudium in vielen anderen Ländern auch ohne NC möglich. In Österreich zum Beispiel bieten die drei staatlichen Universitäten in Wien, Innsbruck und Graz das Medizinstudium an und sind sogar verpflichtet, 20 Prozent der Studienplätze an EU-Staatsbürger zu vergeben. Jedoch ist dies oft mit deutlich höheren Kosten in Form von Studiengebühren und verschiedenen Aufnahmebedingungen verbunden. An vielen europäischen Universitäten ist ein erfolgreich bestandener Medizinertest ähnlich dem TMS-Test in Deutschland Voraussetzung für die Zulassung zum Medizinstudium. In Österreich heißt er MedAT, in Italien IMAT (International Medical Admissions Test). Soll das Medizinstudium in der jeweiligen Landessprache absolviert werden, müssen die Sprachkenntnisse bei einem Sprachtest nachgewiesen werden. Gleiches gilt für Studiengänge, die in Englisch angeboten werden. Bei der Wahl einer Universität sollte man im Blick behalten, dass nach dem Studium die Approbation erlangt werden muss. Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt Anerkennung des ausländischen Medizinstudiums in Deutschland.

Wie funktioniert die Bewerbung an Universitäten im Ausland?

In der Europäischen Union ist es problemlos möglich, sich bei Universitäten für einen entsprechenden Studienplatz zu bewerben. Die Bewerbungsfristen können sich jedoch unterscheiden, darum sollten frühzeitig Informationen entweder über die Universitäten selbst oder die Bildungsministerien der Länder eingeholt werden. In Deutschland endet die Bewerbungsfrist für das Wintersemester am 15. Juli und für das Sommersemester am 15. Januar. Auf den Webseiten der Universitäten stehen Bewerbungsformulare zum Download bereit, die direkt an die entsprechende Hochschule geschickt werden können. In Italien etwa ist auch eine zentrale Bewerbung für alle staatlichen Universitäten möglich. Zusätzlich zum Bewerbungsformular verlangen viele ausländische Universitäten ein Motivationsschreiben, in dem Bewerbende formulieren müssen, warum sie im Ausland studieren wollen, warum sie sich für diesen Studiengang und diese Universität entschieden haben. Die Bewerbung ist auch über eine Organisation möglich. Für die erfolgreiche Vermittlung eines Studienplatzes über eine Agentur fallen aber teils hohe Gebühren an, etwa in der Höhe einer Jahres-Studiengebühr.

Wo wird welches Visum für das Medizinstudium benötigt? 

EU-Bürger, die in einem EU-Land studieren, dürfen sich nach dem Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern für die Dauer ihres Studiums dort aufhalten, ohne ein Visum beantragen zu müssen. Bedingungen dafür sind die Einschreibung bei einer anerkannten Bildungseinrichtung, ein Nachweis über ausreichend Einkünfte, um sich selbst unterhalten zu können und eine umfassende Krankenversicherung. In einigen EU-Ländern müssen Studierende nach Ablauf der ersten drei Monate die Anmeldung des Wohnsitzes bei den lokalen Behörden vornehmen und den Nachweis der Immatrikulation erbringen, dann erhalten sie eine Aufenthaltsgenehmigung. 

Wie lange dauert das Medizinstudium im Ausland? 

Im europäischen Ausland dauert das Studium an staatlichen Hochschulen in der Regel ebenfalls 6 Jahre wie in Deutschland. An privaten Hochschulen kann es sich auf 5 Jahre verkürzen. Beispiel Österreich: An den staatlichen Hochschulen dauert das Medizinstudiem 6 Jahre, wohingegen es an der privaten Paracelsus Medizinuniversität in Salzburg nur 5 Jahre dauert.

Was kostet das Medizinstudium im Ausland?

Das Medizinstudium kann im Ausland sehr kostspielig sein. In Österreich ist das Studium an einer staatlichen Universität gebührenfrei. In England dagegen kostet das Medizinstudium im Jahr rund 11.000 Euro. Ähnlich hoch sind die Kosten mit 9.000 bis 11.000 Euro in Polen. 

Neben möglichen Studiengebühren für das Medizinstudium müssen auch die Kosten für ein Zimmer oder eine Wohnung und die restlichen Lebenshaltungskosten mit eingeplant werden. Günstig sind die Lebenshaltungskosten etwa in Bulgarien, Kroatien, Ungarn oder Litauen.

Wie lässt sich ein Medizinstudium im Ausland finanzieren?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Medizinstudium im Ausland zu finanzieren: das Auslands-BAföG, das Förderprogramm Erasmus, Stipendien und Förderangebote des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

Sofern in Deutschland ein Anspruch auf BAföG besteht, besteht diese Förderberechtigung in der Regel auch für ein Studium im Ausland. Das Auslands-BAföG kann genehmig werden für ein vollständiges Studium in der EU und in der Schweiz, für einen kurzen Studienaufenthalt und für ein Teilstudium im Ausland. Das Teilstudium muss in Deutschland aufgenommen worden sein oder wenn es sich um einen integrierten Studiengang handelt. Auch für ein in der Prüfungsordnung des gewählten Studiengangs vorgeschriebenes Praktikum kann Bafög gezahlt werden. Es ist auch möglich, im Ausland BAföG zu beantragen. Dort bestehen möglicherweise andere Förderbedingungen, so dass dort auch jemand BAföG bekommen kann, der in Deutschland keines erhalten würde.

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind das Erasmus-Förderprogramm, Stipendien und eine Förderung durch den Deutschen Akademischen Auslandsdienst.

Anerkennung des ausländischen Medizinstudiums in Deutschland

Nach dem Medizinstudium im Ausland muss in Deutschland die Approbation beantragt werden, die staatliche Zulassung zur Berufsausübung als Arzt. Für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen ist ein kostenpflichtiges Anerkennungsverfahren und möglicherweise auch eine Prüfung zu absolvieren. In Deutschland ist der Studienabschluss in allen EU-Ländern sowie der Schweiz gültig. Alle Informationen zur Anerkennung eines Medizinstudiums im Ausland sind in der Bundesärzteverordnung festgehalten. Informieren Sie sich hier, was bei der Anerkennung der Approbation in Deutschland zu beachten ist.

Auch Absolventen, die ihr Medizinstudium in einem Nicht-EU-Land absolviert haben, können die Approbation in Deutschland erhalten. Je mehr die medizinische Ausbildung den Standards in Deutschland entspricht, desto höher die Wahrscheinlichkeit für eine Anerkennung des Studienabschlusses in Deutschland. Eine Prüfung der zuständigen Stelle der Bundesländer verifiziert, ob der ausländische Abschluss dem deutschen Abschluss entspricht. Auch die Berufserfahrung wird bei dabei berücksichtigt.

Quellen:
www.auswaertiges-amt.de
www.europa.eu
www.target-medizin.de
www.medizinstudium-im-ausland.de
www.karrierebibel.de
www.medizinstudieren.at