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Rat(los) bei Husten?

Der Husten ist das Hauptsymptom, welches Patienten in die Pneumologie führt. Doch gleichzeitig ist er ein sehr unspezifisches Krankheitssymptom, sodass die Suche nach der möglichen Ursache dann meist erst beginnt. Aber sicher lässt er sich gut behandeln, Antitussiva gibt es ja schließlich so einige am Markt?

Selbst Codein nicht besser als Placebo?

Der Husten ist das Hauptsymptom, welches Patienten in die Pneumologie führt. Doch gleichzeitig ist er ein sehr unspezifisches Krankheitssymptom, sodass die Suche nach der möglichen Ursache dann meist erst beginnt. Aber sicher lässt er sich gut behandeln, Antitussiva gibt es ja schließlich so einige am Markt? Fehlanzeige! Die meisten der handelsüblichen Hustenmittel sind unwirksam und selbst das in der Pneumologie so hochgeschätzte Codein fiel in der Cochrane-Bewertung mit "nicht besser als Placebo" durch. Tja, und nun, Herr Doktor? – eine Bestandsaufnahme.

Nach den neuesten amerikanischen Leitlinien wird der Husten dort jetzt in drei Kategorien eingeteilt: 1) akut (< 3 Wochen), 2) subakut (3–8 Wochen) sowie 3) chronisch (> 8 Wochen). Ob diese Differenzierung das Bild über den Husten tatsächlich praxisnah zu verbessern hilft, bleibt abzuwarten. Ebenso wenig erschließt sich daraus bisher eine wirklich klinische Relevanz.

Viel interessanter ist jedoch die Frage, z. B. beim akuten Husten, ob dieser viral oder bakteriell verursacht wird. Immer häufiger treten dabei auch Fälle auf, bei denen die Atemfunktion trotz eines primär akuten Geschehens eingeschränkt ist und der Husten als Symptom über mehrere Wochen oder sogar Monate persistiert.

Ein akuter Husten – und die Mehrzahl der akuten Atemwegsinfektionen wird durch Viren hervorgerufen – ist in der Regel selbstlimitierend. Das bringt mit sich, dass der Krankheitsverlauf mit und ohne Medikament meist gleich ist. Dennoch verlangen sehr viele Patienten nach einem Antibiotikum, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Und Ärzte, in der Erwartung, der Patient benötige eine Therapie, damit er Hilfe vom Arzt erfährt und wiederkommt, verschreiben noch immer viel zu häufig und unkritisch solche Antibiotika. Cave: Nur bei entsprechender Indikation sollen Antibiotika verschrieben werden, im Falle von akuten Atemwegsinfektionen also nur nach bestätigtem bakteriellen Erregernachweis, bzw. bei begründetem Verdacht auf eine bakterielle Infektion.  

Die Rolle der Medikamente beim Husten

Darüber hinaus verursachen aber auch Medikamente als eine nicht seltene Begleiterscheinung Husten. Besonders betroffen sind Menschen mit Hypertonie, die zur Blutdrucksenkung ACE-Hemmer erhalten. Daneben sind ebenso unter der Behandlung mit A2R-Blockern, Betablockern, NSAIDs oder Calciumkanalblockern Hustensymptome zu erwarten.

Glücklicherweise kann der Pneumologe gegen den vielgestaltigen Husten, ungeachtet dessen, ob dieser akut oder chronisch oder eben Medikamenten-induziert ist, in seinem Praxisalltag ein großes Arsenal geeigneter Antitussiva einsetzen, um die Beschwerden der Patienten zu lindern. Oder etwa nicht?

Leider fallen bei wissenschaftlicher Bewertung die meisten der derzeit erhältlichen hustenstillenden Medikamente durch. Allen voran auch Substanzen, welche seit Jahrzehnten das Rückgrat der Hustentherapie darstellen, wie beispielsweise das Codein.

Weltweite Epidemie trifft auf therapeutische Lücke

Codein, die Allzweckwaffe zur Hustenstillung, erhält in einem aktuellen Cochrane-Review sehr schlechte Noten: "Nicht besser als Placebo", heißt es darin. Ganz ähnlich fällt das Urteil über ACC und Ambroxol, die Standard-Expectorantien aus. Auch hier urteilte das Cochrane-Gremium mit "nahe an der Unwirksamkeit".

Doch wie sieht es mit Phytopharmaka aus, denen viele Patienten in ihrer Wirkung vertrauen? Auch hier zeigt sich anhand der derzeitigen Studienlage ein ähnliches Bild. Weder Spitzwegerich, noch Eibisch sind demnach evidenzbasiert wirksam. Für Efeu-Extrakte sieht die Empfehlungssituation positiver aus, denn dafür gibt es unterstützende Studienergebnisse. Dennoch waren einige dieser Studien methodisch fehlerhaft, z. B. fehlte eine echte Placebokontrolle, sodass hier Nachbesserungen durch geeignetere Studiendesigns gefordert sind.

Ferner liegen bisher keine belastbaren klinischen Daten zu Thymianmonopräparaten vor. Im Gegensatz zu den Monopräparaten gibt es für zwei Kombinationen mit Thymian jedoch gute klinische Daten, sodass diese Kombinationen sogar Eingang gefunden haben in die Husten-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Fazit

Husten ist eines der häufigsten Symptome, jedoch ist er meist wenig spezifisch. Während der akute Husten in der Regel selbstlimitierend verläuft, stellt der chronische Husten weltweit ein immer größeres Problem dar. Oft stehen keinerlei medikamentöse Behandlungsoptionen zur Verfügung – eine therapeutische Lücke.

Gerade auch vor dem Hintergrund, dass bisher eingesetzte Antitussiva, wie z. B. das Standardmittel Codein, in ihrer Wirkung nicht nennenswert über der eines Placebos liegen, wird die Notwendigkeit für neue und vor allem wirksamere Hustenmittel offenbar.

In Entwicklung befinden sich derzeit bereits NMDA-Antagonisten, PDE-Inhibitoren sowie Wirkstoffe aus der Gruppe der P2X3-Antagonisten, wie z. B. Gefapixant (AF-219). Diese Wirkstoffe setzen direkt an der Hustenreizrezeption im Nervensystem an, indem sie die Funktion von Ionenkanälen verändern oder regulieren.

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Quelle:
Klinisches Symposium "Symptom Husten – Kardinalsymptom in der Pneumologie: häufig vorhanden, selten verstanden!", DGP 2018, Berlin