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Abspecken bei Hypertonie – pro und contra

<p><span>07.09.2015 | Bedeutet reduziertes Gewicht gleich besserer Blutdruck und g&uuml;nstigere Prognose? Zwei Hypertensiologen diskutieren &uuml;ber den Sinn schwindender Kilos bei Bluthochdruck. ...mehr</span></p>

Gewichtsreduktion kann den Blutdruck senken, aber bessert das auch die Prognose?

von Dr. Anja Braunwarth

Bedeutet reduziertes Gewicht gleich besserer Blutdruck und günstigere Prognose? Zwei Hypertensiologen diskutieren über den Sinn schwindender Kilos bei Bluthochdruck.

Pro: Zunächst einmal trägt Adipositas zu 40 % zur Entwicklung einer Hypertonie bei, betont Professor Dr. Alfred Wirth aus Bad Rothenfelde.1 Zudem drohen übergewichtigen Hochdruckpatienten vermehrt Arteriosklerose, linksventrikuläre Hypertrophie und Herzinsuffizienz. Nicht umsonst empfiehlt die „European Society of Hypertension“ Gewichtsreduktion – mit oder ohne Bewegungstherapie – als Erstlinienbehandlung, so Prof. Wirth. 

Pfundesparen als natürliche RAAS-Blockade

Eine Metaanalyse mit 25 Studien scheint den Erfolg der Maßnahme zu belegen: Pro verlorenes Kilo sinkt der systolische Blutdruck um 1,1 mmHg und der diastolische um 0,9 mmHg. Der Effekt ist bei Hypertonikern und Patienten unter medikamentöser Therapie größer als bei Normotonen. Als Wirkmechanismus einer Blutdrucksenkung durch Gewichtsabnahme nennt Prof. Wirth: Der Sympathikotonus sinkt und das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System wird gebremst. Damit stellt die Gewichtsreduktion für ihn eine Kausaltherapie dar. Darüber hinaus beeinflusse sie Dyslipidämie und erhöhte Blutzuckerwerte günstig. Der Experte räumt allerdings ein, dass das Konzept z.B. durch mangelnde Motivation oder Betreuung schnell an seine Grenzen stößt.

Contra: Professor Dr. Burkhard Weisser vom Institut für Sportwissenschaft, Sportmedizin der Universität Kiel, stimmt seinem Kollegen dahin gehend zu, dass die Vermeidung von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter essenziell für die Primärprävention ist.2 Aber den späteren Verlust überschüssiger Pfunde betrachtet er skeptisch. Denn wie jüngere Daten zeigen, haben ab einem gewissen Alter (40–50 Jahre) Übergewichtige und Adipöse in Bezug auf kardiovaskuläre Mortalität und Gesamtmortalität eine bessere Prognose. Offenbar gebe es eine große Subpopulation gesunder Adipöser ohne typische kardiale oder metabolische Komorbiditäten („healthy obesity“). Und für Menschen mit guter Fitness stellen die überzähligen Pfunde keine Gefahr dar („fat but fit“).

Fitness steigern bringt mehr Erfolg!

Diese Fakten haben sich in 15 Studien mit jeweils mindestens 1.000 Probanden bei Vorerkrankungen wie Herzinsuffizienz und Hypertonie bestätigt, erklärt Prof. Weisser. Speziell für Hochdruckpatienten liegt eine große Untersuchung mit mehr als 22.000 Teilnehmern vor, die das „classic obesity paradox“ belegt. In einer weiteren Studie ergab sich bei Gewichtszunahme eine reduzierte relative Mortalität (RR 0,64).

Prof. Weisser bestreitet nicht, dass durch Reduktion des Körpergewichts auch der Blutdruck sinkt. Seiner Ansicht nach mangelt es aber an harten Endpunktstudien, sprich fehlen die Beweise dafür, dass sich die Prognose der Patienten dadurch bessert, zumal in einigen Fällen nach Gewichtsreduktion höhere Renin-Angiotensin-Konzentrationen und häufig ein stimulierter Sympathikus zu beobachten sind. Aktuell fand sich in einer Subgruppe von Typ-2-Diabetikern mit kardiovaskulären Vorerkrankungen über zehn Jahre eine Prognoseverschlechterung nach Gewichtsabnahme. 

Langfristiger Abspeckerfolg bleibe ohnehin in den meisten Fällen aus, so Prof. Weisser. Er plädiert daher dafür, sich mehr auf die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit zu konzentrieren – eine Maßnahme, die hocheffektiv und prognostisch gut dokumentiert ist.

Quellen:

  1. Alfred Wirth, Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 2474;
  2. Burkhard Weisser, a.a.O.: 2475

Dicke Mädchen in Hochdruckgefahr 

Alarmierende Daten lieferte eine aktuelle deutsche Studie an mehr als 22.000  Kindern und Jugendlichen: Mit BMI und Taillenumfang wächst die Hypertonie-Gefahr dramatisch. Verglichen mit normalgewichtigen Kindern wiesen die jungen übergewichtigen Teilnehmer signifikant häufiger eine Prähypertonie auf. Bezog man Taillen-Größen-Index, Hautfaltendicke und prozentuales Körperfett mit ein, so ergab sich bei ungünstiger Fettverteilung ein sechfaches Risiko für adipöse Mädchen und ein vierfaches Risiko für adipöse Jungen. Es muss etwas geschehen, mahnte Professor Dr. Peter Schwandt vom Universitätsklinikum Nürnberg: „Die Parameter, die wir erhoben haben, verursachen wenig Aufwand und könnten z.B. auch an Schulen erhoben werden.“ (CG)

Quelle:

  1. ESC-Kongress 2014