Adrenalin-Gabe und Hirnschäden nach Reanimation

Die Gabe von Adrenalin während kardiopulmonaler Reanimationen (CPR) verbessert im Vergleich zu Placebo das Überleben geringfügig. Jedoch sind schwere Hirnschäden bei den Überlebenden nach Adrenalin fast doppelt so häufig.

Qualitativ hochwertige Daten aus Großbritannien beleuchten Nutzen und Risiko der Adrenalin-Gabe bei CPR

Die Gabe von Adrenalin während kardiopulmonaler Reanimationen (CPR) verbessert im Vergleich zu Placebo das Überleben geringfügig. Jedoch sind schwere Hirnschäden bei den Überlebenden nach Adrenalin fast doppelt so häufig.

Eine vom NIHR (National Institute for Health Research) finanzierte Studie untersuchte 8.014 Menschen, die außerhalb eines Krankenhauses einen Herzstillstand erlitten.1
Obwohl Adrenalin initial in einem Drittel der Fälle half, den Kreislauf wiederherzustellen, überlebten nur 3,2% der Patienten bis Tag 30. In der Placebokohorte waren es 2,4%.
Jedoch traten bei den Überlebenden, die Adrenalin erhalten hatten, fast doppelt so häufig schwere neurologische Behinderungen ein (31% versus 17,8%).

Hintergründe zu Adrenalin

Manche unserer Leser sind vielleicht notärztlich tätig, dann können Sie diesen Absatz gern überspringen.
Adrenalin-Injektionen werden seit etwa 60 Jahren häufig während einer CPR bei Herz-Kreislauf-Stillstand eingesetzt, ohne klare Evidenz, ob dies mehr schadet oder nützt.
Adrenalin kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wieder ein normaler kardialer Rhythmus einsetzt, da es den Blutfluss zum Herzen erhöht. Gleichzeitig bewirkt es jedoch eine Vasokonstriktion kleiner Gefäße, was die Perfusion anderer Organe, wie des Gehirns, reduziert. So kann das Risiko für neurologische Schäden steigen.

Der Einsatz von Adrenalin ging in Beobachtungsstudien mit besserem Kurzzeit-Überleben einher, daher empfiehlt auch die derzeit gültige Fassung der ERC‑Leitlinien (European Resuscitation Council) von 2015 während einer CPR die intravenöse Gabe von Adrenalin alle 3–5 Minuten, wenn kein normaler Herzrhythmus vorliegt. Es fehlte bisher an randomisierten, kontrollierten Studien, die untersuchen, ob der Nutzen die möglichen Schäden überwiegt.

Der besondere Wert der 'PARAMEDIC2'‑Studie

Die 'PARAMEDIC2'‑Studie war eine große, randomisierte, kontrollierte Studie, in deren Rahmen die Patienten außerhalb des Krankenhauses entweder Adrenalin (durchschnittliche Gesamtdosis 4,9mg) oder Placebo erhielten. Das Durchschnittsalter lag bei 70 Jahren.
Ersthelfer leisteten in beiden Gruppen in 59% der Fälle Wiederbelebungsmaßnahmen. Die Rettungswagen benötigten im Schnitt knapp über 6 Minuten zum Einsatzort und verabreichten die Injektionen durchschnittlich 21 Minuten nach dem initialen Notruf.
Mehr als ein Drittel der Patienten hatte einen unbeobachteten Herzstillstand, mehr als die Hälfte waren asystol und nur 19% hatten einen schockbaren Rhythmus. Dies könnte zu den niedrigen Überlebensraten beigetragen haben.

Fazit: Verbesserung von CPR‑Kenntnissen in der Bevölkerung und Verfügbarkeit von Defibrillatoren könnte die Überlebensrate anheben

Ein frühes Erkennen der Situation durch Beobachter und Beginn der CPR sowie eine frühe Defibrillation haben für das Überleben höchstwahrscheinlich mehr Gewicht als die Adrenalingabe.

Es bleibt unklar, ob die Vorgehensweise beim Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb der Klinik aufgrund dieser Ergebnisse verändert werden sollte. Die Resultate lassen ebenfalls keine Schlussfolgerungen betreffend Protokollen für intrahospitale Herzstillstände zu, bei denen Adrenalin klassischerweise innerhalb von 3 Minuten nach kardialem Arrest eingesetzt wird.
Wir wissen nun mehr über die Effekte von Adrenalin in diesem Setting, aber das Vorgehen in der praktischen Realität hängt maßgeblich von den Wertvorstellungen der Patienten ab, die im Vorhinein kommuniziert werden sollten.

Referenzen:
1. Centre, N. D. Adrenaline can restart the heart but is no good for the brain. (2018). Available at: https:/discover.dc.nihr.ac.uk:443/content/signal-000639/adrenaline-can-restart-the-heart-but-is-no-good-for-the-brain. (Accessed: 4th April 2019)

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